Im Gespräch mit: ESMT-Chef Clemens Börsig
Die Business-School der deutschen Wirtschaft

Über Jahre hatte die von führenden deutschen Unternehmen begründete European School of Management and Technology schlechte Presse. Mitbegründer Gerhard Cromme, der vollmundig das „deutsche Harvard in zehn Jahren“ angekündigt hatte, war gegen Kritik immun. Die Zeiten haben sich geändert. Sein Nachfolger, Deutschbankier Clemens Börsig, gibt erstmals öffentlich Auskunft.

Sie sind Banker, jetzt Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Bank. Was qualifiziert Sie eigentlich, eine Business-School zu beaufsichtigen?

Ich bin auch Honorarprofessor an der LMU München und war bis vor wenigen Tagen auch Vorsitzender des Universitätsrates der Universität Mannheim, wo ich studiert und promoviert habe, kenne also das Geschäft einer Wirtschaftshochschule ganz gut.

Aber vor allem war ich Vorstand des Vereins zur Förderung des Universitätsseminars der Wirtschaft (USW) Schloss Gracht, der 1968 gegründeten Weiterbildungseinrichtung in der Nähe von Köln, die von führenden deutschen Unternehmen ins Leben gerufen worden war. Schloss Gracht, das darf man wohl sagen, war in der Managerweiterbildung ziemlich erfolgreich und zudem profitabel. Schloss Gracht ist auch heute noch, nach der erfolgreichen Integration in 2004, ein wichtiger Standort der ESMT.

Wenn Schloss Gracht so erfolgreich war, warum haben Sie es nicht dabei belassen?

Schloss Gracht war im Wesentlichen ein „Knowledge-Broker“, das heißt, es gab keine eigene Forschung und keine eigenen Professoren, die damals für die Lehrveranstaltungen immer eingekauft werden mussten. Uns war klar geworden, dass dies auf Dauer kein tragfähiges Konzept war, wenn Sie international mitspielen wollen. Und das muss natürlich unser Anspruch sein.

Und?

Wir haben die Sache dann noch einmal ganz grundsätzlich durchdacht und sind zu der Überzeugung gekommen, dass wir in Deutschland eine eigene Business-School auf internationalem Niveau brauchen, mit eigenständiger Forschung und einem eigenen Ansatz bei der Lehre.

Und aus dieser Überlegung ergab sich auch die Notwendigkeit einer eigenen Stiftung. Denn so erfolgreich Schloss Gracht als Verein auch war, für eine Business School brauchen Sie wie in den USA ein Endowment (Stiftungsvermögen). Und für die ESMT haben wir dann ziemlich genau 100 Millionen Euro zusammengebracht.

Was aber doch eigentlich eine lächerliche Summe ist, denn Ihre Business-School lebt ja nur von den Zinsen des Stiftungskapitals, was hochgerechnet nicht einmal fünf Millionen pro Jahr sind. Damit kommen Sie nicht weit, wenn Sie in der Liga von Insead oder Harvard spielen wollen!

Aber Sie müssen doch mit etwas anfangen! Die Logik ist auch eine ganz andere. Es ist im Grunde vergleichbar mit einer Venture-Capital-Finanzierung: Sie sammeln in einer ersten Runde Geld ein, dann bauen Sie etwas auf und haben etwas, was Sie den Sponsoren vorzeigen können. Anschließend gehen Sie in eine zweite Finanzierungsrunde. Wir haben gesagt: Wir machen auf, wenn wir 100 Millionen zusammenhaben. Und genau das haben wir gemacht.

Was aber auch bedeutet, dass Sie demnächst wieder betteln gehen müssen. Wie viel Geld brauchen Sie, damit die ESMT auf Dauer lebensfähig ist. Wollen Sie sich auf eine Zahl festlegen?

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