Interview mit Kai Peters
Der Deutsche von Ashridge

Kai Peters soll die britische Manager-Schmiede bekannter machen. Teil des Jobs: Marketing in Deutschland

Professor Peters, vor einem Jahr wurden Sie von Ashridge an der Rotterdam School of Management (RSM) abgeworben, die Sie innerhalb weniger Jahre zu einer der fünf, sechs führenden Business Schools in Europa gemacht hatten.Wie darf man sich eine solche Abwerbung vorstellen?

Business-School-Chefs werden heute allgemein durch Headhunter gesucht, die ein sehr entwickeltes Kontaktnetz haben.

Was machte Sie für Ashridge so attraktiv?

In der Positionsbeschreibung stand, dass sie eine praktische, energiegeladene Person suchten, die die Welt der Business Schools versteht und auch die Schlüsselrolle, die darin das Marketing spielt.

Heißt das, dass Sie weniger Hochschul-Rektor sind als der Chef eines Unternehmens für die Manager-Ausbildung - mit besonderem Akzent auf Marketing?

Als Chef einer Business School muss man die akademische und die geschäftliche Verantwortung miteinander verbinden, und man muss dabei auch die richtige Balance finden.Der Erfolg einer Schule ist mit dem Ruf der Schule verbunden, und die Aufgabe des Chefs ist es zu verstehen, dass dieser Ruf eine Mischung aus akademischer Exzellenz, Bedeutung der Lehre für die reale Geschäftswelt, Zufriedenheit der Kunden und Aufmerksamkeit für die Marke ist, die sowohl talentierte Professoren als auch Teilnehmer anzieht.

Ashridge

Der Chef: Der Deutsch-Kanadier Kai Peters, 41, ist seit Oktober 2003 Chief Executive Officer (CEO) der Ashridge Business School.Zuvor war er von 2000 bis 2003 Dean der Rotterdam School of Management (RSM), die unter seiner Leitung zu einer der zehn führenden Business Schools in Europa wurde.Peters ist auch in Deutschland unternehmerisch aktiv.

Die Schule: Die Ashridge Business School, die lange Zeit als Ashridge Management College firmierte, residiert in einem repräsentativen neu-gotischen Prachtbau aus dem 19.Jahrhundert, umgeben von einem eigenen Park, abgeschieden auf etwa halber Strecke zwischen London und Oxford.

Der Ruf: Der gute Ruf der Schule beruht vor allem auf seinen Fortbildungsprogrammen für Manager und den maßgeschneiderten Firmenprogrammen. Deutsche Bank, Lufthansa und Merck haben sich von Ashridge ein eigenes MBA-Programm entwickeln lassen.Das Vollzeit-MBA- Programm hinkt in den gängigen Ranglisten etwas hinterher.

Sie sind nun knapp ein Jahr Chef von Ashridge.Wo sehen Sie die Stärken der Schule?

Ashridge ist darauf fokussiert, etwas mit strategischer Wirkung für unsere Kunden zu schaffen.Das gilt für unsere MBA-Programme genauso wie für unsere Managerfortbildung.Wir legen eine starke Betonung auf die individuelle Entwicklung und auf Leadership-Konzepte, die erfolgreich sind.Darüber hinaus sind wir sehr gut darin, maßgeschneiderte Programme zusammen mit unseren Firmenkunden zu entwickeln.

Wo liegen die größten Schwächen?

Das Hauptziel, das ich habe, ist es ganz einfach, mehr Aufmerksamkeit für das zu schaffen, was wir tun.Wir erfreuen uns einer Kundenzufriedenheit wie niemand sonst, aber da diese Programme oft unternehmensintern laufen, nimmt außerhalb der Unternehmen kaum jemand Notiz davon.

Und wie wollen Sie das erreichen?

Seitdem ich hier bin, haben wir die Strategie der Schule überholt, neue Leiter für die beiden Schlüsselressorts Kommunikation und Unternehmensentwicklung eingestellt und die interne Organisation verbessert.Der nächste Schritt ist nun, intern und extern, unsere Aktionen und Erfolge zu kommunizieren.

Eine der sichtbarsten Veränderungen unter Ihrer Führung ist das völlig überarbeitete Vollzeit-MBA- Programm.Böse Zungen behaupten allerdings, der MBA sei für Ashridge ohnehin nur ein Alibi, im Wesentlichen sei dies eine Einrichtung für Manager-Fortbildung und Consulting.

