Die internationale Wirtschaftspresse sucht nach Auswegen aus dem Inflations-Labyrinth. Für den Stern ist der Wechsel von Transnet-Chef Norbert Hansen zur Bahn eine Form deutscher Korruption. Die Times vergleicht die maschinengleichen, visionslosen und persönlichkeitsarmen Politiker Gordon Brown und Hillary Clinton. Fundstück: Verhütung griffbereit.
» Huffington Post macht die niedrigen Leitzinsen als Hauptursache der steigenden Nahrungsmittelpreise und der Inflation aus. Das „systematische Problem“ der derzeitigen Krise sei die Unfähigkeit von US-amerikanischen sowie weiteren Zentralbanken weltweit, den Preis des Geldes durch Angebot und Nachfrage des Marktes selbst festlegen zu lassen, statt durch das „billiges Geld liebende Politbüro des US-Federal Open Market Committee (FOMC).“ Wären die Leitzinsen vom Markt selbst bestimmt worden, argumentiert die Online-Zeitung, hätten die geplatzten Dot-Com- und später Immobilien-Blasen sowie zuletzt der landwirtschaftliche Boom – das Platzen stehe hier noch aus – die Rohstoffmärkte nicht anschwellen lassen, wie es derzeit der Fall sei.
» China Daily sucht nach Lösungen der Inflations-Probleme, die weltweit durch steigende Benzin- und Nahrungsmittelpreise ausgelöst würden. In dieser Situation sei es wichtig, so schnell wie möglich gegenzusteuern, da man sich vielerorts noch nicht bewusst sei, dass dies der Beginn eines lang anhaltenden, turbulenten Inflations-Zyklus' sein könnte. „Alternative Energien zu entwickeln und mehr Bäume zu pflanzen, dauert sein Zeit. Und in beiden Bereichen brauchen Unternehmer genügend Fördermittel, um neue Lösungen zu entwerfen“, schreibt die in Peking ansässige Zeitung. Um die Balance von Energie- und Nahrungsmittel-Angebot wiederherzustellen, müssten außerdem das Preis-Niveau von Ackerland erhöht sowie die Infrastruktur des öffentlichen Personenverkehrs verbessert werden. „Die Regierung sollte der Bevölkerung nicht versprechen, dass sie die Preissteigerungen ohne weiteres beenden kann, denn das kann keine Regierung der Welt.“
Der » Independent betreibt Schadensbegrenzung: Im Vergleich zu ärmeren Ländern seien die Inflations-Probleme in den hochentwickelten Ländern einfacher zu managen. Gleichwohl müsse man sich darauf einstellen, dass die negativen Auswirkungen auf den Lebensstandard länger anhielten als die meisten offiziellen Vorausseher betonten. Großbritannien sei bei der Krisenbewältigung wegen des großen Haushaltsdefizits und Schuldenbergs im Vergleich mit anderen westlichen Ländern im Nachteil. Jetzt müsse der Biobenzin-Trend erst einmal gestoppt werden, bis neue Anbaumethoden gefunden werden; außerdem müssten Handelsschranken weltweit abgebaut und die Unterstützungen für Bauern erhöht werden, damit diese das Nahrungsmittel-Angebot ausweiten könnten. „Wir müssen aber ehrlich sein. Das ist kein kurzfristiges Problem. Die weiterhin wachsende Weltbevölkerung mit Energie zu versorgen, wird das Problem für eine oder mehrere Generationen sein“, blickt das Blatt voraus.
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Männer sind die Verlierer des Abschwungs
» BusinessWeek hat herausgefunden, dass Männer und nicht Frauen die Verlierer des wirtschaftlichen Abschwungs in den USA seien. Obwohl diese vom selben Geschirr äßen und im selben Bett schliefen, agierten sie offenbar in einem unterschiedlichen Wirtschaftssystem: Von November 2007 bis April 2008 habe es für Frauen über 20 Jahre 300.000 mehr Jobs gegeben, während die Männer fast 700.000 Stellen eingebüßt hätten. „Man kann sagen, dass die Männer in einer Rezession stecken, Frauen aber nicht“, fasst das Magazin die Ergebnisse des Bureau of Labor Statistics (BLS) zusammen. Erklärung: Männer hätten das Pech, in den vom Abschwung besonders betroffenen Sektoren Herstellung und Konstruktion engagiert zu sein, während sich die Frauen schwerpunktmäßig auf Wachstumsbereiche wie Bildung und Gesundheitsvorsorge konzentrierten. „Dies ist aber keine gute Nachricht für die Frauen. Sie bekommen zwar mehr Jobs, ihre Einkünfte stagnieren aber. Hinzu kommt, dass sie ihre Haushalte – und Rechnungen – mit Männern teilen, die ihre Jobs verlieren. Außerdem kann die ,weibliche' Wirtschaft ihre Stärke nicht längerfristig halten, falls die ,männliche' Wirtschaft zu sehr schwächelt.“
USA fallen sich selbst in den Rücken
» Newsweek macht sich Gedanken über die neue Rolle der USA, deren weltweiter Einfluss schrumpfe. „Schauen Sie sich um. Das größte Gebäude der Welt steht heute in Taipeh und bald in Dubai. Die größte privatwirtschaftliche Firma kommt aus Peking. Die größte Raffinerie wird in Indien konstruiert. Das größte Passagierflugzeug wird in Europa gebaut. Der größte Investment-Fonds des Planeten stammt aus Abu-Dhabi; die größte Filmindustrie ist Bollywood, nicht Hollywood“, führt das Magazin eine lange Liste, die noch vor zehn Jahren von den USA dominiert worden sei. Besonders die US-Regierung habe diesen Machtverlust noch nicht realisiert. „60 Jahre lang haben die USA andere Länder dazu animiert, ihre Märkte zu öffnen, ihre Politik zu befreien und Handel und Technologie zu fördern. (...) Doch gerade in dem Moment, in dem die anderen dies befolgen, verlieren wir selbst den Glauben an diese Ideen“, schreibt Newsweek. Historiker würden im Rückblick über das 21. Jahrhundert sagen, dass die USA ihre große historische Mission der Globalisierung der Welt erfüllt haben. „Wir möchten aber nicht, dass sie schreiben, wir hätten vergessen, uns selbst zu globalisieren.“
