Interview mit Professor Wolfgang A. Herrmann von der TU München
"Wer, wenn nicht wir?"

Professor Wolfgang A. Herrmann (59) wurde vom Verwaltungsrat der TU München einstimmig zu einer weiteren Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Der Mann hat große Ziele: Vom bayerischen Staat fordert er nicht nur mehr Geld sondern gleich auch eine "Lex TUM", der benachbarten LMU München macht er ein spektakuläres Angebot, und die (Uni-)Welt will er auch retten.

Handelsblatt: Herr Professor Herrmann, an anderen deutschen Hochschulen muss man ihre Kollegen zum Jagen tragen. Ihnen hingegen scheint das Amt des Hochschulpräsidenten so viel Spaß zu machen, dass Sie sich jetzt nach bereits 12 Jahren noch einmal für sechs Jahre haben wählen lassen. Was macht den Job so interessant?

Professor Wolfgang A. Herrmann: Als unternehmerische Universität haben wir uns Gestaltungsräume geschaffen, die wir auf dem Weg zur weltweit Top-25 nutzen können. Dabei helfen klare unternehmerische Strukturen, z.B. die Vorstands-/Aufsichtsratsverfassung, die wir als erste deutsche Universität seit 1999 nutzen. Was mich betrifft: Man muss die Leute mögen und sich um sie kümmern, dann hat man auch Spaß an der Arbeit, und es geht voran. In den derzeitigen Rankings sind wir Deutschlands Nr. 1.

Handelsblatt: Sie könnten aber anders deutlich mehr Geld verdienen, zumal Ihnen, wie zu erfahren, auch schon einmal der Job des Forschungsleiters der Hoechst AG angeboten wurde.

Professor Wolfgang A. Herrmann: Ja, das stimmt. Als die fünf Kinder noch zu Hause waren, verteilte sich weniger Geld auf vier Köpfe, und dennoch hat es gereicht. Ein deutscher Hochschulpräsident liegt irgendwo bei 100-120 Tsd. ? brutto. Aber: "Die wahren Abenteuer sind im Kopfe, und wenn sie nicht im Kopfe sind, dann sind sie nirgendwo." (André Heller)

Handelsblatt: Ihre Presseleute "verkaufen" Sie als "den derzeit international meist zitierten deutschen Chemiker". Wenn es stimmt, wäre es beeindruckend. Wann kommen Sie denn überhaupt noch zum Forschen?

Professor Wolfgang A. Herrmann: Das Institute for Scientific Information (ISI) führt ständig aktualisierte Listen der Zitierhäufigkeit von Wissenschaftlern. Tatsächlich bin ich unter den international 100 meistzitierten Chemikern und halte wahrscheinlich auch jetzt noch den Spitzenplatz unter den Deutschen. Das liegt daran, dass wir in den 90er-Jahren grundle­gende Fortschritte in der Katalyseforschung erzielt haben, so dass diese Arbeiten häufig zitiert werden. Da ich seit einiger Zeit nicht mehr zum Forschen komme, werden mich andere, jüngere zu Recht überholen.

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