Interview mit Greg Orme
Management für Kreative

Die London Business School (LBS) ist bekannt als eine der besten Business Schools in Europa und als die klassische Brutstätte für City-Banker. Nun soll hier mit dem Centre for Creative Business (CCB) auch eine der führenden Ausbildungsstätten für "Kreativunternehmer" entstehen. Das erstaunt.

Es stimmt, dass die London Business School vor allem für Ihre Stärke im Finanzbereich bekannt ist. Aber wie jedes andere Business auch kann die LBS nicht still stehen, sondern muss ständig danach streben, ihr Angebot an potenzielle MBA-Studenten zu verbessern. So ist das Centre for Creative Business ein zentrales Element in der Strategie der LBS, Verbindungen zu der lebendigen Kreativszene hier in London herzustellen.

Nun würde man bei lebendiger Kreativszene eher an Paris als an London denken...

Sie täuschen sich völlig! Kreativunternehmen machen 21 Milliarden Pfund von Londons Wirtschaftsleistung aus. Das ist der zweitwichtigste Wirtschaftsbereich nach der Finanzindustrie (35 Mrd. Pfund). Wenn man das ganze Land betrachtet, machen Kreativunternehmen heute ein Zwölftel des britischen Bruttoinlandsproduktes aus – ein höherer Prozentsatz als in jedem anderen Land. Und sie wachsen mit sechs Prozent jährlich doppelt so schnell wie die gesamte Wirtschaft.

Kreativunternehmen ist ein etwas unpräziser Begriff. Was fassen Sie darunter?

Es geht um das ganze Spektrum kreativer Berufe aus Werbung, Verlagen und Medien, Design, Mode, Film, Spielesoftware, Architektur und so weiter. Man könnte auch die Definition der britischen Regierung nehmen: Unternehmen, die als Basis individuelle Kreativität haben und die das Potenzial zu Wertschöpfung und Jobschaffung durch die Entwicklung intellektuellen Eigentums besitzen.

Wie kam es zu der Gründung des Centre?

Das Centre for Creative Business ist ein Joint-Venture zwischen der London Business School und der University of the Arts London. Wir haben dafür Geld von der Regierung bekommen, weil Kreativunternehmen für die britische Wirtschaft so wichtig geworden sind. Stellen Sie sich nur vor, wenn diese Unternehmen optimal gemanagt würden und nicht schon oft in den ersten Jahren wieder eingingen!

Das heißt: Das Problem ist nicht die Gründung von Kreativunternehmen, das Problem ist, sie über einen längeren Zeitpunkt am Leben zu halten?

Ja, wir wollen Leuten nicht helfen, ihr Unternehmen zu gründen. Wir interessieren uns dafür, bestehende Unternehmen profitabler und wachstumsstärker zu machen. Deshalb heißt unser Leitmotto auch: Wachse!

Warum scheitern Kreativunternehmen so oft?

Es hat sicherlich etwas mit der Kultur und dem Selbstverständnis von Kreativen zu tun. Sie verstehen oft nicht, dass man ein professionelles Management und entsprechende Managementfähigkeiten braucht, um ein Unternehmen dauerhaft erfolgreich zu machen.

Diese Unternehmen scheitern, weil Kreative ganz einfach keine Geschäftsleute oder Manager sind. Sie sind eben egomanisch, individualistisch, manchmal diktatorische Genies.

Es stimmt, dass Kreative viel in puncto Menschenführung lernen können – aber das gilt für viele Leute. Kreativ zu sein bedeutet eben oft, dass diese Arbeit intuitiv, unkonventionell und manchmal dogmatisch ist. Egomanie finden Sie in allen Industriebereichen, und die London Business School hat ein ziemlich gutes Geschäft daraus gemacht, aus solchen Leute bessere Manager von Menschen zu machen!

Und was ist mit der Behauptung, dass Kreative nicht mit Geld und besonders nicht mit Zahlen und Buchhaltung umgehen können?

Das ist ein Klischee! Aber unsere Kurse werden auch keine Unterrichtsveranstaltung in höherer Mathematik sein. Worum es geht, ist die Finanz- und Buchhaltungsgrundlagen zu vermitteln. Denn selbst wenn Kreative diese Aufgaben später delegieren, müssen sie doch selbst genug davon verstehen. Sonst können sie ganz einfach nicht ihr eigenes Unternehmen kontrollieren.

Was bietet Ihr Centre Kreativunternehmern?

Im ersten Jahr unseres Bestehens werden wir zwei Programme aufbauen: "Building the Creative Business" für Kreative, die bereits im Beruf stehen, und "New Creative Ventures", ein Kurs für MBA-Studenten der LBS und Master-Studenten der University of the Arts London.

Das Ganze findet an der LBS statt?

Ja, das Programm wird an der LBS von LBS-Top-Dozenten aus den Bereichen Entrepreneurship, Strategie, Finanzen, Organisationspsychologie unterrichtet. Das Ganze wird unterstützt durch etwa 15 neu zu schreibende Fallstudien über Kreativunternehmen. Und dann kommen natürlich auch Leute aus der Praxis in die Kurse.

Müssen Sie mit diesen Programmen Geld verdienen?

Das CCB hat von der britischen Regierung eine Anschubfinanzierung von 1,4 Millionen Pfund für die ersten beiden Jahre erhalten. Danach muss ich es mit eigenen Einnahmen und Partnership-/ Sponsorship-Vereinbarungen mit britischen und internationalen Unternehmen am Leben erhalten. Wir sind ein Unternehmen, das Gewinn machen darf, diesen Gewinn aber wieder in pädagogische Projekte investieren muss.

Das heißt, das Centre ist auch entsprechend organisiert?

Ja, als Chief Executive leite ich das Centre und berichte viermal im Jahr an ein achtköpfiges Board. Dessen Chairman ist Vanni Treves, der auch Chairman der London Business School und des Versicherungsunternehmens The Equitable Life Assurance Company ist. Zum Board gehört auch Chris Ingram, selbst erfolgreicher Kreativunternehmer.

Wie sähe Ihr idealer Student aus? Was wäre zum Beispiel mit Shakespeare, Großbritanniens vielleicht erfolgreichstem Kreativunternehmer?

Als ein einsamer Stückeschreiber könnte Shakespeare wahrscheinlich Millionen schon dadurch verdienen, dass er anständige Verträge mit den Verlagen aushandelt. Aber er war so clever, dass er heute zweifellos sofort verstehen würde, wie viel Geld in den Film- und DVD- Rechten an seinen Stücken zu verdienen ist, dem Merchandising usw. Aber dafür bräuchte er sicherlich genau die Fähigkeiten, die wir in unseren Kursen vermitteln.

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