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14.11.2008 
Internationale Presseschau vom 14.11.2008

Sogar Joe der Klempner zahlt mehr Steuern

von Daniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse wundert sich über die Anhörung führender Hedge-Fonds-Manager vor dem US-Kongress. Der Standard kritisiert das erbärmliche Schauspiel beim Notverkauf der AUA. Die Süddeutsche Zeitung vermutet, dass durch die Telekom-Spitzelei persönliche Rechnungen beglichen wurden. Fundstück: die Rache der Gewerkschaftsbosse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der Business Spectator aus Australien kommentiert die gestrige Anhörung führender Hedge-Fonds-Manager vor dem US-Kongress, darunter der Investor und Milliardär George Soros. Dass sich die Manager, die 2007 jeweils durchschnittlich 2,5 Milliarden Dollar verdient hätten, in der Frage, ob ihre Finanzvehikel einer strengen Aufsicht unterworfen werden sollten, uneinig gewesen seien, ändere nichts an der Tatsache, dass es einen "globalen Schub" geben werde, der das "Schattenbank-System" aus dem Dunkeln drängen werde. "Jahrzehnte der Deregulierung" würden fortan als Reaktion auf die billionenschweren Verluste und Rettungspakete "zurückgespult", versichert das Wirtschaftsportal. Fazit: "Die Ära der fremdfinanzierten Investments ist, zumindest für eine längere Zeit, vorüber."

Die Washington Post reagiert amüsiert bis verstört auf die Anhörung der Hedge-Fonds-Manager. Dass deren Einkommen oft nur mit 15 Prozent bersteuert würden, habe der demokratische Kongressabgeordnete Elijah Cummings mit einem Vergleich kommentiert: "Joe der Klempner wird höher besteuert als Joe der Investment-Banker..." Bei ihrem Auftritt vor den Politikern hätten die "Meister des Universums" versucht, sich beliebt zu machen, ohne auch nur bei einem Punkt Abstriche zu machen, die sie mehr Geld kosten würden. Zwar hätten einige in Aussicht gestellt, ihre Investments bei staatlichen Regulatoren zu melden - "aber, Gott bewahre, nicht bei der Öffentlichkeit". Dies wäre, zitiert das Blatt Kenneth Griffin (Citadel Investment Group), als würde man von Coca-Cola verlangen, das Geheimrezept zu offenbaren.

In Fortune analysiert ein anonym schreibender Hedge-Fonds-Manager die Auswirkungen der Finanzkrise auf die eigene Branche. Obwohl Hedge-Fonds in den vergangenen Monaten große Verluste eingefahren hätten und Investoren bis Mitte kommenden Jahres schätzungsweise 350 bis 420 Milliarden Dollar abziehen würden, sei die Situation nicht alarmierend: Die Panik sei bereits etwas abgeklungen, den Investoren fehle es an alternativen Anlage-Zielen. Außerdem hätten viele Hedge-Fonds bereits Konsequenzen gezogen und ihre Long-Portfolios sowie Verschuldung reduziert; seit Juli 2007 entstünden riesige Hedge-Fonds-Cash-Holdings. "In jedem Bärenmarkt sagen die Untergangspropheten voraus, dass die glorreiche Zeit der Aktien vorüber sei, weil eine Flut von Verkäufen durch brutale Investoren unumgänglich sei, während die Käufer kein Geld haben. Dieser Fall tritt immer dann ein, wenn das Ende des Abschwungs nah ist", beschwichtigt der Autor - und auch diesmal sei die Talsohle fast erreicht.

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