Goethe Business School
Unrealistische Ankündigungen

Viel heiße Luft verbreitet derzeit Mark Wahrenburg, Chef der neu gegründeten Goethe Business School (Frankfurt), deren erstes berufsbegleitendes MBA-Programm in diesen Tagen an den Start geht. „Wir wollen das führende Executive-MBA-Programm nicht nur in Deutschland, sondern in Europa werden“, sagte der Hochschullehrer und ehemalige McKinsey-Berater beim Festakt zur offiziellen Eröffnung der Manager-Schule in Frankfurt.

Zusammen mit der US-amerikanischen Fuqua School of Business (Duke University) bietet die Goethe Business School (GBS), eine privatrechtlich organisierte Stiftung der (staatlichen) Goethe Universität Frankfurt, heuer erstmals ihr berufsbegleitendes englischsprachiges „Duke Goethe Executive MBA Program“ an, das sich an Manager mit mindestens dreijähriger Berufserfahrung wendet. Das Programm besteht aus 16 Präsenzblöcken, die sich über 22 Monate verteilen, und in Frankfurt, bzw. dem Duke-Hauptsitz Durham (North Carolina) absolviert werden. „Mit einem Preis von 46500 Euro sind wir das teuerste Executive MBA-Programm auf dem deutschen Markt“, sagt Wahrenburg (im Übrigen fälschlich; das WHU-Kellogg EMBA-Programm kostet 49500 Euro) und versucht damit, Marktführerschaft zu signalisieren.

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Die Realität sieht ungleich bescheidener aus. Der erste Jahrgang geht mit 33 Teilnehmern an den Start und bleibt damit hinter den Erwartungen zurück. Selbst die offizielle Programmbroschüre spricht von einer Sollstärke von 45 bis 60 Studenten. Mehr als 41 realistische Bewerbungen scheinen in Frankfurt nicht vorgelegen zu haben. Zudem ist der erste Teilnehmerjahrgang für ein international konkurrenzfähiges MBA-Programm viel zu wenig international; drei Viertel der Teilnehmer kommen aus Deutschland. Die meisten Teilnehmer bekommen zudem ihr MBA-Programm von einem der Sponsorunternehmen (teil-)finanziert, die insbesondere von Joachim von Harbou, der Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt zusammen gebracht hat. Auffallend stark ist dabei das Engagement des Beratungsunternehmens Accenture, das allein sieben (also über 20 Prozent) der Teilnehmer stellt. Ob das Programm wirklich marktfähig ist, wird sich erst in den nächsten Jahren erweisen.

Auch sonst halten Wahrenburgs vollmundige Behauptungen der Nachprüfung nicht stand. „Wir sind das einzige berufsbegleitende MBA-Programm in Deutschland, das den (an Business Schools weltweit üblichen Standardtest) GMAT verlangt“, behauptet Wahrenburg. Nach Angaben der Goethe Business School weist der ersten Studentenjahrgang einen durchschnittlichen GMAT-Score von 598 aus. „Natürlich verlangt die Handelshochschule Leipzig (HHL) für ihr Teilzeit-Programm den GMAT“, erklärt auf Nachfrage Maziar Arsalan, Marketing-Direktor der HHL. „Wir gehen sogar einen Schritt weiter und verlangen einen GMAT von mindestens 600 Punkten.“ Auch bei der GISMA Business School in Hannover schüttelt man: „Natürlich ist die Goethe Business School nicht die einzige Business School in Deutschland, die von ihren Executive MBA-Teilnehmern den GMAT verlangt. Wir verlangen von potenziellen Teilnehmern einen GMAT von mindestens 550 Punkten“, sagt GISMA-Pressechefin Alice Prilop.

Auch das Engagement des US-Partners Duke ist zumindest mit einem Fragezeichen zu versehen. Duke hat bereits vor einigen Jahren (mit maßgeblicher Unterstützung der Deutschen Bank und ihres damaligen Vorstandsvorsitzenden Rolf-E. Breuer) versucht, in Frankfurt Fuß zu fassen - auch damals mit großen Ambitionen und Ankündigungen. Der Versuch schlug fehl - und Duke zog sich zurück.

So ist die Duke-Goethe Uni-Allianz eine Allianz der Schwachen: Duke schafft es in Frankfurt nicht alleine und braucht einen deutschen Partner; die Uni Frankfurt wäre nicht in der Lage, ein international marktfähiges Programm auf die Beine zu stellen. So lange die Interessenlage trägt, muss das keine schlechte Basis für die Vernunftehe sein. Abzuwarten bleibt, wo bei Duke die Misserfolgstoleranz liegt. Auf entsprechende Nachfrage antwortete Duke’s Deputy Dean John Payne, dessen Funktion dem deutschen Uni-Kanzler ähnelt, nur ausweichend. Nicht unbemerkt blieb auch, dass der auf der schriftlichen Einladung angekündigte Chef der Fuqua School of Business, Dean Douglas T. Breeden, nicht den Weg nach Deutschland fand. Seine Präsenz oder Abwesenheit auf künftigen Sitzungen des Kuratoriums der Goethe Business School, dessen Mitglied er formal ist, wird ein guter Lackmustest für die Wichtigkeit sein, die er dem joint venture beimisst.

In jedem Fall hat Duke mehr als ein Eisen im Feuer. In Europa werden weiterhin auch der „Cross Continent Executive MBA“ und der „Global Executive MBA“ angeboten. Man wird sehen, in welche dieser verschiedenen Programme Duke in Zukunft seine guten Leute schickt.

Mark Wahrenburg, dessen Kenntnis der deutschen und internationalen MBA-Szene begrenzt scheint, gefällt sich sehr in der Rolle des Business School-Chefs. Wie groß sein persönlicher Anteil am bisherigen Aufbau des MBA-Programms der Goethe Business School ist, und wie viel auf deutscher Seite dem Geschäftsführer Ulrich Winkler und auf US-amerikanischer Seite Kelli Kilpatrick geschuldet ist, mag dahin gestellt bleiben. Mit vollmundigen Ankündigungen, die nicht einzulösen sind, schadet Wahrenburg seiner Schule jedenfalls mehr als er ihr nützt. Bis man überhaupt von einem (kleinen) Erfolg sprechen kann, werden Jahre vergehen. In dieser Zeit wird der GBS-Chef beweisen müssen, dass er mehr kann, als heiße Luft zu produzieren.

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