Hochschule für Bankwirtschaft
Deutsches Banking-Knowhow für China

Die Frankfurter Bankakademie will in Shanghai chinesische Banker schulen und damit Geld verdienen.
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Es ist ein in jeder Hinsicht bemerkenswerter Schritt: Die von den großen deutschen Privatbanken getragene Bankakademie e.V. in Frankfurt, zu der auch die Hochschule für Bankwirtschaft (HfB) gehört, expandiert nach China und gründet dort eine Bildungseinrichtung, um Geld zu verdienen. Damit engagiert sich praktisch zum ersten Mal eine deutsche Hochschule auf dem sich rapide entwickelnden internationalen Markt für Bildung gegen Geld, wo bislang nur die US-amerikanischen, britischen und zunehmend auch australischen Hochschulen vertreten waren. "Education ist ein globales Business geworden", sagt Professor Udo Steffens, Vorstandsvorsitzender der Bankakademie und Präsident der HfB. "Es gibt einen Weltmarkt von Bildung, auf dem wir vertreten sein wollen."

Das neue Shanghai International Banking and Finance Institute (SIBFI), das in der letzten Woche von den chinesischen Behörden die Betriebserlaubnis erhalten hat, ist ein joint-venture von Bankakademie (51%), der Shanghai University of Finance und Economics (25%), sowie der Weltbank-Tochter IFC (14%) und der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) (10%) als Kapitalgeber.

Der potentielle Markt ist riesig, rechnet Professor Horst Löchel vor, der als SIBFI-Vice President die Bankakademie vor Ort vertritt: Die chinesische Metropole zählt offiziell 13-14 Millionen Einwohner, tatsächlich aber wohl eher 20 Millionen. Davon sollen gigantische 1,7 Millionen im Finanzsektor arbeiten, 90-95% bei chinesischen Banken. Das ist der Markt, den das SIBFI im Visier hat. Entsprechend ambitioniert sind die Planungen: Noch in diesem Jahr rechnet man mit 400-600 Programmteilnehmern, mittelfristig dann mit 1500-3000 Teilnehmern pro Jahr.

Zur Wahl stehen einzelne Kurse in Private Banking, HR Management, Risk Management oder Asset Management, die sich dann als Bausteine zu einem dreistufigen Executive Diploma in Finance ergänzen. Mittelfristig soll in Shanghai auch ein Master of Finance-Programm mit der HfB Frankfurt als titelvergebender Institution angeboten werden.

"Für die Bankakademie stellt das Engagement in China einen Strategiewechsel dar", erklärt Bankakademie-Präsident Steffens. "Zwar haben wir schon seit 10 Jahren Erfahrung damit, an anderen Orten Bildungseinrichtungen für Banker aufzubauen - wie zum Beispiel die Bank-Akademie in Danzig. Aber hier investieren wir zum ersten Mal selbst." Insgesamt 4-5 Millionen US-Dollar werde das Engagement in China kosten. Eine Investition, die sich lohnen soll. Steffens erwartet einen Return on equity von 15-20%.

Obwohl die Bankakademie SIBFI-Mehrheitsaktionär ist und auch eine Option für die Übernahme der IFC-Anteile hat, "läuft ohne den chinesischen Partner gar nichts". "China ist China", sagt Löffel lakonisch. "Wir bringen das Knowhow ein, wie man eine Finanzhochschule organisiert, der chinesische Partner öffnet die Türen." Es sei aber für Bankakademie wichtig, jemanden Hochrangigen vor Ort zu haben, was auch die Ernsthaftigkeit unterstreiche, sagt Löffel, der bis zu seiner Übersiedlung nach Shanghai im August letzten Jahres Prodekan der HfB war. Der neue Job macht dem 50-Jährigen spürbar Spaß, und selbst seine Frau, eine Diplom-Psychologin, konnte in der Boomtown Shanghai einen Job landen, wo sie sich nun um die psychologischen Probleme der Expatriates kümmert.

Auch für den Bankakademie-Erfolg ist psychologisches Einfühlungsvermögen vonnöten. "Hierarchiefragen sind bis in kleine Alltagsdetails hinein extrem wichtig", bringt Löffel seine China-Erfahrungen auf den Punkt, zweifelt aber keine Sekunde am Erfolg seiner Mission. "Chinesen sind sehr erfolgsbewusste Menschen."

Sollte das Projekt erfolgreich laufen, könnte es im doppelten Sinn Schule machen. In Frankfurt spielt man schon einmal mit dem Gedanken, was nach China kommen könnte. Vietnam zum Beispiel.

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