Dietz, der zusammen mit Henn und Jan Ullrich von 1996 bis 1998 dem Team Telekom angehörte, sagte, Heinrich und Schmid seien auf Wunsch der Telekom immer mehr in die Trainingsplanung einbezogen worden. „Wenn wir vorne mitfahren wollen, müssten wir wahrscheinlich dieses neue Mittel probieren“, sei den Radrennfahrern gesagt worden. „Es wurde groß erklärt, welche Wirkungen und welche Risiken bestehen. Dann war die Entscheidung im Prinzip, dass wir das machen.“ Die Ärzte hätten die Dopingmittel so angeboten, „dass jeder wusste: Wenn ich es jetzt nicht nehme, habe ich wahrscheinlich am Jahresende so schlechte Ergebnisse, dass mein Vertrag nicht verlängert wird“, sagte Dietz. Es sei eindeutig gewesen.
Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, war das hoch angesehene Freiburger Institut über Jahre hinweg ein mit öffentlichen Mitteln finanziertes Doping-Zentrum. Der im Jahr 2000 verstorbene Leiter Professor Joseph Keul führte die deutschen Olympia-Mannschaften von 1984 bis 1998 an. Andreas Schmid war noch bei den Paralympics 2006 in Turin ärztlicher Betreuer der deutschen Sportler, Heinrich war bis vor wenigen Tagen auch beim IAT Leipzig engagiert, dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaften.
Die Universität Freiburg suspendierte am Dienstag die beiden umstrittenen Mediziner Heinrich und Schmid bis zur Klärung der Dopingvorwürfe.
Als erster ehemaliger Fahrer aus dem Team Telekom hat Dietz die Doping-Vorwürfe gegen den Rennstall bekräftigt. Dietz wollte keine Namen von weiteren gedopten Fahrern nennen, erklärte jedoch: „Alle wussten darüber Bescheid.“ Diese Aussage belastet erneut Jan Ullrich, allerdings auch den jetzigen Sportlichen Leiter des T-Mobile Teams, Rolf Aldag. Ihm muss zumindest Mitwisserschaft unterstellt werden, was er bislang immer bestritten hat.
Ullrich, der Ende Februar seinen Rücktritt bekannt gegeben hatte, hat alle Doping-Vorwürfe zurückgewiesen. Auch Heinrich und Schmid bestreiten die Vorwürfe.
