Interview
Akademischer Jungstar

Brain Drain nach Amerika: Markus Giesler studierte und promovierte in Deutschland und unterrichtet nun MBA-Schüler in Toronto.

Herr Professor Giesler: Ein Deutscher als jüngster Marketing-Professor Nordamerikas? Klären Sie uns auf, was es damit auf sich hat?

Diese Tatsache verdanke ich einem Ruf an die Schulich School of Business in Toronto. Hier erforsche ich die Soziologie im Marketing und lehre im MBA-Programm. Außerdem beraten wir internationale Unternehmen in strategischen Fragen der Marktorientierung.

Sind Sie ein gutes Beispiel für den (angeblichen) brain drain junger Spitzenforscher nach Amerika? Oder anders gefragt: Was bietet Ihnen eine (nord-)amerikanische Universität, was Sie an einer deutschen Universität nicht finden würden?

Das ist doch ganz einfach: Würden Sie lieber beim FC Bayern als Stürmer spielen oder beim TuS Iserlohn auf der Bank sitzen? Die einen spielen exzellenten Fußball, die anderen bolzen sich durch die Regionalliga. Ich würde in Deutschland wahrscheinlich schon aufgrund meines Alters keine gute Stelle bekommen, abgesehen davon, dass meine Forschungsrichtung hier gar nicht existiert.

Sie haben an der privaten Universität Witten/Herdecke studiert und an der renommierten Kellogg School of Management in Chicago geforscht und gelehrt, beides private Elitehochschulen. Wo sehen Sie die Uni Witten/Herdecke im (internationalen) Vergleich?

Dass Witten die internationale Bühne zügig erobert, sehen Sie ja an mir. Allerdings ist die Uni noch nicht auf einem der internationalen Ranglisten vertreten. Das hat jedoch mehr mit der Marke zu tun, nicht so sehr mit der Qualität. Ich bin davon überzeugt, dass sich Witten seinen Platz im internationalen Qualitätswettbewerb sichern wird.

Sie gehen jetzt an eine relativ unbekannte kanadische Universität, nicht an eine der großen US-Business Schools. Was macht Schulich/York so attraktiv?

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