Außenansicht: Kein Hype von Champagner-Sozialisten

Außenansicht
Kein Hype von Champagner-Sozialisten

Johanna Mair ist Professorin für Strategisches Management der IESE Business School. Für das Handelsblatt beleuchtet sie das Thema "Social Entrepreneurship".

Social Entrepreneurship beweist, dass Märkte für die Bedürfnisse der sozial Benachteiligten bestehen.

Social Entrepreneurship, auf Deutsch etwas sperrig "Sozialunternehmertum" genannt, gehört mittlerweile fest auf die Tagesordnung von hochkarätigen Konferenzen wie dem World Economic Forum in Davos oder dem Clinton Global Initiative Meeting in New York. Auch in Deutschland beschäftigen sich immer mehr Unternehmer wie Susanne Klatten oder Michael Hilti und Unternehmen wie Allianz und Bertelsmann mit den besonderen Möglichkeiten, die das Social Entrepreneurship bietet.

Früher war es durchaus üblich, dass Unternehmen wie Ford oder Swarowski sich für soziale Belange engagierten. In den vergangenen Jahrzehnten ist von dieser Tradition viel verloren gegangen. Aktionärsinteressen und Gewinnmaximierung standen zunehmend im Zentrum unternehmerischen Handelns. Social Entrepreneurship hat sich dazu als Gegenbewegung etabliert. Allerdings: Nicht Wohltätigkeit, sondern ökonomisch orientiertes, kreatives Denken soll gesellschaftlichen Wandel anstoßen. Als findige Unternehmer beweisen Social Entrepreneurs, dass im Kapitalismus auch die Bedürfnisse der sozial Benachteiligten einen eigenen Markt haben, für den es sich lohnt, Güter und Dienstleistungen bereitzustellen.

Gebraucht werden Social Entrepreneurs weltweit: Noch immer werden in den meisten Ländern und Kulturkreisen wichtige gesellschaftliche Bedürfnisse weder von bestehenden politischen Institutionen noch von Unternehmen bzw. Märkten ernst genommen. Hier setzen Social Entrepreneurs an: Sie erkennen diese "Fehler im System" und entwickeln innovative Unternehmensmodelle, um die jeweilige Nachfrage - meist unter Marktbedingungen, also finanziell nachhaltig - zu befriedigen.

Sie erfinden Geschäftsmodelle von und für Behinderte, fördern die Entwicklung von Medikamenten gegen "vernachlässigte Krankheiten", bringen biologischen Anbau, Schulen und Krankenhäuser in die Wüste Ägyptens und schaffen damit Vorbild-Unternehmen für das 21. Jahrhundert. Die Organisation Sekem erhielt für letzteres Projekt 2003 den alternativen Nobelpreis.

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