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14.05.2008 
Presseschau von 14.5.2008

Der Fluch des schwarzen Goldes

von Daniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse untersucht die politischen Folgen der weltweiten Jagd aufs Öl. Laut Wall Street Journal will Milliardär Carl Icahn Yahoo zur Ehe mit Microsoft zwingen. Newsweek zeigt, wie sich Detroit zum Sumpf für die Private Equity-Branche entwickelt. Fortune hinterfragt den Exodus bei Google. Fundstück: Hitlery im Führerbunker.

Der » Business Spectator aus Australien schreibt, dass die Jagd aufs Öl eine immer wichtigere Rolle in der US-Außenpolitik spiele. Während früher ausschließlich linke Politiker behauptet hätten, der Krieg im Irak sei durch das Öl motiviert gewesen, gehörten inzwischen Ex-Fed-Chef Alan Greenspan und Senator John McCain zu den Vertretern der einst ketzerischen These. „Sollte die Invasion in den Irak teilweise durch das Öl motiviert worden sein, dann ist sie gescheitert“, schreibt der Business Spectator – und verweist darauf, dass der Ölpreis 2003, vor dem Krieg, bei 26 Dollar je Barrel lag, 2008 jedoch vielleicht sogar an die 200-Dollar-Marke heranreichen werde. US-Politiker hätten das Problem der Ölversorgung bislang mit einer Mischung aus Wunschdenken und Angst behandelt, dabei jedoch die unbequeme Forderung vermieden, dass die Bürger ihren Lebensstil an die hohen Preise anpassen müssen. Statt über das Outsourcen von Jobs oder die Invasion billiger Produkte zu sinnieren, rät das Magazin, sollten westliche Politiker wegen der „Globalisierung westlicher Konsum-Muster“ besorgt sein. „Sollten die Chinesen und Inder einmal so viel essen und so viel fahren wie Amerikaner und Europäer, dann wäre die aktuelle Inflation bei Benzin und Nahrungsmitteln erst der Anfang.“

In der » New York Times widerspricht der Wirtschaftsprofessor Paul Krugman der These, dass Spekulanten den Öl-Preis in die Höhe trieben und daher eine riesige „Öl-Blase“ entstanden sei. Stattdessen seien „fundamentale Faktoren“ wie die „zunehmende Schwierigkeit, Öl zu finden, sowie das rapide Wachstum von Nationen wie China“ ausschlaggebend. Dass der hohe Ölpreis keine Blase sei, bedeute jedoch nicht, dass die Preise nicht wieder sinken könnten. „Ich wäre nicht überrascht, wenn eine sinkende Nachfrage als verspäteter Effekt der hohen Preise den Preis pro Barrel wieder unter 100 Dollar befördern würde.“ Verantwortlich für die Spekulanten-Hetze seien erstaunlicherweise nicht, wie traditionell der Fall, die Linken, sondern eher konservative politische Kräfte, die sich mit dem Gedanken, dass Energiesparen immer wichtiger werde, nicht anfreunden wollten. „Und daher wollen sie uns weismachen, dass wir zur guten, alten Zeit des Öl-Überflusses zurückkehren können“, schreibt der NYT-Ökonom.

Die Süddeutsche Zeitung wundert sich über die Vorschläge aus dem FDP-Lager, angesichts der drastisch gestiegenen Benzinpreise die Öko- und Kfz-Steuer abzuschaffen oder Benzin nur noch mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent zu belasten. „Wenn es um den Treibstoff für der Deutschen liebstes Spielzeug geht, schlägt die Stunde der Populisten“, kommentiert die Zeitung. Dass jedoch ausgerechnet Liberale nach dem Staat riefen, wenn in der Wirtschaft die Preise steigen, mute seltsam an. „Sind doch die Liberalen sonst immer die Verfechter von Staatsferne und Eigenverantwortlichkeit. Wenn der Wert einer Ware vom Markt bestimmt wird, hat sich nach der reinen Lehre der Staat herauszuhalten. Er wäre nur gefordert, wenn einem Kartell Einhalt geboten werden müsste. Ansonsten wäre es die pure Einladung zur Abzockerei, wenn der Staat Auswüchse bei der Preisgestaltung durch Steuersenkungen kompensieren wollte.“

Die » Moscow Times untersucht, was Öl und Demokratie in Russland verbindet – genauer gesagt: inwiefern das eine die andere hemmt. Neben der Größe des Landes und der russischen Mentalität seien die riesigen Rohstoffvorkommen der Grund dafür, warum Russland auf seinem Weg in die Demokratie „immer wieder in Straßensperren rennt“. Solange die Öl- und Gaspreise hoch seien, argumentiert das Blatt, müssten sich die Führungskräfte „kein Bein ausreißen“, um an der Macht zu bleiben. Und die Bürger seien nicht übermäßig besorgt, wie ihre Regierung strukturiert sei – Hauptsache, sie profitierten vom Gewinn durch die leicht zu fördernden Bodenschätze. Fazit der Zeitung: Es könne durchaus ein „Fluch“ sein, über so viele und leicht zugängliche Bodenschätze zu verfügen – die Annahme, dass hohe Gas- und Ölpreise auf lange Sicht die wirtschaftliche und politische Entwicklung schwächten, müsse sich jedoch nicht bewahrheiten. Dies hänge nur von der Führung und den Menschen des Landes ab.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Airbus: Letzte Chance für Major Tom.

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