Die internationale Wirtschaftspresse zeigt sich vom Stahlriesen Arcelor-Mittal beeindruckt und untersucht dessen Erfolgsstrategien. MarketWatch.com sieht den neuen Motorola-Co
-Chef Sanjay Jha auf einem äußerst schweren Posten. Alan Greenspan sorgt sich in der Financial Times Deutschland um die Globalisierung. Fundstück: Geschäftsreisen sind gefährlich.
"Erstaunliche acht Milliarden US-Dollar Gewinn vor Zinsen, Streuern und Abschreibungen - damit hat Arcelor-Mittal das für das 2. Quartal 2008 gesetzte Ziel locker übertrumpft. Dieser Konzern ist einfach die beste Werbung für schiere Größe", schreibt das indische Wirtschaftsportal Livemint.com tief beeindruckt. Den Erfolg des Tigers unter den Stahlproduzenten - Arcelor-Mittal stehe für ein Zehntel der weltweiten Stahlproduktion -, sei auf drei Faktoren zurückzuführen: Zum einen verfüge der Konzern über eine größere Vermögensbilanz als seine Konkurrenten; er kaufe seine Eisenerz- und Kohlförderer auf - und sichere sich zwei der Rohstoffe, deren Preise sich inflationär entwickeln. "Arcelor-Mittal entzieht sich dadurch geschickt dem Wettbewerb um diese Rohstoffe." Zum zweiten sei die große Reichweite von Vorteil: "Wenn in einer Region die Nachfrage nach Stahl sinkt, kann dies durch den steigenden Absatz in einer anderen kompensiert werden. Hier hilft Arcelor-Mittal sein umfangreiches Netzwerk." Und drittens wuchere das Unternehmen mit dem Pfund "Marktmacht", d.h. mit seiner wachsenden Kaufkraft und der Möglichkeit, die Preise weit über den Kosten festlegen zu können.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht einen Grund für den enormen Schub beim "Kraftprotz Mittal" in der Geschäftspolitik seiner Konkurrenten aus der "Alten Welt". "Thyssen-Krupp und die großen Stahlkocher aus Japan und Korea haben sich nämlich auf hochwertigen Flachstahl konzentriert. Ihre Kunden sind zuvörderst die Automobil-, die Verpackungs- und die Elektroindustrie. Typisch für diese Geschäfte sind aber lange Lieferverträge, in denen Preise und Mengen meist jährlich neu ausgehandelt werden." Zwar verfüge Mittal nach der Übernahme des europäischen Branchenprimus Arcelor nun auch über einen höheren Anteil von Zeitverträgen. Aber in seinem globalen Geschäft dominierten noch immer die Tagespreise. "Deswegen gelingt es Arcelor-Mittal schneller, die seit Jahresbeginn rapide Rohstoffverteuerung an die Kunden weiterzureichen." Zudem nutze der Stahlunternehmer Lakshmi Mittal wie kein anderer die gute Verfassung zum Ausbau der eigenen Rohstoffversorgung - eine Vorsorgemaßnahme für schlechtere Stahljahre.
Mit Wohlwollen registriert das Wall Street Journal, dass ArcelorMittal neben den Plänen für ein 600-Millionen-Dollar-Stahwerk in Mexiko auch die Übernahme einer 160 Millionen US-Dollar teueren Kokerei in Pennsylvania in Betracht ziehe. "Der Stahlproduzent lässt mit seinem verstärkten Engagement in Nordamerika Ängste vor einer US-Rezession locker verblassen", stellt das Blatt neidlos fest. Der Konzern setze bei beiden Investitionen auf die wachsende Rolle, die Mexiko in der Herstellung von Industriegütern spiele, und die Bedeutung der Autoindustrie für den US-Markt. Das mexikanische Werk werde hauptsächlich Stahl für die Bau- und die Autoindustrie herstellen und das Regierungsprogramm zur Verbesserung der Infrastruktur und der Wohnsituation der Bevölkerung unterstützen. Die Kokserei in Pennsylvania sei ein Beispiel dafür, dass ArcelorMittal gern Rohstoffproduzenten erwerbe, um unabhängiger vom Rohstoffmarkt und seinen Preisschwankungen zu sein.
