Berufsziel: Investmentbanking
Krise, welche Krise?

Hannes Schill, 27, macht seit September 2007 seinen MBA an der Tuck School of Business at Dartmouth, einer der führenden US-Business Schools. Berufsziel: Investmentbanking. Handelsblatt fragte ihn nach seinen aktuellen Erfahrungen.

Sind Sie ein bisschen verrückt, Herr Schill?

Warum das?

Mitten in der Subprime-Krise machen Sie einen MBA mit dem Ziel, ins Investmentbanking zu gehen.

Die Subprime-Krise ist sicher ernst zu nehmen. Sie hat sich aber bisher sehr unterschiedlich auf die einzelnen Banken und Bereiche des Investmentbanking ausgewirkt. Somit kann man nicht per se von einer Krise im Investmentbanking sprechen. Nach wie vor sind die Aussichten auf einen Job im Investmentbanking für MBA-Absolventen sehr gut. Ich blicke somit sehr optimistisch in meine berufliche Zukunft.

Nicht nur Sie selbst, sondern traditionell auch viele andere MBA-Studenten wollen ins Investmentbanking. Wie stark prägt denn die gegenwärtige Subprime-Krise die Stimmung bei Tuck?

Ein Thema wie die Subprime-Krise wird an einer Business School fortwährend diskutiert – sei es in der Economics Class, beim Vortrag von Gastredenern wie Rick Mishkin von der Federal Reserve oder beim Lunch mit Kommilitonen. Im Allgemeinen leidet die Stimmung keinesfalls unter der Krise. Vor den Bewerbungsgesprächen für die Sommerpraktika war allerdings eine gewisse Unsicherheit spürbar, in wie weit die Subprime-Krise Einfluss auf die Anzahl der Praktikumsplätze haben würde. Wie in den Vorjahren, unterbreiteten die Banken aber auch in diesem Jahr sehr vielen Tuckies Praktikumsangebote.

Eine der Stärken von Tuck ist „Finance“. Wie nah sind die Professoren denn dran am Geschehen der Finanzmärkte?

Ganz nah! Viele der Tuck-Professoren sind anerkannte Experten in ihren Fachgebieten. Einige beraten Institutionen wie den Internationalen Währungsfonds, das Weiße Haus oder Finanzministerien verschiedener Länder. Andere leiten eigene Hedgefonds oder sitzen in Aufsichtsräten namhafter Unternehmen des Finanzsektors. Allen gemein ist ein enormes Interesse am aktuellen Geschehen der Finanzmärkte, welches fortlaufend in Vorlesungen, Hausaufgaben und Klausuren eingearbeitet wird.

Vor ihrem MBA-Studium waren Sie Controller bei Bosch. Wenn wir jetzt einmal nur diesen Bereich nehmen, wie hoch ist denn das Niveau im MBA-Studium hier (bei Controlling). Oder anders gefragt: Wie viel lernen Sie als Controller in Controlling?

In meinem vorherigen Beruf habe ich sehr projektspezifisch gearbeitet und mir dabei ein detailliertes Wissen in bestimmten Bereichen des Finanz- und Rechnungswesens bei Bosch angeeignet. Das MBA-Studium ermöglicht mir, mein Wissen auf andere Bereiche auszuweiten. Das Tempo und die Intensität des Lernens sind dabei enorm hoch. Aufgrund meiner Berufserfahrung stelle ich oft Bezüge zwischen Neuerlerntem und meiner vorherigen Arbeit als Controller her. Dabei bin ich überrascht, oft festzustellen, dass sich bestimmte Probleme im Job hätten viel einfacher lösen lassen.

Wo wir dabei sind: Warum sind Sie überhaupt aus Ihrem Beruf raus und machen ein MBA-Studium?

Nach einiger Zeit in einem Job mit interessanten Aufgaben und vielen Herausforderungen, ergab sich für mich die Frage nach meiner weiteren beruflichen Entwicklung. Zum einen wollte ich mich auf lange Sicht beruflich mehr in Richtung Bankwesen verändern und zum anderen hatte ich das Bedürfnis noch einmal intensiv theoretisch zu lernen. Und der MBA an einer Topschule in den USA interessierte mich schon lange. Gleichzeitig war ich noch nicht häuslich niedergelassen und es fiel mir leicht, mich für neue Abenteuer aus meiner Komfortzone zu begeben.

Warum bezahlen Sie 43000 US-Dollar (70000 US-Dollar mit allen sonstigen Kosten) für einen MBA in den USA, obwohl es mittlerweile auch ordentliche MBA-Programme in Deutschland gibt, die wesentlich preisgünstiger sind?

Hier in den USA ist für jeden klar, dass MBA nicht gleich MBA ist. Die Qualität der MBA-Programme schwankt je nach Schule stark. Probleme wie Ressourcenknappheit sind bei Tuck schlichtweg kein Thema. Zudem ist das kostbare an einem Top-Programm meines Erachtens das Alumninetzwerk, zu dem man Zugang bekommt. Und mit einem MBA einer Topschule steigen die Vergütungsaussichten so enorm, dass sich die Ausgaben binnen einiger Jahre mehr als amortisieren.

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