Interview mit Professor Mendu Rammohan Rao
Globale Ambition

Die Indian School of Business (ISB) in Hyderabad soll die erste indische Business School von internationaler Bedeutung werden. Professor Mendu Rammohan Rao ist dort seit 2004 Rektor. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, wie seine Schule zur Lösung des Armutsproblems im Lande beiträgt und wie seine Absolventen auf dem internationalen Wirtschaftsmarkt abschneiden.

Die Indian School of Business (ISB) wurde 1999 mit dem expliziten Ziel gegründet, Indiens erste Business School auf internationalem Niveau zu werden. Wie weit sind Sie, Ihrer eigenen Einschätzung nach, auf diesem Weg gekommen?

Wir haben uns als eine der Top-Business Schools in Indien etabliert, und die Financial Times sieht uns bereits auf Platz 20 weltweit. Wir müssen hart arbeiten, um diese in sehr kurzer Zeit erreichte Position zu halten. Wir müssen auch unsere Forschungskapazitäten erhöhen, den permanenten Lehrkörper von gegenwärtig 30 auf 45 Professoren bringen und einige andere Initiativen ergreifen, die uns helfen, eine forschungsgetriebene Managementinstitution auf Weltniveau zu werden.

Die ISB wurde mit der aktiven Hilfe einiger führender Business Schools wie Kellogg, Wharton und der London Business School aufgebaut sowie von Rajat Gupta, seinerzeit Weltchef von McKinsey & Co, unterstützt. Wie wichtig ist diese Unterstützung heute noch für die ISB?

Die ISB verdankt der Beratung dieser Institutionen viel, aber auch der aktiven Unterstützung ihrer Professoren und Dozenten sowohl bei der Lehre als auch bei der Forschung. Rajat Gupta ist noch heute der Chairman der Schule, und wir hoffen, dass dies auch so bleibt. In dem Maße, in dem die ISB an Stärke und Statur gewinnt, wird es möglich sein, diesen Institutionen auch etwas zurückzugeben und neue akademische Standards aufzustellen.

Hyderabad scheint nicht unbedingt eine natürliche Wahl, wenn man nach dem idealen Ort sucht, um Indiens führende Business School zu etablieren. Man würde da vielleicht eher an Bombay, Indiens Finanzzentrum, oder Bangalore, die IT-Metropole denken.

Hyderabad ist eine der wenigen Städte auf der Welt, die in den letzten Jahren ein geradezu dramatisches Wachstum gezeigt haben, und sie wird allgemein als eine der Städte betrachtet, die an der Spitze des indischen Wirtschaftswachstums stehen. Hyderabad hat eine Vielzahl von IT-Firmen angezogen und ist durchaus gleich bedeutend mit Bangalore und anderen südindischen Städten. Der Vorteil für die ISB liegt darin, dass es in Hyderabad möglich war, einen Universitätscampus auf Weltniveau zu haben, was in anderen überbevölkerten Städten wie Bombay und anderen nicht möglich gewesen wäre.

Ist die ISB ein eigenes Universum oder gibt es Verbindungen zur Stadt?

Die ISB interagiert auf verschiedene Weise mit der Stadt: mit Events, zu denen wir Leute aus der Stadt einladen, durch die Studenten, die in Gastfamilien wohnen, oder durch Events anderer Institutionen aus der Stadt auf unserem Campus. Außerdem gibt es eine Reihe von Unternehmern aus Hyderabad im Board der Schule.

Hyderabad, das eine der größten muslimischen Bevölkerungsgrupppen im vorherrschend hinduistischen Indien hat, war im letzten Jahr auch wegen mehrerer blutiger Bombenattentate in den Schlagzeilen. Welchen Einfluss hat das auf die Schule?

Leider ist Terrorismus in vielen Teilen der Welt alltäglich geworden. Da die ISB über einen eigenen abgeschlossenen Campus verfügt, ist sie sicher. Darüber hinaus haben wir einen Rund-um-die-Uhr-Sicherheitsdienst, um zu gewährleisten, dass wir hier in Sicherheit unsere akademischen Ziele verfolgen können.

Um eine richtige, eigenständige Business School zu werden, müssen Sie Ihren eigenen Lehrkörper aufbauen. Wie weit sind Sie damit gekommen und wie sehen Ihre weiteren Pläne für die Zukunft aus?

Wir haben heute einen 30-köpfigen Lehrkörper mit Professoren, die von den besten Business Schools weltweit kommen. Wir rekrutieren sehr aktiv, aber wir sind dabei sehr selektiv. Das ist ein langwieriger Prozess, und es wird einige Jahre dauern. Daneben haben wir das „ISB Visiting Scholar Programme“ mit Gastdozenten, die einen längeren Zeitraum an der Schule verbringen. Unser Modell ist, dass etwa 50 Prozent der Lehre von Dozenten bestritten wird, die von den besten ausländischen Business Schools kommen, so dass die Studenten einen sehr guten Mix erhalten.

Es gibt an US-amerikanischen und europäischen Business Schools eine beeindruckend hohe Zahl von “Management Gurus”, also Indern, die Wirtschaft und Management unterrichten. Glauben Sie, dass Inder eine besondere Affinität zu Zahlen haben, und ist dieses Phänomen nur die simple Folge der Tatsache, dass Indien ein sehr großes Land ist, dessen beste Köpfe in’s Ausland gehen mussten, um eine akademische Karriere zu machen?

Lassen Sie mich die Frage anders beantworten: Es stimmt, dass es eine sehr große indische Diaspora gibt, aber diese Inder sind in allen Bereichen erfolgreich, nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch als Unternehmer, Manager, Künstler, Filmemacher etc. Aber es gibt vielleicht eine genau so große Zahl erfolgreicher Inder in Indien, nur nimmt die im Ausland niemand wahr.

Würden Sie zustimmen, dass es eine besondere Verpflichtung von Business Schools gibt, zur Lösung der drängendsten Management-Probleme ihrer Länder beizutragen?

Ja, und die ISB tut das auf verschiedene Weise. Wir haben ein Centre for Entrepreneurship Developement ins Leben gerufen, weil Unternehmertum von vorrangiger Bedeutung ist, um Indiens Probleme zu lösen. Wir haben die Emerging Markets Solutions Initiative und mehrere ISB-Professoren arbeiten an Problemen, die sehr wichtig für Indien sind, von der indischen Börse über Microfinance bis zu Supply Chain-Fragen.

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