Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Trennung von Bertelsmann und Sony BMG. Der Standard sieht in der Privatisierung der Austrian Airlines einen Wähler-Betrug. Die Süddeutsche verteidigt das Engagement von Adidas
in China, während China Daily die Offenheit der Regierung feiert. Fundstück: Italienische und islamische Superhelden greifen an.
Bertelsmann verkauft seine Anteile am Unternehmen Sony BMG. Aus Sicht der Frankfurter Rundschau habe Hartmut Ostrowski mit diesem Schritt die Fehler aus der Ära von Thomas Middelhoff korrigiert. "Middelhoff stürzte sich Hals über Kopf in alle möglichen Internetabenteuer, mit denen er viele Millionen Euro verbrannte", so die Frankfurter. Viel zu lange habe Bertelsmann am traditionellen Musikgeschäft mit Compact Discs festgehalten. Jetzt müsse der neue Bertelsmann-Chef dringend eine tragfähige Strategie fürs Internet-Zeitalter entwickeln, insbesondere ein Konzept für das Bezahlfernsehen, das künftig vor allem über Internet verbreitet werde. "Wenn das nicht funktioniert, wird es bald auch für die Sparte eng, die derzeit noch den höchsten Umsatz und die höchste Rendite im Konzern abwirft: die RTL-Gruppe."
Das Wall Street Journal sucht nach den Gründen, warum Sony
trotz der rückläufigen Erlöse im CD-Verkauf Millionen Dollar in den Musik-Bereich investiert. Die Japaner verfolgten strategische Interessen: In jüngster Zeit hätten Mobilfunk-Unternehmen Lizenz-Deals mit Musik-Firmen abgeschlossen - darunter Sony BMG mit Nokia
-, die sich als lukrativ in der Zukunft erweisen könnten. Außerdem wolle Sony
die Unterhaltungselektronik stärker mit dem Inhalte-Geschäft verknüpfen, beispielsweise über das Playstation-Netzwerk oder indem Musik für Computerspiele à la "Guitar Hero" oder "Rock Band" lizensiert werde. Durch Konsolidierungseffekte wolle Sony
außerdem 50 Millionen Dollar bei der Musik-Firma einsparen. Fazit des WSJ: Die Sony BMG-Transaktion sei ein Benchmark aller zukünftigen Allianzen im Musikbereich wie etwa einem Zusammenschluss von EMI und Warner Music.
Der britische Guardian spekuliert, was Bertelsmann mit der wieder gefüllten Kriegskasse anfangen werde: Die Gütersloher könnten Rupert Murdochs 17,9-Prozent-Anteil am britischen Fernsehsenders ITV
übernehmen. Hintergrund: Murdochs Satelliten-TV-Betreiber BSkyB
sei bereits von der britischen Medienaufsicht aufgefordert worden, seinen ITV
-Anteil auf unter 7,5 Prozent zu reduzieren; Interesse hätten neben RTL der TV-Produzent Endemol, Mediaset
aus Italien sowie der israelisch-amerikanische Medienmogul Haim Saban angemeldet.

