Interview mit INSEAD-Programmdirektor Dominique Héau
Der 85 000 Euro-MBA

Das INSEAD-Vollzeit-MBA-Programm gehört zu den drei besten in Europa. Deutlich später als Wettbewerber wie IMD (Lausanne) oder die London Business School hat die in Fontainebleau (Frankreich) beheimate Top-Business School nun auch ein eigenes berufsbegleitendes Teilzeit-MBA-Programm aufgelegt. Das Programm, das sich an Manager mit mehrjähriger Berufserfahrung wendet, umfasst 17 über 14 Monate verteilte Wochenblöcke und verspricht den definitiven Karriere-Kick. Handelsblatt fühlte Programmdirektor Professor Dominique Héau auf den Zahn, ob der INSEAD Executive-MBA wirklich die 85 000 Euro-Investition wert ist.

INSEAD ist mit seinem EMBA im Vergleich zu den führenden Business Schools in Europa und den USA ein Nachzügler. Das deutet an, dass Sie Zweifel an dem Konzept eines berufsbegleitenden Teilzeit-MBAs hatten. Oder anders gesagt: Wollten Sie eigentlich nicht, aber mussten Sie, weil es der Markt verlangt - und natürlich auch, weil es hier Geld zu verdienen gibt?

Es stimmt, dass INSEAD später auf den Executive MBA-Markt gegangen ist als andere führende Schulen, obwohl einige der Top-Schulen hier auch noch nicht vertreten sind. Aber eher als mit Zweifeln hatte das etwas mit Prioritäten zu tun: Wir mussten uns ganz einfach auf den Aufbau unseres Campus in Singapur konzentrieren, sonst hätten wir uns übernommen. Aber - wie wir es unseren Studenten beibringen: Wenn Sie spät auf einen Markt gehen, tun Sie das besser mit einem Wettbewerbsvorteil.



Handelsblatt und Insead schreiben einen Wettbewerb zur Teilnahme am Insead Executive MBA-Programm aus.

Der mit 85 000 Euro dotierte Preis ermöglicht die Teilnahme an dem im November 2004 startenden berufsbegleitenden Teilzeitprogramm in englischer Sprache, das sich über 14 Monate erstreckt. Weitere Informationen...



Und worin besteht der?

Anstatt bestehende Blöcke aus einem Vollzeit-MBA-Programm oder bestehenden Manager-Fortbildungskursen zu nehmen, haben wir das Executive-MBA-Programm von Grund auf neu konzipiert, um genau auf die speziellen Bedürfnissen von Managern in der Mitte ihrer Karriere einzugehen. Das heißt: Wir bieten ihnen eine pluridisziplinäre Herangehensweise, damit die Teilnehmer Selbstsicherheit in allen wichtigen Managementbereichen aufbauen. Wir fokussieren uns auf internationale Strategie und das Unternehmen in einem globalen Umfeld. Und wir entwickeln die Leadership-Fähigkeiten und die Manager-Persönlichkeit.

Leadership ist derzeit der Lieblingsbegriff aller Business Schools weltweit. Man kann es schon nicht mehr hören. Was bedeutet Leadership für Sie genau?

Leadership ist tatsächlich ein Modewort geworden. Für uns an INSEAD bedeutet es drei Dinge: die Fähigkeit, Commitment für herausfordernde Ziele zu mobilisieren, der Antrieb zur Veränderung, um Selbstgefälligkeit und "befriedigende Underperformance" zu vermeiden und das Coaching anderer Manager: Wirkliche Leader fördern Leute, die wieder andere Leute fördern.

Und was tut INSEAD um Manager mit Leadership-Potenzial zu identifizieren?

Um das Leadership-Potenzial von Bewerbern zu beurteilen, benutzen wir verschiedene Kennzeichen: ihre bisherigen Leistungen, ihre angegebenen Karriereziele in der Zukunft, besondere Fragen in Empfehlungsschreiben und ihr Verhalten im Gespräch.

