Denkfutter
MBA war gestern

Das behauptet zumindest Management-Guru Fredmund Malik. Nur die Kybernetik ist der Komplexität zukünftiger Managementaufgaben gewachsen.

Die MBA-Ausbildung ist einer der großen Erfolge des 20. Jahrhunderts. Aber auch dieser brütet, wie viele Erfolge, sein eigenes Scheitern. Hauptgrund dafür ist, dass die globale Anwendung von MBA-Denkweisen so komplexe Systeme entstehen ließ, dass sie mit eben diesen Denkweisen und damit verbundenen Methoden nicht mehr kontrolliert werden können. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Probleme, die aus Erfolgen resultieren, nicht mit denselben Methoden gelöst werden können, durch die sie entstanden sind. Gerade diese Strategie wird jedoch immer wieder gewählt, wie die Geschichte zeigt. Ein "Mehr vom Selben" muss in solchen Situationen aber versagen.

Die MBA-Ausbildung wird für etwas gehalten, wofür sie selbst gar nichts kann, was sie nicht bietet und gemäß Titel auch nicht verspricht. Gewissermaßen findet hier ein fremdverschuldeter Etikettenschwindel statt. Irrigerweise werden MBA-Absolventen für besonders befähigt angesehen, höhere Management-Positionen zu bekleiden. Das ist die Folge des fundamentalen Irrtums, Business Administration sei identisch mit Management. In Wahrheit haben die beiden Gebiete nur wenig miteinander zu tun, und in einigen entscheidenden Punkten stehen sie gar konträr zueinander, wie zum Beispiel bezüglich Gewinnmaximierung gegenüber Funktionsfähigkeit.

In MBA-Programmen werden, wie der Name sagt, vorwiegend Kenntnisse in Business Administration vermittelt, also der amerikanischen Variante der deutschsprachigen Betriebswirtschaftslehre. Nicht, weil sie so gut sind, sondern weil sie beim Kollaps des Kommunismus als einzige in Englisch verfügbar waren, haben sie sich global verbreitet.

Dass in diesen Programmen mittlerweile das Wort Management gehäuft vorkommt, sagt aber nichts über die wirklichen Inhalte. Die Fächer heißen zwar zum Beispiel Finance-Management, Marketing-Management, Production- oder Human-Resources-Management. Wie man aber leicht feststellen kann, handeln sie vorwiegend von Finanzen, Marketing, Produktion und Human-Ressourcen, von Sachthemen also, nicht hingegen von Management.

Auch noch so gute Kenntnisse in Finanzen, Marketing, und Personal qualifizieren noch lange nicht zur Führung eines Unternehmens und seiner Menschen, weil richtiges Management völlig andere Kenntnisse erfordert. Schon gar befähigt ein MBA nicht zum Management einer der vielgestaltigen anderen gesellschaftlichen Institutionen. Zum Beispiel können nur wenige Chirurgen eine Klinik managen, und gerade die besten Anwälte sind häufig die schlechtesten Manager einer Law-Firm.

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