Deutschland in internationalen Ranglisten kaum vertreten
Erste Wahl Europa

Hohes Niveau, smarte Programme, attraktive Partnerschaften: Europas Business-Schulen spielen mittlerweile in der Weltliga. Gerade für deutsche MBA-Interessenten sind sie eine Alternative zu Amerika.
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"Für mich stand fest, dass ich meinen MBA nicht in Amerika machen würde", sagt Accenture-Beraterin Tina Ohmayer, die in Kürze an der spanischen Topschule IESE für ihren MBA ackern wird. Gute Gründe waren es, die sie für Barcelona votieren ließen: Wer seine berufliche Zukunft auf dem alten Kontinent sieht, der wählt eine MBA-Ausbildung mit Europa-Bezug. Nicht erst seit die deutsch-amerikanische Freundschaft wackelt, überlegen immer mehr Deutsche, ihren MBA in Europa statt in den USA zu machen. Die Motive sind weniger ideologisch als pragmatisch: MBA-Programme in Europa dauern in der Regel weniger als ein Jahr, während jenseits des Atlantiks das zweijährige Modell vorherrscht. Für die relativ "alten" deutschen MBA-Interessenten ist Europa deshalb attraktiver.

Zwar dominieren im weltweiten Vergleich noch immer US-Namen wie Harvard, Wharton, Stanford oder Kellogg. Doch die Anstrengungen der Europäer haben Früchte getragen: Die Top-Liga aus Großbritannien, Frankreich oder Spanien kann mit dem Gros der US-Schulen längst konkurrieren, und auch auf breiter Ebene ist das Leistungsniveau deutlich gestiegen.

Wer klug ist, pickt sich das Beste beider Welten elegant heraus. Alle guten europäischen Schulen ermöglichen ihren MBA-Studenten, für ein Semester in die USA zu gehen. Die führenden haben sich dabei naturgemäß mit den besten US-Schulen zusammengetan ­ auch ein Auswahlkriterium im wachsenden Pool attraktiver Anbieter.

Denn die Top-Ligisten bekommen Konkurrenz. Im aktuellen Ranking der besten Business Schools in Europa hat sich einiges bewegt (siehe Übersicht S. 66/67). Zwar bleibt die Spitze bislang unverändert: Seit Jahren beherrscht das Dreigestirn aus IMD (Lausanne), Insead (Fontainebleau) und London Business School den europäischen MBA-Himmel. Dauerhaft unter den ersten zehn halten sich auch Namen wie die Rotterdam School of Management (RSM) oder IESE in Barcelona.

Spannender ist, was auf den nächsten Plätzen passiert. Schulen, die vor Jahren noch am unteren Ende dümpelten oder noch gar nicht auf dem MBA-Markt vertreten waren, belegen heute vordere Plätze. Zu den Shooting Stars gehören das Instituto de Empresa (IE) in Madrid auf Rang fünf, das Judge Institute of Management der Universität Cambridge (Rang sieben) oder die Said Business School in Oxford (Rang neun).

Ein sichtbarer Trend: Der MBA-Markt hat Gesamt-Europa erfasst. Wer hier existieren will, muss sich an sämtlichen Konkurrenten auf dem alten Kontinent messen lassen. Fast jede führende Business School trägt mittlerweile das Equis-Gütesiegel der European Foundation for Management Development (efmd) oder vergleichbarer Akkreditierungsorganisationen (siehe Überblick auf den beiden folgenden Seiten). Aus gutem Grund: Wer sich dem internationalen Vergleich entzieht, kann auf dem europäischen Markt nicht mehr bestehen.

Für den MBA-Standort Deutschland sind die Ranglisten deshalb besonders frustrierend. Keines der mittlerweile gut einhundert deutschen MBA-Programme spielt in der internationalen Liga mit. Von den deutschsprachigen Hochschulen besitzen lediglich die Universität St. Gallen (HSG) und die private WHU Koblenz eine Equis-Akkreditierung. Die Universität Mannheim hat sich von der US-amerikanischen AACSB prüfen lassen ­ ein Weg, den auch die Handelshochschule Leipzig (HHL) beschreitet. Den Sprung ins Europa-Ranking haben sie allerdings noch nicht geschafft.

Quelle: Junge Karriere, weitere Informationen zum Thema MBA finden Sie auch unter www.jungekarriere.com/mba

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