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23.06.2008 

Rollende Blasen führen in die Reflation

In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel vergleicht Jürgen Stark, Chefökonom der Europäischen Zentralbank (EZB), die aktuelle Weltwirtschaftslage mit der Ölkrise der 70er Jahre und der folgenden Inflationswelle. Alle Indikatoren deuteten darauf hin, dass global reichlich Liquidität verfügbar sei, dieses Geld schwappe durch verschiedene Vermögensklassen: Was aus dem Immobiliensektor herausdränge, wandere nun in den Rohstoffbereich. „Ich beobachte rollende Blasen, also gefährliche Übertreibungen, die von einem Sektor zum nächsten ziehen.“ Diese Entwicklung ähnele der in den 70er Jahren: „Die Ölpreisexplosion von 1973 und 1979 wurde auch von einem starken Anstieg der Nahrungsmittelpreise begleitet. Auch damals gab es eine expansive Ausgaben-, Geld- und Lohnpolitik in den USA. Die Folge war eine internationale Inflationswelle.“ Das könnten wir heute wieder beobachten: „Die preisdämpfende Wirkung der Globalisierung läuft aus. Stattdessen steigen weltweit die Inflationsraten, Fachleute sprechen von einem Trend zur Reflation.“

Rote Karte für Russlands Regierung

Die Zeitung Moskovskij Komsomolez vergleicht die Regierung Russlands mit der russischen Fußballmannschaft, und fragt ob die Minister ihr Haupt genau so hoch tragen dürfen wie die Fußballer. Immerhin stehe nach dem Finale der EM die Halbjahresbilanz an. „Leider haben unsere Minister beim Kampf gegen die Inflation so viele gelbe Karten gesammelt, dass sie in einem anderen Land sicher vom Platz gestellt würden“, schreibt der Autor. In diesem Jahr stiegen die Preise schneller als im vergangenen, seit Jahresanfang um 8,3 Prozent. Die Regierung und regierungsfreundliche Experten glauben an eine baldige Verlangsamung der Inflation. In Wirklichkeit könnte sie aber bis Ende 2008 rund 14 Prozent erreichen. „Vielleicht brauchen wir nicht nur Ausländer auf der Trainerbank sondern auch in der Regierung“, schreibt die Zeitung. In keinem EU-Land sei der Preisanstieg auch nur annähernd so hoch wie in Russland.

Japans Verbraucher bekommen mehr Rechte

Die japanische Regierung will offenbar die Rechte der Verbraucher wesentlich stärken. Die

Japan Times

berichtet, dass eine Verbraucherbehörde etabliert werden soll. Zumindest seien die Pläne dafür ausgearbeitet und Premier Yasuo Fukuda präsentiert worden. Danach soll die neue Behörde 2009 mit der Arbeit beginnen, Fukudas Idee, „die generelle Regierungseinstellung von produzentenfreundlich in Richtung verbraucherfreundlich“ zu wandeln, nehme damit immer mehr Gestalt an. Aufgabe der Verbraucherbehörde sei u.a., Richtlinien für eine verbraucherfreundliche Politik zu koordinieren und anzuwenden, anderen Regierungsabteilungen in dieser Hinsicht Empfehlungen zu geben und neue Gesetzte zu entwerfen. Außerdem werde sie die Kennzeichnung von Waren überwachen sowie Preise oder Produktsicherheit. Eine der wichtigsten Aufgaben werde es jedoch sein, Beschwerden und andere Informationen von Verbrauchern schnell zu sammeln, um die Öffentlichkeit bei Vorfällen, wie der kürzlich auftretenden Nahrungsmittelvergiftung, gezielt zu unterrichten.

Fundstück: Frankreich vergrault seine Touristen

„Achtung, Gefahr!“, übertitelt die Tageszeitung Le Figaro einen Bericht zur jüngsten Entwicklung im Tourismussektor. Zwar bleibe Frankreich mit 82 Millionen Touristen das meist besuchte Land der Welt. Doch die Aussichten der Branche seien trübe: Um magere 2,5 Prozent sei der Markt 2007 gewachsen, Frankreich sei mittlerweile von Spanien abgehängt worden und der Anteil Frankreichs am Welttourismusmarkt sei von 11,9 Prozent in 1990 auf 9,1 Prozent in 2008 zurückgegangen. Ursache für den Rückgang sei z.B. mangelnde Freundlichkeit: Nur 20 Prozent der Touristen fühlten sich in Frankreich willkommen, in Spanien seien es 30 Prozent. Eine noch herbere Ohrfeige aber gibt es in Sachen „French Cuisine“: Nur 42 Prozent der Frankreichurlauber schätzen die Qualität des Essens, in Italien waren 51 Prozent der Urlauber mit ihrem Essen mehr als zufrieden. Doch statt sich Frankreichs Restaurantbetreiber vorzuknöpfen, wolle der Staat vor allem Hotels modernisieren – und neue Touristenströme ins Land locken: Aus Russland, China, Brasilien und Mexiko.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von ecolot.de

Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer, Maxim Kireev.

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