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24.07.2008 
Sonderpresseschau zum Besuch von Barack Obama

Obama: Flitterwochen vor der Hochzeit

von Daniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse erwartet mit gemischten Gefühlen den Auftritt von Barack Obama in Berlin. Zwar habe Obama die Chance, einen ersten Schritt zu unternehmen, um die transatlantischen Spannungen zu lösen. Andere Kommentatoren rechnen schon mit neuen Unstimmigkeiten – und raten Obama, in letzter Minute nach Mekka statt Berlin zu fliegen.

Berlin wartet auf Barack Obama. Foto: dpaLupe

Berlin wartet auf Barack Obama. Foto: dpa

Die Washington Post rechnet mit einem „überwältigenden, wenn nicht hysterischen“ Empfang von Obama in Europa. „Besonders die Deutschen haben eine neue Tradition für frenetische Empfänge entwickelt; Papst Benedikt und der Dalai Lama waren zuletzt gefeierte Gäste, und Barack Obama wird sich ihnen anschließen.“ Gleichwohl könnte Obamas euphorischer Empfang, seine „Hochzeitsreise vor der Hochzeit“, von kurzer Dauer sein. Denn bei den transatlantischen Beziehungen herrsche zunehmend „politischer Pragmatismus“. „Der Präsident Obama hat außenpolitische Ziele, besonders im Iran, Irak und Afghanistan, die dringend und politisch ambitioniert sind. Unstimmigkeiten mit Europa in Bezug auf diese oder andere Gefahrenherde könnten schon schnell entstehen. Dann wären die Flitterwochen dieser Woche der Vorbote einer schwierigen Hochzeit.“

Der Tagesspiegel ist stolz auf den Besuch von Obama. „Das Gerangel um den Ort seines Auftritts sollte nicht verdecken, was die Rede bedeutet, die Barack Obama heute hält: Sie ist eine Auszeichnung, für Deutschland ebenso wie für Berlin.“ Zwar betreibe der demokratische Präsidentschaftsbewerber hier auch Wahlkampf, dagegen stehe jedoch das „politische Phänomen“, zu dem diese Kandidatur geworden sei. „Es macht die Rede zu einem Ereignis. Das seit langem faszinierendste Unterfangen, der Politik ein neues Profil zu geben, sucht sich die Hauptstadt des vereinten Deutschlands als Resonanzboden für seine Botschaft an Europa und das eigene Land.“ Dass Obama seine außenpolitische Botschaft von Deutschland und von Berlin aus in den US-Wahlkampf schicke, sollten die Deutschen als Hinweis darauf lesen, welche Bedeutung ihnen von ihm, aber auch von Amerika insgesamt zugemessen werde.

Auch der US-Nachrichtensender Bloomberg glaubt, dass Obama in Europa ähnlich stürmisch empfangen wird wie sonst nur Päpste. Dies sei für Obama eine einmalige Chance, die „transatlantische Fehde“ zu beenden, die beiden Kontinenten nicht gut getan habe. „Er muss ein Programm ausarbeiten, das Europa und die USA dazu bringt, wieder zusammenzuarbeiten.“ Anders als sein Vorgänger, dem Europa am Ende nicht mehr zugehört habe, könne der Präsident Obama von der „Flut des Wohlwollens“, die ihn in Europa erwarte, profitieren. Die Europäer indes müssten die Chance nutzen und Obama ein paar harte Fragen stellen. „Die Rhetorik der ,Hoffnung', selbst wenn diese mit der Eloquenz eines Engels vorgetragen wird, reicht nicht weit. Obama hat viel protektionistischen Lärm beim Handel gemacht. Dieser sollte gemäßigt werden“, rät Bloomberg.

Obamas Reise gerate, ob gewollt oder ungewollt, zu einem Wahlkampfspektakel nach Drehbuch, bei dem Berlin eine der wichtigsten Bühnen sei, schreibt die russische Zeitung Vzglyad. „Schließlich will Obama ausgerechnet in Berlin seine Programmrede zur Zukunft der Transatlantischen Beziehungen halten“, so das Blatt. Die Tageszeitung Izvestia verfolgt ebenfalls die Diskussion um die Wahl des Ortes, an dem der amerikanische Präsidentschaftskandidat „zum Volk reden möchte“. Mit seinem Wunsch, vor dem Brandenburger Tor zu reden, habe er wohl versucht John F. Kennedy nachzueifern, schreibt die Zeitung. „Doch die Berliner wollten ihre wichtigstes Monument nicht für den Disneyland-Wahlkampf eines fremden Landes hergeben“. Schließlich habe man für den möglichen künftigen Präsidenten eine Kompromisslösung gefunden. „Von der Siegessäule kann man das Brandenburger Tor schon erkennen“.

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