Yahoo-Microsoft-Allianz wäre gescheitert
Die Zeit weint der möglicherweise gescheiteren Allianz von Microsoft und Yahoo keine Träne nach. Angesichts der neuen Machtverhältnisse auf den Digitalmärkten liege es zwar nahe, dass sich die beiden nächstgrößten Netzfirmen zusammentun, um Google in die Schranken zu weisen. „Bloß spricht die Natur des Wettbewerbs auf den Digitalmärkten dagegen, dass diese Rechnung aufgeht. Das Rennen machen dort zumeist neue Firmen, die sich ihren Markt regelrecht formen – wie seinerzeit, als Microsoft das Geschäft mit den Betriebssystemen für Personalcomputer definiert und Ex-Gigant IBM keine Chance gelassen habe. „Um sich unter solchen Bedingungen für einige Zeit die Marktmacht zu sichern, darf man nicht ein altes Geschäft konsolidieren. Man muss ein junges Geschäft an sich reißen. Unter diesen Regeln ist es kein Zeichen von Stärke, sondern eines der Schwäche, wenn eine arrivierte Firma eine andere für viele Milliarden kaufen will, um ihre Chancen zu wahren.“
Schamloser Einkauf von Norbert Hansen
„Es ist wohl das erste Mal in der Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung, dass sich ein Arbeiterführer so schnell, so wahrhaft schamlos für seine Hilfsdienste einkaufen ließ“, kommentiert der » Stern den Wechsel von Transnet-Chef Norbert Hansen in den Bahn-Vorstand. „Überspitzt könnte man zum Fall Hansen sagen: Es ist eine Form der deutschen Korruption – bezahlt wird hinterher.“ Fast sehne man sich in diesen Tagen nach einem Gewerkschafter wie Franz Steinkühler zurück. Der IG-Metall-Chef habe vor fast zwei Jahrzehnten ein paar Zehntausend Mark Gewinn nach einem Insider-Geschäft gemacht. „Bei allem Unanstand hatte er noch Anstand: Er trat zurück.“
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Zehn Jahre Euro
» Cinco Dias feiert das zehnjährige Bestehen des Euros. Die Währung habe in den 15 Euro-Ländern für eine Phase der Stabilität und der Haushaltsdisziplin gesorgt, die durchaus beneidenswert sei, meint das Blatt. Auch wenn Länder wie Frankreich und Italien den Euro oft als Prügelknaben für ihre wirtschaftlichen Probleme nutzten, sei seit Einführung des Euros die Inflation niedrig gewesen und die Zinsen auf einem historischen Tiefstand. Die Eurozone müsse ihre Fiskal- und Wirtschaftspolitik allerdings besser koordinieren, um eine noch erfolgreichere Arbeit der EZB zu ermöglichen, rät die Zeitung.
Träume von Brown und Clinton geplatzt
Die Londoner » Times sieht Parallelen zwischen dem britischen Premier Gordon Brown und der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. In dieser Woche müssten sich zwei der erfolgreichsten Mitte-Links-Politiker ihrer Generation fragen, weshalb ihre Träume von Ruhm und Anerkennung geplatzt seien. Während Hillary Clinton zumindest den Trost habe, dass sie ihre politische Karriere als respektierte und mächtige Senatorin, wenn nicht sogar als Vizepräsidentin fortsetzen könne, erwarteten Gordon Brown nach dem katastrophalen Abschneiden seiner Partei bei den Kommunalwahlen zwei bittere Jahre: „parlamentarische Erniedrigung, destruktiver Verrat und eine Lahme-Ente-Impotenz, gefolgt von einer Wahlniederlage“, prognostizieren die Londoner. Beide Politiker hätten einen „Mangel an Persönlichkeit“ gemeinsam, beide seien „maschinengleiche Politiker“, die besessen seien von taktischen Manövern und politischen Details; beiden fehle es an Eloquenz und Visionen. Die Defizite von Clinton und Brown legten den Schluss nah, dass die „Rettung der fortschrittlichen Politik“ auf beiden Seiten des Atlantiks vom Auftritt charismatischer neuer Führer abhänge – Barack Obama in den USA und einer noch unentdeckten Reinkarnation von Tony Blair in Großbritannien.
Fundstück: Verhütung griffbereit
» The Local aus Schweden stellt drei High-School-Pennäler aus Helsingborg vor, die mit einer außergewöhnlichen Erfindung den nationalen Preis für Nachwuchs-Unternehmer gewonnen haben: Unterwäsche mit Kondom-Taschen. „Ein kleiner Fehler kann große Auswirkungen haben. Es ist wichtig, ein Kondom parat zu haben, wenn es gebraucht wird. Es bringt nichts, wenn es in der Jackentasche steckt“, zitiert das Blatt einen der Erfinder, die bereits 350 Boxershorts (in schwarz oder weiß) mit jeweils fünf Kondomen verkauft hätten. Mit der Aussicht auf eine Kooperation mit einem Einzelhändler planten die Schüler, ihr Produkt nach dem Schul-Abschluss im großen Stil zu vermarkten. Nächster Schritt: Slips für Frauen mit integrierten Kondom-Fächern.
Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de
Mitarbeit: Charlotte Bartels.
