Durchhalteparolen für Irland
Der irische Examiner kommentiert die Prognose des Economic and Social Research Institutes (ESRI), dass Irland zum ersten Mal seit 1983 in eine Rezession schliddern und möglicherweise gegen den EU-Stabilitäts- und Wachstumspakt verstoßen könne - im kommenden Jahr drohe das Budgetdefizit auf 3,9 Prozent des Bruttosozialproduktes zu steigen, also über die von der EU verordnete Obergrenze von drei Prozent. "Binnen einer Woche treten wir erst kräftig gegen das Berlaymont-Gebäude unserer europäischer Freunde und müssen dann die Bettlerschale abstauben und um eine Ausnahmeklausel bitten", klagt das Blatt. Als Maßnahmen gegen die drohende Rezession schlägt die Zeitung vor, bei den anstehenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Sektor Bescheidenheit walten zu lassen und sich außerdem auf die Vorzüge des eigenen Landes zu besinnen: "Wir sind ein reiches, fast schuldenfreies Land, das mit einer Rezession konfrontiert wird - aber kein armes Land, das darin ertrinkt."
Telefónica
bremst Atento-Börsengang
Telefónica
bremst den geplanten Börsengang seines Kundendienstleisters Atento, berichtet die spanische Zeitung Expansión. Ende 2007 habe der Telefonbetreiber beschlossen, 20 bis 30 Prozent von Atento auf dem Börsenmarkt anzubieten, um sich im nächsten Schritt komplett vom Tochterunternehmen zu trennen. Damit habe man eine objektive Bewertung des Unternehmens erhalten wollen. "Atento ist eine großartige Firma. Als wir uns damals dafür entschieden, sie an die Börse zu bringen, galt dies nur unter der Bedingung, dass die Märkte den wahren Wert der Gesellschaft auch schätzen würden", zitiert das Blatt César Alierta, Präsident von Telefónica
. Diese Wirklichkeitseinschätzung sei jedoch jetzt nicht mehr aktuell, und so habe sich der Mutterkonzern dafür entschieden, den Börsengang von Atento vorerst zu stoppen. Schätzungen zufolge liege der Börsenwert von Atento bei rund 1,5 Milliarden Euro.
Russischer Stahlmilliardär auf Einkaufstour im Westen
Die russische Zeitung Nesawissimaja Gazeta berichtet von den Expansionsplänen des russischen Stahlmilliardärs Aleksej Mordaschow in Richtung Westen. Der Hauptaktionär des größten russischen Stahlkonzerns Severstal sei bereit, rund die Hälfte seiner 82 Prozent Anteile am Unternehmen zu verkaufen, um das Geld in die ausländische Stahlindustrie zu investieren. Nach dem fehlgeschlagenen Versuch Mordaschows, seine Severstal mit Arcelor im Jahr 2006 zu verschmelzen, kaufte der Milliardär mehrere mittelgroße Betriebe in den USA. In einem Interview habe Mordaschow gegenüber Bloomberg gestern den Einstieg in die amerikanische Erz- und Kohleförderung angekündigt; zuvor habe Mordaschow auch in Europa Produktionsstätten erworben. Der Autor merkt an, dass der als regierungsnah geltende Milliardär somit dem Appell der russischen Machthaber an die Unternehmer, im Ausland zu expandieren, nachkommt. Fraglich bleibe jedoch, wie sein Stahlimperium mit weit verstreuten Produktionsstätten funktionieren werde.
Spekulanten nicht schuld an Ölpreisjagd
Im Interview mit dem Manager Magazin wehrt sich AHL-Vormann Tim Wong, Chef eines der größten Hedgefonds auf den Rohstoffmärkten, gegen den Vorwurf, die Preisjagd auf dem Ölmarkt anzuheizen. "Wir handeln nur auf so großen Märkten, in denen einzelne Orders keine bedeutende Wirkung haben. Wir halten uns zudem sehr strikt daran, nicht zu viele Positionen einzugehen, um den Markt doch selbst zu beeinflussen." Statt Preistrends zu verursachen, reagiere AHL nur auf vorhandene Marktpreise, die oft durch fundamentale Marktänderungen ausgelöst worden seien. In der aktuellen Diskussion, argumentiert Wong, seien Hedgefonds und andere Spekulanten leichte Ziele, denen man die Schuld für Preisrekorde auf dem Agrar- oder Ölmarkt in die Schuhe schieben könne. "Tiefer liegende Gründe, etwa Nachfrage- und Angebotsänderungen, bringen wohl schlicht weniger knallige Schlagzeilen. Aber sie gibt es."