Auf dem Executive MBA-Markt sind in den letzten Jahren "jet set"-Programme Mode geworden (London Business School/Columbia, TriumMBA, OneMBA), wo die Teilnehmer im Laufe des Programms Vor-Ort-Erfahrungen an mehrern Orten der Welt sammeln. Obwohl INSEAD sowohl in Europa als auch in Asien vertreten ist, gehen Sie einen anderen Weg. Warum?

Wir haben freiwillig auf diese "field trip"-Herangehensweise verzichtet. Die meisten Manager, die zu uns kommen, haben schon eine ziemlich breite internationale Erfahrung und müssen sowieso in ihrem Job viel reisen. Wir ziehen es deshalb vor, dass sie "quality time" mit unseren Dozenten auf unserem Campus verbringen auf verbringen, wo sie im Übrigen zusätzlich auch von der Präsenz hochrangiger Gastredner aus der Wirtschaft profitieren können.

Der INSEAD Executive-MBA wird parallel in Fontainebleau und Singapur angeboten. Welche Unterschiede und welche Synergien gibt es zwischen den beiden "tracks"?

Das Programm ist ähnlich, wobei erwähnt werden sollte, dass dies den Teilnehmern zusätzliche Flexibilität gibt: Wer einen Baustein auf einem Campus verpasst hat, kann das auf dem anderen nachholen. Am Anfang treffen alle Teilnehmer in Fontainebleau zusammen, wo auch die letzten zwei Wochen und die Abschlussfeier stattfinden. Dazwischen treffen die beiden Gruppen einmal zwei Wochen in Singapur zusammen. Insgesamt sind das sechs Wochen Interaktion.

Der große Vorteil eines Executive MBAs ist der Umstand, dass die Teilnehmer während des Programms in ihrem Job bleiben können. Gibt es da Querverbindungen?

Wir haben uns, als wir das Programm entwickelten, sehr intensiv mit der Frage beschäftigt, wie wir es ermöglichen können, dass die Teilnehmer "von Tag ein an" im Job anwenden können, was sie bei uns lernen. Im Wesentlichen versuchen wir das durch drei Dinge: Erstens die "implementation essays", wo die Teilnehmer konkrete Punkte in ihrem Job-Leben identifizieren sollen, wo sie in dem Programm gelernte Konzepte anwenden. Zweitens sollen die von den Teilnehmern entwickelten Projekte wirklich in dem jeweiligen Unternehmen dem Vorstand/Board präsentierbar sein. Und drittens sind die Teilnehmer aufgefordert, einen persönlichen "Schlachtplan" für die nächsten Monate zu entwickeln.

Der Nachteil eines berufsbegleitenden Teilzeitprogramms ist der enorme zeitliche Stress. Wie können Manager Job, INSEAD-Programm und Privat-/Familienleben überhaupt unter einen Hut bringen?

Einige Teilnehmer verhandeln mit ihren Unternehmen, ihre Jahresziele etwas herunterzufahren, bei anderen gewähren die Unternehmen etwas mehr Freiraum. Aber es gibt kein Universalrezept, und es ist klar, dass wir den Teilnehmern ein wirkliches Commitment abverlangen.

Ihr Executive MBA kostet fast unglaubliche 85 000 Euro und ist damit sogar noch deutlich teuerer als der INSEAD-Vollzeit-MBA. Korrespondiert das noch mit irgendeiner realen Leistung oder ist es nicht viel eher ein "Prestige-Preis" nach dem Motto: Statt mit dem Dienstwagen verwöhnt ein Unternehmen seine High Potentials mit einem INSEAD-MBA?

