MBA-News

_

Harvard MBA: Was man an der Harvard Business School lernt

Deutschland ist hart umkämpftes Territorium auf dem internationalen MBA-Markt. Denn nach Indien ist die Bundesrepublik Exportweltmeister in Sachen MBA-Studenten. Viele gehen in die USA. Was sie dort erwarten, zeigt Philip Delves Broughton auf, Autor von „What they teach you at Harvard Business School“.

Harvard MBA-Studenten sitzen in einem Lesesaal (Foto: HBS)
Harvard MBA-Studenten sitzen in einem Lesesaal (Foto: HBS)

LONDON. “Es waren ziemlich viele Deutsche dort an der HBS unterwegs”, erinnert sich der ehemalige Journalist, der mit 30 eine Traumstelle als Leiter des Pariser Büros des Londoner Daily Telegraph aufgab, um einen MBA an der Harvard Business School abzulegen. „Ich wollte endlich mal wieder das Sagen über meine Zeit und meine Arbeit haben“, begründet er seine Entscheidung, sich so radikal umschulen zu lassen. „Und natürlich wollte ich danach richtiges Geld machen“, gibt er zu.

Anzeige

Was letztlich aber nicht ganz so funktioniert hat. Broughton nämlich stand der Sinn nach dem Studium nicht nach jenen Beraterfirmen und Investmentbanken, wo ein Harvard MBA in Gehaltsverhandlungen punkten kann. Kreativer wollte er seinen MBA-Titel einsetzen - und so ist er zu dem zurückgekehrt, was er am besten kennt: Schreiben.

Das Resultat ist „What they teach you at Harvard Business School“, eine Auseinandersetzung mit seinen zwei Jahren dort und mit allem, was er in der Zeit gelernt und gedacht hat. Das Ergebnis ist eine interessante Mischung aus unterrichtsspezifischem Erfahrungsbericht und allgemeineren Überlegungen, die einen tiefen Einblick in die Motivationen, Hoffnungen und Gedanken eines MBA-Studenten gewährt.

Besonders faszinierte ihn das Fach Finanzen. Die Haupterkenntnis aus seiner Zeit an der HBS: Die Finanzmärkte sind zu kompliziert geworden, haben sich von der Entwicklung der Gesamtwirtschaft zu weit entfernt. „In Deutschland gibt es immer noch einen Mittelstand, der aus Unternehmen besteht, die tatsächliche Gegenstände herstellen. Das haben wir in Großbritannien und in den USA längst nicht mehr.“ Stattdessen basiere die angelsächsische Wirtschaft in zu hohem Maß auf dubiosen Finanzvorgängen, die selbst die klügsten Anleger oft nicht wirklich verstehen.

„Unser Finanzdozent sagte immer, wir hätten ein Finanz-Konzept erst dann richtig verstanden, wenn wir es unserer Großmutter erklären könnten. Das ist genau der richtige Ansatz“, schwärmt Broughton. „So hätte lediglich eine vernünftige deutsche Hausfrau bei einer Vorstandssitzung von Merill Lynch gereicht, um der ganzen Finanzkrise vorzubeugen.“

Bei großen Unternehmen sei es aber schwierig, sich auf das Menschliche zu besinnen. Vermeintliche Logik führe zu Betriebsblindheit: „Dabei sind die Jahresberichte und Ergebnisse, auf denen die Geschäftslogik basiert, kein unveränderlicher Maßstab. An der HBS haben wir gelernt, wie leicht sich diese imponierenden Dokumente aufpolieren lassen.“ Broughton interessierte sich zunehmend für die Motivationen hinter diesen gesichtslosen, vermeintlich objektiven Geschäftsbüchern, für die Psychologie der Geschäftswelt. „Geschäfte werden ja von menschlichen Akteuren unternommen“, schreibt er im Buch und fragt sich, ob wir nicht „ebenso viele Psychologen wie Wirtschaftsprüfer“ brauchen, um richtige Anlegerentscheidungen zu treffen.