Die internationale Wirtschaftspresse rückt das Verhältnis zu China in den Mittelpunkt und macht das Land der Mitte als größte Ursache für die Wirtschaftsprobleme aus. Die New York Times analysiert die „heftige Rückkehr“ der Subprime-Krise. Die Süddeutsche kritisiert die Mindestlohn-Politik der Regierung. Fundstück: Wer ist klein, schnell, ungeduldig und fleißig?
Welche Gefahren den globalen Finanz- und Wirtschaftsmärkten in Zukunft drohen, glaubt » Les Echos aus Frankreich zu wissen. Nicht das Risiko einer Rezession in den USA stelle die Welt vor neue Herausforderungen, sondern die sture Haltung Chinas. Zwei Szenarien zeichnet das Blatt: Entweder halte das Land an seiner starken Exportwirtschaft oder aber an der Unterbewertung des Yuans fest. Im ersten Fall trage China allein die Konsequenzen: Der Zufluss an Devisen wüchse in einem Maße an, dass die Verbraucherpreise explodierten; China würde dann mit einer Stagflation oder einer „zerstörerischen Inflation“ konfrontiert. Im zweiten Fall aber wäre die Weltwirtschaft betroffen – weil das US-Haushaltsdefizit wieder wachsen statt zurückgehen könnte, Lateinamerika von den globalen Märkten verdrängt werde und Europa erheblich leiden würde. „Vor einigen Jahren glaubte man noch, die USA seien die Ursache für die internationalen Wirtschaftsprobleme. Heute ist es China.“
Von „Made in China“ zu „Made by China“, beschreibt die spanische » La Gaceta de los Negocios die neue Richtung, die China nach dem Parteikongress eingeschlagen hat. Von der Fabrik der Welt entwickele sich China zur „Quelle von Kreativität und Innovationen“. 2007 werde das chinesische Bruttoinlandsprodukt das deutsche übersteigen – und doch erhalte China noch immer Entwicklungshilfe. In nur einem Jahrzehnt hätten einst marode Staatsunternehmen wie China Mobile, Sinopec oder die Bank of China Plätze im Fortune-500-Ranking der umsatzstärksten Unternehmen der Welt ergattert.
» Le Monde analysiert die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen. Nicht nur China habe das Treffen zwischen dem Dalai Lama und Angela Merkel verärgert, sondern auch Vertreter der deutschen Wirtschaft. Was Helmut Kohl und Gerhard Schröder erfolgreich aufgebaut hätten – Deutschland exportiere mittlerweile Güter im Wert von 72 Milliarden Dollar in das Reich der Mitte –, könnte die Politik der Kanzlerin nun kaputt machen. „Wir müssen verhindern, dass die Tür nach China zuschlägt“, laute die Forderung deutscher Unternehmer hinter vorgehaltener Hand. Wie das gelingen könne, so die französische Zeitung, zeige Nicolas Sarkozy: Er sei mit Milliardenverträgen aus China zurückgekehrt, weil er eben nicht die Menschenrechte zum zentralen Thema seines Besuches gemacht habe. Die Vermutung der deutschen Presse, Sarkozy habe lediglich von der Verschlechterung der deutsch-chinesischen Beziehungen profitiert, weist das Blatt zurück. Im Gegenteil: „Deutschland profitiert von der Realpolitik des französischen Staatschefs – in Form von Verträgen für Airbus im Wert von zwölf Milliarden Dollar.“
Die » New York Times kritisiert Online-Firmen wie Yahoo, Google und Microsoft für ihre Geschäftspolitik in China. Die Internetfirmen hätten sich bislang nicht gegen die Zensur von Internetseiten durch die chinesische Regierung gewehrt. Wogegen sich Yahoo und Co. jedoch tatsächlich wehrten, sei die US-Gesetzesinitiative „Global Online Freedom Act of 2007“, nach der sich Firmen, die persönliche Daten zur Identifizierung von Menschen an Regierungen liefern, strafbar machten. „Das Gesetz gäbe US-Firmen zumindest einen Grund, warum sie Anfragen zur Übergabe von Daten ablehnen könnten, aber die großen Internetfirmen unterstützen es nicht. Das zeigt wiederum, wie wichtig ihnen die Macht der Information zur Befreiung der Welt ist“, bilanziert die New York Times.
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Konzentration in der Spielebranche
Die Londoner » Times stellt die Übernahme des Computerspiele-Anbieters Activision durch Vivendi in einen branchenübergreifenden Kontext. Das 18-Milliarden-Dollar-Geschäft verändere die Ausgangssituation in der Branche. „Es schafft einen – neben Electronic Arts – zweiten Spiele-Riesen, der unabhängig von den Konsolenherstellern operiert. Dabei wird der Konzentrationsprozess der Musikindustrie in den vergangenen zwei Jahrzehnten, in dem die mittelgroßen Firmen verschwunden und nur eine Handvoll großer Unternehmen übrig geblieben sind, wiederholt“, analysiert die Zeitung. Electronic Arts und Activision Blizzard seien ähnlich groß wie die Warner Music und EMI in der Musikbranche, doch während der Börsenwert von Warner bei „mickrigen“ 1,1 Milliarden Dollar liege, werde die Transaktion die Spiele-Riesen mit 18 Milliarden Dollar bewertet.
