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05.08.2008 

Motorola-Neuankömmling Sanjay Jha auf schwerem Posten

Das amerikanische Wirtschaftsportal MarketWatch.com kommentiert die Berufung von Sanjay Jha zum neuen Chef der Handysparte von Motorola und gleichzeitigen Co-Chef des Gesamtunternehmens neben Greg Brown. "Jha hat sich in seiner 14-jährigen Karriere bei Qualcomm Inc. Meriten als erfolgreicher Manager erworben. Doch er steht vor einer großen Herausforderung, denn die Situation bei Motorola ist entmutigend." Seit das Unternehmen letztes Jahr Einbrüche in der Handysparte verzeichnete, habe sich die Mobiltelefonbranche radikal geändert - dank des überwältigenden Debüts des iPhones von Apple. "Jha wird akzeptieren müssen, dass der Kampf um die Herzen der Mobiltelefonierer sich von den ultradünnen, herkömmlichen Handys auf die schnell wachsende Sparte der Mulitfunktionshandys (smart phones) verlagert hat. Doch statt schnell am Markt agieren zu können, wird er sich erstmal mit der internene Politik im Unternehmen auseinandersetzen müssen." Motorola sei noch in zu viele Einzelheiten verstrickt, als dass der Konzern rasch zu einer Gefahrengröße für iPhone oder Blackberry heranwachsen könne. "Da bleibt vorerst nur, Jha viel Glück zu wünschen."

Lehren aus der dot-com-Krise für heute

Die Globe and Mail aus Kanada hat sich mit Hamnett Hill, Überlebender der dot-com-Krise und heute Vorstandsvorsitzender seines damals geretteten Unternehmens, über Lehren aus wirtschaftliche Kernschmelzen unterhalten. "Im Kern gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen der damaligen und der jetzigen Krise. Doch der große Unterschied sind die Ansprüche des Marktes: In den 90er Jahren gab es einen regelrechten Appetit auf Zukunftstechnologie und den Willen, einen Markt zu besitzen, bevor er überhaupt entstanden ist. Es war die Lust aufs Risiko, die die Investoren auszeichnete", meint Hill. Heute gehe es um Grundlegenderes, darum, wie man Werte schaffe für seine Kunden, und wie man diese verteidigen könne. Gelernt habe er aus der dot-com-Krise, dass ein Börsengang nicht alles sei. "In den letzten zwei Jahren hatten wir mehrmals die Gelegenheit dazu, doch wir haben uns bewusst dagegen entschieden. An die Börse gehen, seinen Aktienwert um 50 Prozent steigern und ein großes Boot kaufen - das war damals das Wundermittel. Heute geht es um tragfähige, nachhaltige Geschäfte, und da sind Börsengänge eine Möglichkeit, aber nicht der Weisheit letzter Schluss."

Hände weg von den freien Wettbewerbsmärkten

In einem Gastkommentar für die Financial Times Deutschland geißelt Alan Greenspan den Kleinmut der Menschen in Krisenzeiten. "Das beispiellose Wachstum der weltweiten Wirtschaftsaktivität im vergangenen Jahrzehnt ist wahrscheinlich eine Folge der Globalisierung. Der ökonomische Rahmen, der diese globale Expansion befördert hat - der Marktkapitalismus -, wird heute attackiert, weil er unfähig sei, das Wachstum ohne Pause und teilweisen Rückzug fortzuführen." Der Grund für die aktuelle Verzweiflung sei aber nicht der Marktkapitalismus, sondern die allzu menschliche Neigung, zwischen Angst und Euphorie hin- und herzuschwanken. Kein ökonomisches Paradigma habe diese Neigung unterdrücken können, ohne schweren ökonomischen Schaden anzurichten: "Regulierung, die angeblich effektive Lösung für die heutige Krise, war nie in der Geschichte fähig, Finanzkrisen zu eliminieren." Die bemerkenswert starke Performance der Weltwirtschaft dagegen - selbst vor dem Hintergrund der Finanzkrise -, die wir seit der weltweiten Übernahme des Marktkapitalismus erlebten, bezeuge die Vorteile einer wachsenden weltwirtschaftlichen Flexibilität, die tief in freien Wettbewerbsmärkten wurzele. Die Gefahr besteht nun darin, dass einige Regierungen, frustriert und bedrängt von inflationären Kräften, versuchten, ihren Zugriff auf die Wirtschaft zurückzuerlangen. "Breitet sich das aus, könnte die Globalisierung zurückgedrängt werden - mit einem horrenden Preis."

Schaeffler geht mit Conti an die Grenze der Belastbarkeit

Nach wie vor spannend bleibe der Kampf des Familienunternehmens Schaeffler um den Automobilzulieferer Continental, meint die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nicht nur wegen der Art, in der Schaeffler die Kontrollübernahme in Hannover vorbereitet habe, sei der Fall spektakulär. Die Schaeffler-Gruppe gehe nun mit Conti an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Bei einer vollen Übernahme säßen die Franken auf einem Schuldenberg von 31 Milliarden Euro; die Eigenkapitalquote sänke auf kümmerliche elf Prozent. Aus diesem Grund wolle Schaeffler bei Conti zunächst unter 50 Prozent bleiben. "Mit anderen Worten: Die Franken haben gar kein Interesse daran, möglichst viele Aktien angedient zu bekommen. Mithin wollen sie auch ihr Übernahmeangebot nicht erhöhen." Nun gebe es offenbar Investoren, die bereit seien, ein höheres Angebot auf die Beine zu stellen. Vermutlich würden sie im Ernstfall unterhalb einer Beteiligungshöhe von 30 Prozent bleiben, um kein Übernahmeangebot unterbreiten zu müssen. "Mit einer Sperrminorität befreundeter Aktionäre im Rücken würde Conti-Vorstand Manfred Wennemer verhindern, dass Schaeffler über eine Minderheitsposition die Hauptversammlungsmehrheit für sich reklamieren kann. Auch die von ihm befürchtete Zerschlagung des Konzerns im Dienste der Refinanzierung der Schaefflers wäre damit vorerst vom Tisch." Aber noch seien Wennemers Truppen nicht aus der Deckung gekommen - und die Tür für eine einvernehmliche Einigung mit den Schaefflers stehe weiterhin offen.

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