Motorola
-Neuankömmling Sanjay Jha auf schwerem Posten
Das amerikanische Wirtschaftsportal MarketWatch.com kommentiert die Berufung von Sanjay Jha zum neuen Chef der Handysparte von Motorola
und gleichzeitigen Co-Chef des Gesamtunternehmens neben Greg Brown. "Jha hat sich in seiner 14-jährigen Karriere bei Qualcomm
Inc. Meriten als erfolgreicher Manager erworben. Doch er steht vor einer großen Herausforderung, denn die Situation bei Motorola
ist entmutigend." Seit das Unternehmen letztes Jahr Einbrüche in der Handysparte verzeichnete, habe sich die Mobiltelefonbranche radikal geändert - dank des überwältigenden Debüts des iPhones von Apple
. "Jha wird akzeptieren müssen, dass der Kampf um die Herzen der Mobiltelefonierer sich von den ultradünnen, herkömmlichen Handys auf die schnell wachsende Sparte der Mulitfunktionshandys (smart phones) verlagert hat. Doch statt schnell am Markt agieren zu können, wird er sich erstmal mit der internene Politik im Unternehmen auseinandersetzen müssen." Motorola
sei noch in zu viele Einzelheiten verstrickt, als dass der Konzern rasch zu einer Gefahrengröße für iPhone oder Blackberry
heranwachsen könne. "Da bleibt vorerst nur, Jha viel Glück zu wünschen."
Lehren aus der dot-com-Krise für heute
Die Globe and Mail aus Kanada hat sich mit Hamnett Hill, Überlebender der dot-com-Krise und heute Vorstandsvorsitzender seines damals geretteten Unternehmens, über Lehren aus wirtschaftliche Kernschmelzen unterhalten. "Im Kern gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen der damaligen und der jetzigen Krise. Doch der große Unterschied sind die Ansprüche des Marktes: In den 90er Jahren gab es einen regelrechten Appetit auf Zukunftstechnologie und den Willen, einen Markt zu besitzen, bevor er überhaupt entstanden ist. Es war die Lust aufs Risiko, die die Investoren auszeichnete", meint Hill. Heute gehe es um Grundlegenderes, darum, wie man Werte schaffe für seine Kunden, und wie man diese verteidigen könne. Gelernt habe er aus der dot-com-Krise, dass ein Börsengang nicht alles sei. "In den letzten zwei Jahren hatten wir mehrmals die Gelegenheit dazu, doch wir haben uns bewusst dagegen entschieden. An die Börse gehen, seinen Aktienwert um 50 Prozent steigern und ein großes Boot kaufen - das war damals das Wundermittel. Heute geht es um tragfähige, nachhaltige Geschäfte, und da sind Börsengänge eine Möglichkeit, aber nicht der Weisheit letzter Schluss."
Hände weg von den freien Wettbewerbsmärkten
In einem Gastkommentar für die Financial Times Deutschland geißelt Alan Greenspan den Kleinmut der Menschen in Krisenzeiten. "Das beispiellose Wachstum der weltweiten Wirtschaftsaktivität im vergangenen Jahrzehnt ist wahrscheinlich eine Folge der Globalisierung. Der ökonomische Rahmen, der diese globale Expansion befördert hat - der Marktkapitalismus -, wird heute attackiert, weil er unfähig sei, das Wachstum ohne Pause und teilweisen Rückzug fortzuführen." Der Grund für die aktuelle Verzweiflung sei aber nicht der Marktkapitalismus, sondern die allzu menschliche Neigung, zwischen Angst und Euphorie hin- und herzuschwanken. Kein ökonomisches Paradigma habe diese Neigung unterdrücken können, ohne schweren ökonomischen Schaden anzurichten: "Regulierung, die angeblich effektive Lösung für die heutige Krise, war nie in der Geschichte fähig, Finanzkrisen zu eliminieren." Die bemerkenswert starke Performance der Weltwirtschaft dagegen - selbst vor dem Hintergrund der Finanzkrise -, die wir seit der weltweiten Übernahme des Marktkapitalismus erlebten, bezeuge die Vorteile einer wachsenden weltwirtschaftlichen Flexibilität, die tief in freien Wettbewerbsmärkten wurzele. Die Gefahr besteht nun darin, dass einige Regierungen, frustriert und bedrängt von inflationären Kräften, versuchten, ihren Zugriff auf die Wirtschaft zurückzuerlangen. "Breitet sich das aus, könnte die Globalisierung zurückgedrängt werden - mit einem horrenden Preis."