Es gibt mehrere Gründe, warum unser Executive MBA das Doppelte unseres Vollzeit-MBAs kostet: Zum einen gibt es weniger als 50 Teilnehmer im Programm, was auch heißt, dass es fast so viele Dozenten wie Teilnehmer gibt und somit entsprechend hohe Fixkosten bedeutet. Zum anderen werden viele Bausteine des Programms wirklich individuell auf den einzelnen Teilnehmer zugeschnitten, so dass unsere Kosten pro Teilnehmer deutlich höher sind. Die Programmkosten wurden aber auch im Verhältnis zu den erwarteten Absolventengehältern definiert, spiegeln also für den Teilnehmer den Return on Investment wider. Und da die Gehaltserwartungen von Top-Managern deutlich höher sind, sind es auch unsere Programmgebühren...

Aber wie realistisch sind solche Job-Erwartungen wirklich? Ihre Broschüre prahlt mit dem Motto "Lift your career beyond expectations".

Karrieremöglichkeiten sind weitgehend eine Mischung aus persönlichen Kompetenzen und Ambitionen. Unser Executive-MBA zielt darauf, Personen mit Potenzial herauszupicken und ihnen das Selbstvertrauen zu geben, ihre Träume zu verfolgen. Bei uns erwerben sie das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. Sie entdecken neue Horizonte, verschieben die Grenzen ihrer eigenen Ziele.

Etwas pragmatischer gesehen, sind die Job-Perspektiven, die eine Business School eröffnet, auch eine Frage ihrer Kontakte zu möglichen Arbeitgebern. Wie gut sind die INSEAD-Kontakte nach Deutschland, bzw. zu deutschen Unternehmen?

Seit seiner Gründung als europäische Business School hat INSEAD immer gute Kontakte nach Deutschland gehabt. Deutsche Unternehmen sind unser größter Kunde für Managerfortbildungsprogramme (executive education), an denen etwas 600 deutsche Manager pro Jahr teilnehmen. Und zu unserem German Council gehören einige der Top-Namen der deutschen Wirtschaft (Ackermann/Deutsche Berger, Bernotat/E.ON, Diekmann/Allianz, Döpfner/Springer, Hambrecht/BASF, Kagermann/SAP, Ricke/Deutsche Telekom, Schrempp/DaimlerChrysler, Thielen/Bertelsmann etc.)

Die Fragen stellte Christoph Mohr

INSEAD German Council Members



President:


Prof. Roland Berger (Chairman of the Supervisory Board)
ROLAND

Members:
Dr. Josef Ackermann (Chairman of the Group Executive Committee)
DEUTSCHE BANK AG

Dr. Wulf Bernotat (Chairman of the Board of Management and CEO)
E.ON AG

Mr. Michael Diekmann (Chairman of the Board of Management)
ALLIANZ AG

Dr. Mathias Döpfner (Chairman and CEO)
AXEL SPRINGER AG

Mr. Thomas Geitner (Executive Director, CTO Group Technology and Business Integration)
VODAFONE GP & S Ltd

Dr. Jürgen Hambrecht (Chairman of the Board of Executive Directors)
BASF AG

Dr. Jürgen Heraeus (Chairman of the Supervisory Board, Chairman of the Shareholders Committee)
HERAEUS HOLDING GMBH

Prof. Dr. Henning Kagermann (Chairman of the Executive Board and CEO)
SAP AG

Dr. Hans-Joachim Körber (Chairman and CEO)
METRO AG

Mrs. Barbara Kux (Senior Vice President, Chief Procurement Officer)
ROYAL PHILIPS ELECTRONICS NV

Mr. Heinz Neubürger-Joachim (Executive Vice President, Chief Financial Officer)
SIEMENS AG

Mr. Carl Pfeffer (Member of the Executive Board)
ZAPP AG

Mr. Kai Ricke-Uwe (Chairman of the Board of Management)
DEUTSCHE TELEKOM AG

Prof. Jürgen E Schrempp (Chairman of the Board of Management)
DAIMLERCHRYSLER AG

Dr. Gunter Thielen (CEO and Chairman)
BERTELSMANN AG

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