Die Corporate University von E.ON
Die Benchmark

Auch E.ON hat sich eine Corporate University zugelegt. Ihr Geschäftsführer erklärt Gründe und Ziele.

Herr Wiegmann, fühlen Sie sich nicht wie ein Dinosaurier? Die Zeit, in der sich alle deutschen Unternehmen, die etwas auf sich halten, eine Corporate University zulegten, sind Vergangenheit und gegenwärtig sterben Corporate Universities reihenweise aus.

Ich weiß natürlich nicht, wie sich Dinosaurier gefühlt haben, aber der E.ON-Konzern ist gerade erst sechs Jahre alt und war im Bildungsbereich 2002 ein Patchwork von durch Akquisitionen verbundenen Subkulturen. Für ein solches Unternehmen ein für 2000 E.ON-Manager qualitativ hochkarätiges Bildungsprogramm zu organisieren, ließ sich wohl nur in einem Corporate-University-Modell umsetzen - und der Erfolg der E.ON Academy hat uns, glaube ich, Recht gegeben.

Gab es für den Aufbau der E.ON Academy Vorbilder, an denen Sie sich orientiert haben?

Man denkt beim Stichwort Corporate University immer an die CU von General Electric in Croton-on-Hudson - wir natürlich auch. Unsere Vorbilder reichen von der Business School der Credit Suisse bis zur Web-Based-Training-Fabrik von Cisco.

Wie eng ist die E.ON Academy GmbH an den E.ON-Konzern angedockt? An wen berichten Sie?

Die E.ON Academy war von Anfang an komplett ins Reporting des E.ON-Konzerns integriert, und als wir 2002 als Dienstleistungs-GmbH für Management- Learning den Betrieb aufnahmen, gehörten unserem dafür maßgeschneiderten Aufsichtsrat aus dem E.ON-Konzern der Personalvorstand (mein AR-Chef) und der Vorstandsvorsitzende an. Viel direkter kann Bildung kaum an die Unternehmensleitung angedockt werden.

Seit Februar 2007 ist die Academy ein veritabler Bereich im Vorstandsressort Personal und betreut neben den Lernprogrammen für die seit 2002 von 650 auf 2 000 angewachsene Management-Zielgruppe hinaus über 2000 Fach- und Führungskräfte spezifischer "Job-Families" und knapp 30 000 E.ON-Mitarbeiter über "Academy Online" - die elektronische Lernplattform des Konzerns.

Wie arbeitet die E.ON Academy? Entwickeln Sie die Programme selbst oder kaufen Sie diese ein?

Den überwiegenden Teil unseres Curriculums - über 100 der etwa 130 handverlesenen Kurse und fast 200 WBT-Programme - haben die Programm-Manager der Academy mit dafür kontrahierten Lernpartnern für den E.ON-Bedarf maßgeschneidert - manchmal im Konsortium mit befreundeten Unternehmen, die in einer ähnlichen Branchenarchitektur wirtschaften, wie Telekommunikation oder Luftfahrt. Bei punktuellem Bedarf, der eine komplette Eigenproduktion nicht rechtfertigt, buchen wir Führungskräfte auf extern eingekaufte Programme führender internationaler Business Schools.

Wir sind das Handelsblatt, also sprechen wir gerne über Zahlen Können Sie etwas über das Jahresbudget der E.ON Academy sagen?

Das Academy-Budget liegt für 2007 knapp über 10,5 Mill. Euro - deckt allerdings damit auch 75 Prozent des variablen Aufwands für die Kursteilnahme ab; 25 Prozent leisten die entsendenden Einheiten. Die Academy produziert 2007 etwas über 12000 "Teilnehmertage" (ein Drei-Tages-Kurs für 15 Führungskräfte bedeutet 45 Teilnehmertage). Das Budget umfasst auch den IT-Bereitstellungsaufwand von "Academy Online" für den Gesamtkonzern.

In der E.ON Trading Academy betreuen wir seit 2006 - mit einem eigenen Budget - unsere ca. 850 Börsenhändler für Strom, Gas, Kohle und CO2 mit ihren Kollegen aus dem Front- und Back-Office unserer Trading Floors mit 26 eigenen Programmen. Die E.ON Project Academy wird etwa genauso groß und die E.ON IT Academy rechnet mit fast 5 000 Kursteilnehmern. Für diese "Berufsakademien" der E.ON Academy werden jährlich eigene Budgets abgestimmt.

Ein potenzieller Kunde wie E.ON dürfte von vielen internationalen Business Schools umgarnt werden. Wie ist Ihr Verhältnis zu den wichtigen Business Schools in Europa und den USA?

Das MIT, die Harvard Business School, das IMD, die London Business School und die European School of Management and Technology sind aktuell "strategische Lernpartner" der E.ON Academy, mit denen wir auf Basis von Verträgen über mehrere Jahre gemeinsame "Flaggschiff-Programme" entwickeln und laufend weiterentwickeln. Wir wählen unsere Lernpartner programmspezifisch über internationale Ausschreibungen aus. Oft brauchen wir aber gezielt eher einen Experten oder ein Experten-Team, als eine ganze Universität - und nicht alle Business Schools etc. lieben dieses "Cherry Picking".

Wo sehen Sie die deutschen Anbieter im internationalen Vergleich?

Fachlich oft durchaus vergleichbar, aber zum Teil noch mit deutlich schwächerer Didaktik. Wir spüren, dass Unterrichtsqualität im Vergleich zur Forschungsqualität in Deutschland noch viel zu selten ein Auswahlkriterium für Hochschullehrer ist und oft ist das Angebot eben auch sehr "deutsch" - zum Beispiel mit unzureichendem Überblick über schon stärkere oder anders liberalisierte Strom- und Gasmärkte wie in Großbritannien und Skandinavien.

E.ON war in den letzten Monaten vor allem durch die angestrebte Übernahme des spanischen Energiekonzerns Endesa in den Schlagzeilen. Haben solche strategischen Erwerbungen Auswirkungen auf Ihre Arbeit?

Natürlich. Die Themen reichen von Sprachkursen und Kursen in Inter-cultural Effectiveness bis zur Gesprächsaufnahme mit lokalen Business Schools erster Adressen. Mit unseren russischen Partnern diskutieren wir derzeit die Gründung einer gemeinsamen "Exploration Academy". Und wir öffnen unsere Programme für unsere neuen Kollegen aus diesen Märkten - bis zur Synchronisation von Internet-Trainings auf Ungarisch.

Volker Wiegmann Geschäftsführer der 2002 gegründeten E.ON Academy GmbH, Düsseldorf. Interview: Christoph Mohr

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