Interview mit Peter Glotz
Klammheimlicher Tod eines MBA

Herr Professor Glotz, kaum sind Sie emeritiert, da schafft die Universität St. Gallen (HSG) den von Ihnen aufgebauten "Medien-MBA" (Executive MBA in Media and Communication) ab. Schmerzt Sie das nicht?

Nein, es geschah auf meinen Vorschlag. Man hätte des Kurs neu justieren müssen und derzeit verfügt unser Institut über keinen Nachfolger für mich.

Was sind die Hintergründe?

Erstens ist es in der schwierigen Beschäftigungssituation nicht einfach, Leute für ein Jahr aus dem Job zu holen und zweitens muss man den Fokus immer wieder modernisieren, z.B. um Mediation.

Ihr Lehrstuhl und der "Medien-MBA" wurden von der Bertelsmann Stiftung wesentlich unterstützt. Da erstaunt es, dass fast zeitgleich zur Aufgabe des "Medien-MBA" an der HSG bekannt wird, dass die Bertelsmann-Stiftung einen neuen "Medien-MBA" an der TU München finanziert. Fühlen Sie sich von Bertelsmann "verraten"?

Ach wo. Die können nicht alles in die Schweiz geben. Im Übrigen ist das in München ein MBA für Corporate Communications.

Ist es nicht paradox, dass die HSG ihren/Ihren "Medien-MBA" abschafft, während solche Studiengänge in Deutschland geradezu aus dem Boden sprießen (Hamburg Media School, Steinbeis Berlin, TU München)?

Steinbeis ist alt und hatte immer weniger Leute als wir, der TU-Kurs in München hat ein anderes Thema, Hamburg ist eine echte Konkurrenz mit viel Sponsorship.

Wie zu erfahren, gab es für den "Medien-MBA" einfach nicht genug qualifizierte Bewerber. Ist St. Gallen, nicht gerade das Zentrum der internationalen Medienwelt, einfach der falsche Ort für einen "Medien-MBA" - oder eine Schweizer Hochschule nicht attraktiv genug für ambitionierte Medienleute aus aller Welt?

Was Sie erfahren haben, ist nur halb richtig. Natürlich hatten wir 2001 viel mehr Bewerber als für 2005, das hing mit der New Economy zusammen. Aber Medien bleiben ein Thema für einen spezialisierten MBA, und St. Gallen ist ein wunderbarer Platz.

In gewisser Weise könnte man sagen, dass Ihr MBA ein "New Economy"-Produkt war, geschaffen in einer Zeit, in der jeder junge, ambitionierte Mensch von seinem eigenen Internet-Startup träumte. Ist das Konzept nicht einfach von der Zeit überholt worden?

Nicht überholt. Aber man muss die Thematik ständig anpassen. Die Bedürfnisse der Studierenden wandeln sich. Man kann nicht, wie viele öffentliche Universitäten, hundert Jahre die gleiche Germanistik anbieten.

Sie haben an der HSG ein ganzes Institut. Was wird nun daraus?

Aufgebaut hat es die Universität und besonders mein Kollege Beat Schmid, nicht ich. Zwei Lehrstühle von dreien bleiben, für den dritten suchen wir noch einen Sponsor.

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