Interview mit Prof. Dr. Scholz
Wie gut ist Saarbrücken?

Die Universität Saarbrücken bietet eines der ältesten MBA-Programme in Deutschland an. Ohne durchschlagenden Erfolg. Fragen an den Direktor des Europa-Instituts, Prof. Dr. Christian Scholz.

Herr Scholz, Sie bieten seit über 10 Jahren an der Universität Saarbrücken ein MBA-Programm. Was sind die Besonderheiten Ihres Angebot?



Unser MBA-Programm gibt es seit 1990 und es ist damit vermutlich der erste universitäre MBA in Deutschland. Seine Besonderheiten: erstens die personelle und konzeptionelle Kontinuität, zweitens die enge Verzahnung mit universitärer Spitzenforschung, wo die Saarbrücker BWL auch nach dem CHE-Ranking eindeutig einen Spitzenplatz einnimmt. Und dann unsere Strategie: je 50Prozent ausländische und deutsche Studenten, je 50 Prozent Part-Time und Full-Time-Studenten sowie je 50 Prozent permanente Faculty aus Saarbrücken und Gast-Faculty aus dem Ausland.

Wenn man sich Ihr Programm- Angebot genauer anschaut, bekommt man den Eindruck, dass es im Grunde ein Master in European Studies ist, dem ein paar Elemente eines MBA-hinzugefügt wurden, aber dass es sich nicht um einen wirklichen MBA mit general management-Ausrichtung handelt.

Eine interessante, gleichwohl eine völlig falsche Beobachtung. Charakteristisch für unser Programm ist, dass wir zwar die klassischen MBA-Komponenten lehren, sie aber inhaltlich auf Europa abstellen: Wir bieten also beispielsweise nicht nur Marketing an, sondern internationales Marketing und analog dazu internationales HRM. Genau dieser Europa-MBA wird am Markt gesucht, aber kaum angeboten.

Der (Markt-)Wert eines MBA-Programm bemisst sich letztlich an den Job-Perspektiven, die es eröffnet. Nach zehn Jahren müsste man also auch an den Karrieren Ihrer Absolventen sehen, was Ihr Programm taugt. Wer sind die 3-5 Absolventen, die es am weitesten gebracht haben?

Auch wenn wir das noch nicht systematisch beobachten, so haben wir inzwischen eine breite Palette: von Senior Consultant einer international erfolgreichen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft über Top Positionen in der High-Tech-Industrie bis hin zum gehobenen Regierungsdienst des asiatischen Heimatlandes.

Wohin geht das Gros Ihrer Absolventen?

Neben unseren Part-Time-Studierenden, die ohnehin bereits Führungspositionen in unterschiedlichen Unternehmen innehaben, finden sich unsere Absolventen eher in internationalen Unternehmen wieder, aber auch in diversen europäischen Institutionen.

Eine Kurzumfrage unter den wichtigsten MBA-Recruitern in Deutschland (Banken, Consulting- Firmen) zeigt aber, dass dort niemand Sie auf der Liste hat. Wie erklären Sie sich diesen mangelnden Erfolg?

Selbst wenn das stimmen sollte, beunruhigt mich das überhaupt nicht: Für Sie mag Erfolg gleichbedeutend mit Bekanntheit sein, für mich ist es definiert als langfristige Stabilität, hohe Qualität und gute Job-Angebote für unsere Absolventen.

Es fällt auf, dass Ihre Teilnehmer nach wie vor mehrheitlich aus Deutschland kommen und dass Sie es nicht einmal geschafft haben, jedes Jahr aus dem angrenzten Frankreich eine größere Zahl von Studenten anzuziehen. Anderen MBA-Anbietern wie der ESCP-EAP oder neuerdings auch Uni Mannheim/ ESSEC gelingt es offenbar besser, sich als "European MBA" zu positionieren.

Von der Zulassungszahl sollte man nie auf die Bewerbungszahl schließen! Unser Anteil an ausländischen Studierenden liegt bei 48% und das ist im gewollten Rahmen. Und wir haben Studierenden aus über 17 Nationen, was auch gewollt ist. Von einer besseren Positionierung anderer Anbieter kann also keine Rede sein.

Alle führenden MBA-Anbieter in Deutschland haben sich mittlerweile entweder von der European Foundation for Management Development (efmd) oder der AACSB prüfen und akkreditieren lassen. Sie hingegen nicht. Müssen Sie den Vergleich mit den führenden Business Schools scheuen?

Der Gesetzgeber zwingt andere Schulen aus gutem Grund zur Akkreditierung, uns dagegen aus gutem Grund nicht. Wenn aber verstärkt "Karrieremagazine" eine Akkreditierung zur Bedingung für faire Berichterstattung machen, werden wir uns vielleicht im Interesse unserer Studenten akkreditieren. Gegenwärtig haben wir strengere Maßstäbe: So ist der Saarbrücker MBA ein vom Auswärtigen Amt und der Europäischen Kommission geförderter Musterstudiengang.

Die Fragen stellte Christoph Mohr.

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