Interview mit Florian Langenscheidt
Tausendsassa mit MBA

Florian Langenscheidt ist eine bekannte Persönlichkeit. Dass er einen MBA am Insead gemacht hat, ist weniger bekannt. Und auch nicht, dass er dabei seine Frau kennen lernte.

Herr Dr. Langenscheidt, man kennt Sie als Publizist und engagierten Bürger, als gern gesehenen Gast bei TV-Talkshows und Promi-Events. Weitgehend unbekannt ist, dass Sie auch einen MBA am Insead gemacht haben. Liegt das daran, dass Sie ursprünglich einmal etwas ganz anderes werden wollten?



Sie meinen Verleger?

Ja.

Das bin ich dann ja auch geworden! Nach meinem MBA 1985 bin ich in das Management der elterlichen Langenscheidt Verlagsgruppe eingetreten und war bis 2001 auch Vorstandsmitglied bei Bibliographisches Institut/F.A. Brockhaus AG in Mannheim (Brockhaus, Meyer, Duden). Und noch heute bin ich Verleger von Deutsche Standards Editionen, dem vielleicht profitabelsten Verlag in Deutschland.

Wenn Sie zurückschauen, warum wollten Sie eigentlich unbedingt einen MBA machen? Sie hatten ja schon in Deutschland und auch in den USA studiert.

Ich hatte an der LMU München Literatur, Journalismus und Philosophie studiert und über Werbung summa cum laude promoviert. Danach habe ich den Radcliffe Publishing Procedures Course an der Harvard University besucht (ein sehr renommiertes 6-wöchiges Sommerprogramm, das als goldener Einstieg in das US-Verlagsgeschäft gilt und heute von der Columbia University in New York durchgeführt wird. A.d.R.) Danach habe ich für zwei Jahre in New York im Buchhandel und Verlagswesen gearbeitet. Aber ich merkte, dass mir noch etwas fehlte, um größere Strukturen zu managen.

Und warum Insead?

Ich habe tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, meinen MBA an der Harvard Business School zu machen. Das war naheliegend, weil ich ja schon in Amerika lebte, und wir auch große Pläne für die USA hatten. Ich habe mich dann sehr kurzfristig für Insead entschieden, zum einen aus privaten Gründen, zum anderen weil der Insead-MBA nur ein Jahr dauert, nicht zwei Jahre wie die MBA-Programme in den USA, und die Teilnehmer auch tendenziell älter sind und mehr Berufserfahrung haben.

Das lief dann darauf hinaus, dass Sie mit dem MBA in das Management des elterlichen Verlagsunternehmens einsteigen.

Nein, paradoxerweise überhaupt nicht, auch wenn es dann tatsächlich so gekommen ist. Wenn Sie mich 1985 gefragt hätten, was ich einmal werden wolle, hätte ich vielleicht ZDF-Intendant oder Goethe-Instituts-Chef gesagt.

Ich war am Ende meines MBA-Studiums auf der "Dean's list", also unter den 10 Prozent der besten Studenten. Da konnten Sie sich damals praktisch aussuchen, was Sie machen wollen. Ich hatte 15 attraktive Job-Angebote, darunter das, zu Schulte-Hillen, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden von Gruner & Jahr, zu gehen und dort die Entwicklung neuer Zeitschriften zu verantworten. Der Vertrag lag schon vor. Dann kam es im Sommer 85 zu einem intensiven Gespräch mit meinem Vater und meinem Bruder, die mich fragten, ob ich denn nun ins Familienunternehmen einsteigen wollte oder nicht. Nach einer Woche Bedenkzeit habe ich liebend gerne ja gesagt.

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