Die internationale Wirtschaftspresse erklärt, warum die USA gerade dabei sind, ihren Supermacht-Status an Russland zu verlieren. BusinessWeek sieht in der Entwicklung des Billigautos Nano ein geniales Werk. Le Monde Diplomatique beklagt mangelnden Einfallsreichtum bei IWF und WHO. Fundstück: Dmitri Medwedew taugt nicht zum Sexsymbol.
Den Aufstieg Russlands zur neuen Supermacht glaubt » Salon.com derzeit zu beobachten. „Spätestens seit der Preis für einen Barrel Rohöl die 110-US-Dollar-Marke überschritten hat, dürfen sich die USA nicht mehr ‚Supermacht‘ nennen“, meint das Portal. Jahrzehntelang habe das Land seine Wirtschaftsmacht auf Öl bauen und Vormachtstellungen in der Automobil- oder Computerindustrie oder beim Militär erlangen können. Nun importierten die USA zwölf bis vierzehn Millionen Barrel Rohöl pro Jahr – und transferierten Unsummen an ausländische Produzenten, die das Geld nutzten, um amerikanische Werte zu verschlingen. Russland sei dagegen ein spektakulärer Wiederaufstieg zur Supermacht geglückt – „auf der Basis seiner ausgezeichneten Energiebilanz.“
Das Land verfüge über die am schnellsten wachsende Wirtschaft der G8-Staaten, es produziere mehr Energie als es benötige und sei die einzige Großmacht, die bei ihrer Energieversorgung nicht auf andere Länder angewiesen ist, schreibt Salon.com weiter. Russland nutze den mächtigen Konzern Gazprom, um Einfluss auf Staaten auszuüben, die früher Teil der Sowjetunion waren; so hätten bereits die Ukraine, Armenien oder Georgien nachgegeben. Und der neue Präsident Dmitri Medwedew habe im Dezember 2007 voller Selbstbewussten gesagt, dass Russland nicht mehr wie ein Schulkind behandelt werden könne: „Russland hat sich gewandelt in ein anderes, ein stärkeres und blühendes Land.“ Das, so Salon.com, könne man von den USA nicht sagen.
Eine noch engere Verflechtung von Regierung und Gazprom prophezeit die » International Herald Tribune: „Mit dem Aufstieg des einstigen Gazprom-Chefs Medwedew zum Präsidenten steigt auch der Konzern weiter auf. Putin und Medwedew sind das ‚Dreamteam‘ für seinen Erfolg.“ 93 Milliarden US-Dollar habe Gazprom 2007 eingefahren, das Unternehmen beschäftige 432.000 Leute, zahle Steuern in Höhe von 20 Prozent des russischen Haushaltes, sei als Ölförderer die Nummer Zwei hinter Saudi-Arabien und als Erdgasproduzent weltweit die Nummer Eins. Bis 2010 plane Gazprom, seine Investitionen von 24 auf 45 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. Und schließlich werde mit derzeit 125 US-Dollar pro Barrel Rohöl das Gazprom-Portemonnaie immer dicker. So verwundere es nicht, dass Gazprom zum drittgrößten Unternehmen nach Marktwert aufgestiegen sei. „Wenn Gazprom die Preise weiter erhöht, kann es das größte Unternehmen weltweit werden.“
Die russische Tageszeitung » Kommersant freut sich über den Aufstieg Gazproms zum drittgrößten Unternehmen nach Marktwert: „Mit einem Gesellschaftskapital von 359,8 Milliarden US-Dollar hat Gazprom Schwergewichte wie China Mobile oder General Electric ausgestochen und steht nun hinter Exxon Mobil (476 Milliarden US-Dollar) und PetroChina (441 Milliarden US-Dollar).“ Nach Meinung der Zeitung ist aber nicht eine Preiserhöhung nötig, um den Wert von Gazprom weiter zu steigern, es reiche schon eine Neubewertung seiner Reserven: „Schließlich betonen Manager seit geraumer Zeit, dass Gazprom noch immer unterbewertet ist.“
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Harte Zeiten für Japans Mittelstand
Die » Japan Times sorgt sich um die kleinen und mittelständischen Unternehmen im Land. Denn das Weißbuch der japanischen Wirtschaft prognostiziere „harte Zeiten“. Während die Rentabilität der Wirtschaft langsam zunehme, werde die Lücke zwischen kleinen bzw. mittelständischen und großen Unternehmen immer größer. Grund sei u.a. die sinkende Binnennachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern. Außerdem hätten die hohen Ölpreise die Gewinne bei etwa 90 Prozent dieser Unternehmen reduziert. Ihr technischer Standart sei zwar ziemlich hoch, doch die Arbeitsproduktivität im Vergleich zu großen Firmen um etwa 40 Prozent niedriger. Laut Weißbuch könnten die Nutzung von Informationstechnologien und die Pflege ausländischer Märkte hilfreich sein, aber auch neue Geschäftsideen. „Schon allein der Entschluss, jede Chance zu ergreifen und einmal anders zu denken, kann jedem Unternehmen helfen.“
Nano ist genial, aber bald nicht mehr konkurrenzlos
Die Geschichte der Entwicklung des weltweit billigsten Autos ist nach Meinung von » BusinessWeek eine Geschichte von Innovation und Genialität. 2003 habe Ratan Tata das „Volksauto“ als Ziel vorgegeben, der damalige Prototyp sei aber nicht umsetzbar gewesen. „Doch Tata ließ nicht locker: Er scharte alle Zulieferfirmen um sich und bat sie, ihm zu helfen. Anfangs belächelten sie das Projekt, doch als er darauf hinwies, dass sie ihre preisgünstigen und innovativen Lösungen für den Nano auch für sich selbst nutzen konnten, zogen sie mit: Nahezu jeder schaffte es, das von Tata gesetzte Kostenlimit einzuhalten.“ Dann habe Tata 500 Ingenieure mit der Zusammensetzung der Teile beauftragt und jedem die Verantwortung für einen Teil des Autos übergeben. „Diese Detailarbeit zahlte sich aus.“