Wir haben eine Reihe von MBA-Programmen - das Vollzeitprogramm, das Teilzeitprogramm und die maßgeschneiderten Unternehmensprogramme - und alle sind zentraler Bestandteil unserer Aufgabe.Wir glauben zudem, dass wir in einer einzigartigen Position sind, neu zu definieren, was ein MBA sein sollte: Ein Manager muss funktionales Wissen mit Leadership und anderen Verhaltenseigenschaften verbinden.Und genau da liegt die Stärke unserer Managerfortbildungsprogramme.

Welches sind die wesentlichen neuen Elemente des MBA-Progamms?

Einer der ersten Bausteine des neuen MBA-Programms ist eine angepasste Version eines unserer erfolgreichsten Kurse für Manager, das Coaching, psychologische Einschätzung und Persönlichkeitsentwicklung umfasst.Im weiteren Verlauf behandeln die einzelnen MBA-Kurse dann breitere Themen wie das globale Umfeld, Lebenszyklen von Organisation, Change Management und Unternehmen und Gesellschaft.Und das Programm schließt mit einem eigenen, lebensnahen Projekt ab.

Wie viele andere springen also auch Sie mit dem MBA-Programm auf den Leadership-Zug auf.Was kann Ashridge da Anderes bieten als die übrigen Schulen?

In den 45 Jahren, die Ashridge Programme für Manager anbietet, haben wir ein ziemlich gutes Verständnis dafür entwickelt, was wirkliche Führung in echten Unternehmen bedeutet.Nach unserem Verständnis ist Leadership vor allem eine Frage des Verhaltens der Manager.Und unsere Professoren und Dozenten haben alle selbst langjährige Unternehmenserfahrung.Deshalb ist Leadership für uns nicht nur eine akademische Übung, sondern etwas, das wir tagtäglich selber leben.

Wenig bekannt ist, dass sie selbst in Deutschland ein Medienunternehmen besitzen, das Sie eine Zeit lang sogar selbst gemanagt haben.

Ja, ich habe ein Familienunternehmen geerbt, das Bücher und Magazine vertreibt, und das ich sowohl in Hannover als auch in Bielefeld geleitet habe.

Und ich glaube auch, dass diese Kombination von akademischer und Managementerfahrung mir hilft, eine Business School erfolgreich zu leiten.

Von allen britischen Business Schools verfügt Ashridge über die besten Beziehungen nach Deutschland.Für Deutsche Bank, Merck und Lufthansa führt die Schule ein firmeninternes MBA-Programm durch, Beiersdorf und Haniel haben sich beraten lassen.

Ja, Deutschland ist einer unserer Schlüsselmärkte, und wir werden versuchen, das noch weiter auszubauen.Ich selbst verbringe viel Zeit damit, persönlich alle unsere deutschen Kunden zu besuchen, mit denen wir die Zusammenarbeit intensivieren wollen.

Es fällt auf, dass Ashridge seit einiger Zeit eine größere Zahl seiner kurzzeitigen Mangerfortbildungsprogramme auch in Deutschland selbst abhält.Ist das der Weg der Zukunft?

Unsere Politik ist es, die meisten unserer Programme hier in Ashridge abzuhalten.Hier können wir unsere Ressourcen am besten einsetzen, und die Teilnehmer können auch von der wundervollen Umgebung profitieren.Aber nicht jeder kann nach Großbritannien kommen, so dass wir einige der Programme mehr "zuhause" bei den Teilnehmern anbieten.Wir planen jedoch nicht, das sehr stark auszubauen.

Also kein eigenes Ashridge-Zentrum in Deutschland?

Nein.

Deutschland, immerhin die größte europäische Volkswirtschaft, verfügt bis heute trotz vielfältiger Versuche über keine einzige Business School auf europäischem Top-Niveau.Wie erklären Sie sich das?

Deutschland ist für viele von uns in der Business School-Welt ein Rätsel.In gewisser Weise lässt sich über die deutschen Business Schools das Gleiche sagen wie über die deutsche Wirtschaft insgesamt: nicht flexibel genug, überreguliert, und nicht so ehrgeizig, wie sie sein sollten.

Die von der deutschen Wirtschaft begründete European School of Management and Technology (ESMT) ist bislang alles andere als ein Erfolg.Wenn morgen ein Headhunter käme, um Sie für einen Top-Job in Berlin zu werben ...

...(lächelt und schweigt).

Die Fragen stellte Christoph Mohr.

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