Subprime-Krise kehrt zurück
Der Princeton-Professor Paul Krugman analysiert in der » New York Times die „heftige Rückkehr“ der Subprime-Krise. „Wie schlimm die Krise ist? Ich habe Finanz-Insider noch nie so entgeistert erlebt seit der Asien-Krise von 1997/1998, als die wirtschaftlichen Domino-Steine weltweit umzufallen schienen“, vergleicht der Autor. Dieses Mal seien die Mitspieler entsetzt, weil sie plötzlich erkannt hätten, dass sie das komplexe Finanz-System, das sie selbst geschaffen hätten, nicht verstehen. Als Urheber der Krise macht Krugman Politiker aus, die aus ideologischen Motiven – nach dem Motto: „der Markt hat immer recht“ – die Warnsignale ignoriert hätten. So habe beispielsweise Alan Greenspan die Warnungen von Edward Gramlich, Mitglied des Federal-Reserve-Verwaltungsrats, vom Tisch gewischt. „Am Ende haben Politiker der Finanz-Industrie Freiraum für Innovationen gelassen – und (...) uns dadurch alle in ein scheußliches Chaos geführt“, kritisiert der Kommentator.
Kritik an Post-Mindestlohn
Nachdem Post-Wettbewerber wie Hermes, TNT und PIN wegen des geplanten Mindestlohns ihre Expansionspläne für 2008 auf Eis gelegt haben, kommentiert die » Süddeutsche Zeitung: „Die Turbulenzen zeigen bereits jetzt, dass der Post-Mindestlohn dem Wettbewerb schadet.“ Obwohl die Parteien mit dem „sinnvollen Anliegen“ gestartet seien, Menschen vor Ausbeutung zu schützen, hätten sie jetzt im ersten Praxistest das „groteske Ergebnis erzielt, dass ein Monopolist vor Konkurrenz geschützt wird“. Um zu verhindern, dass sich ähnliches demnächst bei Leiharbeitern, Wachleuten, Metzgern oder Forstwirten wiederhole, müsse die Union im Streit um Lohnuntergrenzen einlenken, raten die Münchner.
Bollywood boomt
» Newsweek feiert den Boom der indischen Bollywood-Industrie. In den vergangenen fünf Jahren habe sich die einst so chaotische Filmindustrie grundlegend gewandelt. Heute produziere Indien pro Jahr rund 1000 Filme – zehn Mal mehr als Hollywood. Während die meist inhaltlich wenig komplexen, dafür langatmigen Leinwandstreifen bislang von unabhängigen Produzenten gestemmt und das Marketing den Kino-Betreibern überlassen worden sei, wandele sich das Geschäft allmählich: Investoren von außen drängten auf den Markt, Marketing-Filme nach Roman-Plots seien auf dem Vormarsch, außerdem würden Hollywood-Drehbuchschreiber engagiert, um die Filme auch für westliche Geschmäcker attraktiv zu gestalten.
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Fundstück
Normalerweise heißt die Statistik-Rubrik in » Brand Eins „Die Welt in Zahlen“, in der aktuellen Ausgabe jedoch liefert die Redaktion anlässlich des Top-Themas der vergangenen Wochen eine Sonderausgabe zu „Hartmut Mehdorn in Zahlen“. Kostprobe: „Zahl der Porträts, die in den vergangenen zwölf Monaten über Hartmut Mehdorn in den vier größten überregionalen deutschen Tageszeitungen erschienen sind: 6. Absolute Häufigkeit, mit der Hartmut Mehdorn in diesen Porträts sinngemäß als schnell beschrieben wird: 8. Absolute Häufigkeit, mit der Hartmut Mehdorn in diesen Porträts sinngemäß als geduldig beschrieben wird: 0 (...) Zahl der Tage, an denen Hartmut Mehdorn während seines 41-jährigen Berufslebens krankheitsbedingt bei der Arbeit gefehlt hat: 0. (...) Ungefähre Gehaltssteigerung, die Mehdorn als Chef der Deutschen Bahn von 2000 bis 2006 erhielt, in Prozent: 410. (...) Körpergröße von Hartmut Mehdorn in Zentimetern: 170. Körpergröße von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee in Zentimetern: 198. Anteil der deutschen Top-Manager, die größer als 180 Zentimeter sind, in Prozent: 91.“
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