Schaeffler geht mit Conti
an die Grenze der Belastbarkeit
Nach wie vor spannend bleibe der Kampf des Familienunternehmens Schaeffler um den Automobilzulieferer Continental
, meint die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nicht nur wegen der Art, in der Schaeffler die Kontrollübernahme in Hannover vorbereitet habe, sei der Fall spektakulär. Die Schaeffler-Gruppe gehe nun mit Conti
an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Bei einer vollen Übernahme säßen die Franken auf einem Schuldenberg von 31 Milliarden Euro; die Eigenkapitalquote sänke auf kümmerliche elf Prozent. Aus diesem Grund wolle Schaeffler bei Conti
zunächst unter 50 Prozent bleiben. "Mit anderen Worten: Die Franken haben gar kein Interesse daran, möglichst viele Aktien angedient zu bekommen. Mithin wollen sie auch ihr Übernahmeangebot nicht erhöhen." Nun gebe es offenbar Investoren, die bereit seien, ein höheres Angebot auf die Beine zu stellen. Vermutlich würden sie im Ernstfall unterhalb einer Beteiligungshöhe von 30 Prozent bleiben, um kein Übernahmeangebot unterbreiten zu müssen. "Mit einer Sperrminorität befreundeter Aktionäre im Rücken würde Conti
-Vorstand Manfred Wennemer verhindern, dass Schaeffler über eine Minderheitsposition die Hauptversammlungsmehrheit für sich reklamieren kann. Auch die von ihm befürchtete Zerschlagung des Konzerns im Dienste der Refinanzierung der Schaefflers wäre damit vorerst vom Tisch." Aber noch seien Wennemers Truppen nicht aus der Deckung gekommen - und die Tür für eine einvernehmliche Einigung mit den Schaefflers stehe weiterhin offen.
Indisches Handelsdefizit frisst Wirtschaftswachstum auf
Der indische Business Standard nimmt die Juni-Zahlen zum Handel genauer unter die Lupe. Es sei zwar zu erkennen, dass es im Export weiterhin voran gehe. "Aber Indien leidet unter einem monatlichen Handelsdefizit in Höhe von zehn Milliarden Dollar", sorgt sich das Blatt. Das seien immerhin 40 Prozent des jährlichen Wirtschaftswachstums und der "Bösewicht in diesem Drama ist das Öl". Denn allein für diesen Rohstoff seien 25,5 Milliarden Dollar ausgegeben worden, damit seien die Ölimporte um mehr als 50 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal des vergangenen Jahres gestiegen. Wenn sich das Defizit weiter vergrößere, werde die Wirtschaft anfälliger für Störungen. Und die erwartete Rezession in den USA werde die Wachstumsrate des indischen Exports nach unten ziehen. Der Kapitalstrom habe sich zu einem gewissen Grade auch schon umgedreht und wichtiges Kapital fließe nun seit einigen Wochen eher aus dem Land heraus.
Sri Mulyanis unorthodoxer Kampf gegen die Korruption
Die australische Zeitung The Age applaudiert der indonesischen Finanzministerin Sri Mulyani zu ihrem unorthodoxen und radikalen Kampf gegen Korruption. "Die preisgekrönte Expertin ermahnt nicht nur, sie handelt. So hat sie beispielsweise die ehemaligen 1300 Mitarbeiter im Kundenservice ihres Ministeriums versetzt, 800 neue Kundenberater rekrutiert, ihnen das vierfache Gehalt geboten und ihnen gesagt, sie würde sie vor Gericht stellen, akzeptierten sie Bestechungsgelder." Zwar seien nach sechs Monaten bei einer Razzia Umschläge mit Bestechungsgeldern gefunden worden, doch Sri Mulyani habe sich bei den Bürgern des Landes entschuldigt und darauf verwiesen, dass die lange Tradition der Korruption nicht innerhalb von sechs Monaten zu brechen sei. Sie habe viel dazu beigetragen, dass die Staatsfinanzen transparenter werden und nicht davor zurück geschreckt, Köpfe bei der Bank of Indonesia rollen zu lassen, als auch hier Fälle von Korruption bekannt wurden. In der Heimat gratuliere ihr die Presse: "Sie hat die Fähigkeit, die Makro-Ökonomie Indonesiens zu managen, sie zeigt Mut, Kontinuität und Integrität." So sei es kein Wunder, dass sie zwei Jahre ein Folge zur Finanzministerin des Jahres gewählt wurde, 2006 vom Magazin Euromoney und 2007 vom Magazin The Banker.
Fundstück: Durchfall ist die Geißel der Manager
Fach- und Führungskräfte in Deutschland unterschätzen die Gesundheitsgefahren, denen sie auf Geschäftsreisen ausgesetzt sind, meldet das Presseportal news aktuell. Einer Umfrage des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) in Hamburg zufolge würden Manager darüber nur unzureichend informiert: Branchen übergreifend stellten 67 Prozent der Betriebe ihrer Belegschaft keine Aufklärung über Gesundheitsgefahren in Geschäfts- oder Urlaubsgebieten zur Verfügung, moniert news aktuell. Die Sorge, die deutsche Führungselite könne demnächst komplett dahin gerafft werden, ist aber unbegründet: Entgegen den Befürchtungen der meisten Manager, an Malaria oder Hepatitis B zu erkranken, verursachten Durchfallerkrankungen die mit Abstand häufigsten Gesundheitsprobleme bei Reisen in tropische und subtropische Regionen.
Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de.
Mitarbeit: Kerstin Herrn.

