Die Uni Frankfurt lädt Professoren der besten MBA-Schulen der Welt ein
Die Super-Reichen

"Eine echte Gefahr für den sozialen Zusammenhalt": Princeton-Professor Roland Benabou erforscht die Milliardäre dieser Welt. Im Interview spricht der Wissenschaftler über die Ursachen von Reichtum und über die Gefahren einer wachsenden Kluft von Arm und Reich.

Mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bank lädt die Universität Frankfurt regelmäßig Professoren der besten Business Schools und Hochschulen aus aller Welt ein. Mit Princeton-Professor Roland Benabou sprach das Handelsblatt über ein ungewöhnliches Forschungsgebiet: die Super-Reichen.

Handelsblatt: Professor Benabou, Sie erforschen die Milliardäre dieser Welt. Wie viele gibt es davon?

Roland Benabou: Glaubt man der Forbes-Rangliste gibt es weltweit 1125 Menschen mit einem Nettobesitz von einer Milliarde Dollar und mehr, und ihr Gesamtbesitz beläuft sich auf 4,4 Billionen. Zum Vergleich: das amerikanische Bruttosozialprodukt beläuft sich auf 14 Billionen und das weltweite BSP auf 60 Billionen.

Und wo gibt es sie?

Da ist es interessant, zwischen aktueller Situation und Veränderungen zu unterscheiden. Mit Abstand am meisten Milliardäre (42 Prozent) gibt es in den USA. Aber wenn man die 226 "neuen" Milliardäre betrachtet, machen Russland, China und Indien mit einem Mal ein Drittel aus.

Wie wird man so verdammt reich?

Das hängt sehr vom Land ab. In den USA waren der Finanzsektor und High-Tech-/Internet-Startups in den letzten zwei Jahrzehnten der goldene Weg, vor allem bei jungen Milliardären. In Russland hängt es mehr mit Naturschätzen und anderen privatisierten ehemaligen Staatsgütern zusammen. In China spielen Export und Immobilien eine wichtige Rolle.

Und was ist mit Erben?

Milliardär wird man kaum durch Erbe. Wenn es Erben unter den Milliardären gibt, dann haben sie Millionen geerbt und sie durch Unternehmertum, Glück, politische Verbindungen und anderes zu Milliarden gemacht.

Gibt es kulturelle Unterschiede zwischen den Milliardären?

Als Individuum betrachtet, kaum. Was sich von Kultur zu Kultur unterscheidet, ist der Grad, zu dem Reichtum als legitim betrachtet wird und wie weit es sozial erlaubt ist, ihn zu zeigen. Und dann gibt es Unterschiede, inwieweit die Gesellschaft erwartet, dass die Reichen ihren Reichtum in irgendeiner Form teilen.

Superreiche scheinen auch ein besonderes Bedürfnis zu haben, ihren Reichtum zur Schau zu stellen.

Nicht unbedingt. Der Wettbewerb um Status ist allen Gesellschaftsschichten gemein.

Es gibt in vielen Ländern eine zunehmende Kluft zwischen den sehr Reichen und dem Rest der Bevölkerung. Wird das auf Dauer nicht ein politisches Problem?

Ich denke, es stellt eine echte Gefahr dar, was den sozialen Zusammenhalt betrifft. Wenn die wirtschaftlichen Interessen zu unterschiedlich sind, werden Reformen schwierig. Dann bedeutet Reichtum natürlich auch Macht, was ein besonderes Problem in Ländern ist, wo die demokratischen Instititutionen schwach sind, aber nicht nur dort. Und wenn die politischen Institutionen als zu abhängig von den Reichen gesehen werden, sucht sich die Mehrheit der Bevölkerung andere Wege, um die politischen Entscheidungen zu beeinflussen.

Interview: Christoph Mohr

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