Konkurrenz bekommt der Nano aus dem eigenen Land: Wie » Le Point aus Frankreich berichtet, habe sich Renault-Nissan mit dem indischen Konstrukteur Bajaj auf ein Joint Venture zur Entwicklung eines Billigautos zum Preis von 2.500 US-Dollar geeinigt. Das Unternehmen solle zu 50 Prozent Bajaj gehören, Renault und Nissan je 25 Prozent halten. Das Auto mit dem Projektnamen ULC werde in Indien gebaut, geplant seien 400.000 Autos pro Jahr, ab 2011. „Dies ist nicht nur ein Angriff auf Ratan Tatas Billigauto Nano, das ab kommenden Herbst für 2.400 US-Dollar auf den Markt kommen soll und von dem Tata 100.000 Stück pro Jahr bauen will. Das Joint Venture hat auch Potenzial für andere Märkte in der Welt.“
Italien steht vor einem absoluten Alptraum
Schwere Zeiten sieht » Il Velino für Italiens Wirtschaft heraufziehen: Die Staatsschulden seien in nur zwei Monaten um 27 Milliarden Euro auf ein neues Hoch von 1.623,66 Milliarden Euro angewachsen – und damit außer Kontrolle geraten. „Dieses neue Schuldenhoch steht nicht nur als negativer Wert gegen eine mögliche Erholung der italienischen Wirtschaft, es stellt für den neuen Wirtschaftsminister Giulio Tremonti einen absoluten Alptraum dar.“ Die erdrückende Zinslast werde nun von 73 auf 75 Milliarden Euro pro Jahr steigen. Zwar seien die Staatseinnahmen um 8,65 Prozent auf 85.634 Milliarden Euro gestiegen, dafür aber die Produktivität im Land – eines der zentralen Probleme Italiens – abermals um 0,2 Prozent zurückgegangen. Und die Prognosen zum Wirtschaftswachstum seien mit +0,3 Prozent alles andere rosig.
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Ölpreise begünstigen den Internethandel
Die Hälfte aller Transaktionen im US-Einzelhandel werden bis 2012 über das Internet abgewickelt werden, behauptet Kasey Lobaugh, Chef der amerikanischen Wirtschaftsagentur Deloitte, im Interview mit » The Age aus Australien. So werde der Anteil der online getätigten Käufe in den USA bis 2012 auf 11 Prozent klettern, weitere 38 Prozent aller Verbraucher werden das Internet zur Information über Angebote und Preise nutzen. Obwohl die US-Wirtschaft derzeit leide, wachse der Einzelhandelsumsatz über das World Wide Web nach wie vor um rund 25 Prozent. „Die hohen Ölpreise machen das Shoppen von zu Hause aus attraktiv.“ Lobaugh führt die positive Entwicklung aber auch auf sichere Bezahlmöglichkeiten zurück und das Angebot vieler Onlineportale, Waren kostenfrei zu versenden bzw. zurückzunehmen.
IWF und WHO glänzen nicht durch Einfallsreichtum
Die dürftigen Maßnahmen gegen den Hunger von Seiten des Internationalen Währungsfonds (IWF) oder der Welthandelsorganisation (WHO) beklagt die aktuelle Ausgabe von » Le Monde Diplomatique. „IWF und WHO versprachen einst, die Ausweitung des internationalen Handels würde dazu beitragen, Armut und Hunger zu beseitigen. Die armen Länder sollten ihre lokale Landwirtschaft aufgeben und für den Export produzieren. Doch die, die diesem Ratschlag gefolgt sind, können heute nicht mal mehr über ihre eigene Ernte verfügen.“ Und nun sei der Westen nicht bereit, Gelder zur Bekämpfung des Hungers bereitzustellen: „Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) fordert 500 Millionen Euro zusätzlich für ihr Welternährungsprogramm. Sie bettelt um einen Betrag, den ein paar Stunden Irakkrieg verschlingen, oder um ein Promille dessen, was die US-Hypothekenkrise den Bankensektor kostet.“ Spekulanten verschärften das Problem zusätzlich. „Und was tut der IWF? Er verkündet weiterhin, um das Problem des Hungers zu lösen, müsse der internationale Handel ausgeweitet werden!“
Fundstück: Bär oder Hase?
Dmitri Medwedew ist das neue Sexsymbol Russlands – so will es zumindest ein Video, das derzeit im Internet kursiert, schreibt die » Moscow Times. Vorbild sei der Clip eines weiblichen Fans des US-Präsidentschaftsanwärters Barack Obama, das letzten Sommer mehr als 3 Millionen Mal bei YouTube angeklickt wurde. In dem Medwedew-Video bekenne eine mit engem T-Shirt bekleidete Frau, von dem Bären (medwed bedeutet „Bär“) zu träumen und Mutter seiner Kinder werden zu wollen. Von wem das Video produziert wurde, sei nicht bekannt. Das russische Frauenmagazin Gloria habe sich auf Anfrage der Zeitung die angebliche Anziehungskraft des neuen Präsidenten aber nicht erklären können: „Medwedew sieht doch nicht aus wie ein Bär, eher wie ein Hase oder Eichhörnchen.“
Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de
Mitarbeit: Kerstin Herrn.

