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23.05.2007 
Nach Geständnissen zweier Ex-Fahrer

Telekom behält sich Ausstieg aus dem Radsport vor

Nach den Doping-Geständnissen der früheren Telekom-Fahrer Bert Dietz und Christian Henn sowie erneuten Vorwürfen gegen die Universität Freiburg hat der Rennstall T-Mobile angekündigt, die Zusammenarbeit mit der Uniklinik am Ende der Saison zu beenden. Das bestätigte Telekomsprecher Christian Frommert dem Handelsblatt. Sogar einen Rückzug aus dem Radsport wollte der Konzern nicht mehr ausschließen.

Der Dopinng-Sumpf im Radsport erweist sich als immer tiefer. Foto: dpaLupe

Der Dopinng-Sumpf im Radsport erweist sich als immer tiefer. Foto: dpa

HB BERLIN. „Wenn im Radsport nicht flächendeckend striktere Anti-Doping-Regularien eingeführt werden und die meisten Teams unserem Beispiel folgen, ihre Kontrollen zu verschärfen, dann macht es für uns keinen Sinn mehr, dass wir uns so stark im Radsport engagieren“, sagte Frommert. T-Mobile sponsort das Radsportteam derzeit mit geschätzten 12 Millionen Euro pro Jahr.

Der sportpolitische Sprecher der Grünen, Winfried Hermann, hat die Telekom aufgefordert, die Dopingverstrickungen lückenlos aufzuklären. „Die Öffentlichkeit muss wissen, bis zu welcher Ebene man beim ehemaligen Staatsunternehmen etwas angeordnet, gewusst oder geduldet hat“, sagte der Politiker. Der Konzern habe jahrelang für Marketing und Sponsoring Geld verpulvert, um das Image eines modernen Konzerns zu vermitteln. Dieses Konzept sei durch Dietz’ Aussagen wie ein Kartenhaus zusammengebrochen.

Der frühere Telekom-Radprofi Diez hatte am Montag zugegeben, systematisch gedopt zu haben. In einem Trainingslager 1995 auf Mallorca habe er von den damaligen Team-Ärzten aus der Freiburger Uniklinik, Lothar Heinrich und Andreas Schmid, eine Anleitung zum Blutdoping mit Epo erhalten, sagte Dietz in der ARD-Sendung „Beckmann“. „Die Ärzte haben, wenn sie selbst vor Ort waren, selbst gespritzt. Wenn sie nicht vor Ort waren, haben es die Pfleger gemacht.“

Dietz’ früherer Teamkollege Christian Henn gestand gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ ein, jahrelang das Blutdopingmittel EPO benutzt zu haben. „Ich bin mitbetroffen“, sagte er dem Blatt. Der Doping-Missbrauch habe sich auf die Zeit von 1995 bis zu seinem Karriereende 1999 erstreckt. „Die Zeit war so, sonst hätte man nicht vernünftig mitfahren können. Es ging nur hopp oder top“, sagte der heutige Sportliche Leiter beim Team Geroldsteiner.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie sich die Fahrer unter Druck gesetzt fühlten.

Dietz, der zusammen mit Henn und Jan Ullrich von 1996 bis 1998 dem Team Telekom angehörte, sagte, Heinrich und Schmid seien auf Wunsch der Telekom immer mehr in die Trainingsplanung einbezogen worden. „Wenn wir vorne mitfahren wollen, müssten wir wahrscheinlich dieses neue Mittel probieren“, sei den Radrennfahrern gesagt worden. „Es wurde groß erklärt, welche Wirkungen und welche Risiken bestehen. Dann war die Entscheidung im Prinzip, dass wir das machen.“ Die Ärzte hätten die Dopingmittel so angeboten, „dass jeder wusste: Wenn ich es jetzt nicht nehme, habe ich wahrscheinlich am Jahresende so schlechte Ergebnisse, dass mein Vertrag nicht verlängert wird“, sagte Dietz. Es sei eindeutig gewesen.

Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, war das hoch angesehene Freiburger Institut über Jahre hinweg ein mit öffentlichen Mitteln finanziertes Doping-Zentrum. Der im Jahr 2000 verstorbene Leiter Professor Joseph Keul führte die deutschen Olympia-Mannschaften von 1984 bis 1998 an. Andreas Schmid war noch bei den Paralympics 2006 in Turin ärztlicher Betreuer der deutschen Sportler, Heinrich war bis vor wenigen Tagen auch beim IAT Leipzig engagiert, dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaften.

Die Universität Freiburg suspendierte am Dienstag die beiden umstrittenen Mediziner Heinrich und Schmid bis zur Klärung der Dopingvorwürfe.

Als erster ehemaliger Fahrer aus dem Team Telekom hat Dietz die Doping-Vorwürfe gegen den Rennstall bekräftigt. Dietz wollte keine Namen von weiteren gedopten Fahrern nennen, erklärte jedoch: „Alle wussten darüber Bescheid.“ Diese Aussage belastet erneut Jan Ullrich, allerdings auch den jetzigen Sportlichen Leiter des T-Mobile Teams, Rolf Aldag. Ihm muss zumindest Mitwisserschaft unterstellt werden, was er bislang immer bestritten hat.

Ullrich, der Ende Februar seinen Rücktritt bekannt gegeben hatte, hat alle Doping-Vorwürfe zurückgewiesen. Auch Heinrich und Schmid bestreiten die Vorwürfe.

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