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16.07.2008 
Presseschau von 16.7.2008

Feind im eigenen Bett

von Daniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse verteidigt die Strategie des Familienkonzerns Schaeffler bei der geplanten Übernahme des Autozulieferers Continental. Fortune attackiert die Sanierungspläne des Autobauers General Motors. Die Nesawissimaja Gazeta zeigt, wie Gazprom Europa in Nordafrika in die Zange nimmt. Fundstück: "Isch bin ein Berlinär!"

Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.Lupe

Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung verteidigt den Schachzug des Familienkonzerns Schaeffler, seinen Einstieg beim Autozulieferer Continental auf mehrere Banken aufzuteilen - und dadurch knapp unter der Meldeschwelle zu bleiben. "Wer mit 49 Stundenkilometern fährt, übertritt damit nicht die allgemeine Höchstgeschwindigkeit für geschlossene Ortschaften. Auch sollte der Staat Investoren nicht dazu zwingen, noch ihre ,letzte Hose' herunterzulassen und jegliches Geschäftsgeheimnis einem allumfassenden Transparenzgebot zu opfern", meinen die Frankfurter. Gleichwohl dürfe sich Schaeffler nicht allzu sicher sein, dass sein Vorgehen auch wirklich legal sei: Wer getrennt marschiere, aber gemeinsam plane, müsse die Meldepflichten auch dann erfüllen, wenn seine Anteile nur zusammengerechnet die entscheidende Schwelle erreichten.

"Feindlicher geht es nicht", kommentiert die Financial Times Deutschland das Kaufangebot der Schaeffler-Gruppe für Continental (69,37 Euro pro Aktie), das von "rüdem Stil" zeuge - klammheimlich habe sich das fränkische Familienunternehmen über Optionen den Zugriff auf ein Aktienpaket von mehr als 30 Prozent an dem Dax-Konzern gesichert. "Das ist zwar kein guter Stil, aber Teil des Risikos für ein börsennotiertes Unternehmen. Aktien sind für alle da. Auch verschärfte Regeln, wie sie das Risikobegrenzungsgesetz vorsieht, werden das nicht verhindern können", versichert die FTD. In dieser Situation sei die Continental-Führung allerdings nicht völlig chancenlos, schließlich könne sie ihre Aktionäre zu überzeugen versuchen, dass die 69,37 Euro je Aktie viel zu wenig seien und man als eigenständiges Unternehmen noch viel mehr Wert schaffen könne. Übernehme Schaeffler am Ende den Konzern nicht komplett, sondern werde lediglich Hauptaktionär, müsse das Unternehmen sich ändern: "Mit einer solchen Verschlossenheit, wie sie die Familie bislang an den Tag gelegt hat, lässt sich ein börsennotierter Konzern nicht führen."

Das Wall Street Journal glaubt, dass sich Maria-Elizabeth Schaeffler auf dem Weg in die Top-Liga der deutschen Auto-Dynastien an Porsche orientiert habe. Die Porsche - und Piech-Familien hätten sich auf einem ähnlichen Weg über 30 Prozent an Volkswagen gesichert - für Schaeffler sei der Anteil hoch genug, um effektiv das Geschäft von Conti kontrollieren und Rivalen davon abhalten zu können, einen 75-Prozent-Anteil zu erlangen, der eine volle Kontrolle ermöglichte. "Um den Continental-Deal abzuschließen, hat Schaeffler die Übernahme-Bedienungsanleitung von Porsche kopiert, die eine Heimlichkeits-Taktik und einen Salamischeiben-Kauf von Aktien und Optionen vorsieht", schreibt das US-Blatt.

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