Interview mit Udo Steffens
Was wollen Sie am Kapitalmarkt?

Die Frankfurt School of Finance and Management gründet eine eigene Fondsmanagementtochter. Im Interview verteidigt Präsident Udo Steffens das Vorhaben als „logischen nächsten Schritt“, die Expertise in der Entwicklungsfinanzierung auszubilden.

Professor Steffens, Sie sind dabei, eine Fondsgesellschaft zu gründen. Warum?

Die Frankfurt School ist eine moderne Business School. Wir beschreiten innovative Wege, um eine bessere Kapitalisierung des angesammelten Know-hows und damit weiteres Wachstum zu erzielen. Die Ausgliederung des Geschäftsbereiches „Beratungs- und Fondsmanagement“ in ein Tochterunternehmen ist der logische nächste Schritt, unsere Expertise in der Entwicklungsfinanzierung zu konsolidieren und zu entwickeln.

Wie viel verstehen Sie denn davon?

Bereits seit 1992 sind wir in der Entwicklungsfinanzierung tätig. Unser International Advisory Services Team (IAS) erstellt zum Beispiel für Geberorganisationen oder Entwicklungsbanken Studien und Projektkonzepte oder unterstützt als Manager auf Zeit Mikrofinanzinstitutionen oder gründet diese. Wir übernehmen Beratungs- und Trainingsmandate, bilden Manager für Mikrofinanzinstitutionen aus. Etwa 80 Berater und Trainer sind bei IAS beschäftigt, sie haben Erfahrungen auf allen Kontinenten. Außerdem bieten wir seit neun Jahren eine Summer Academy für Fach- und Führungskräfte aus Mikrofinanzinstitutionen an. In diesem Jahr haben wir zusätzlich zum ersten Mal eine eigene Summer Academy zu Baufinanzierung in Dritte-Welt- und Schwellenländern initiiert – hierzu konnten wir 40 Teilnehmer aus der ganzen Welt begrüßen.

Ein erstes sichtbares Ergebnis Ihres Engagements in diesem Bereich ist nun der European Fund for Southeast Europe. Was genau ist der EFSE?

Der EFSE ist mit einem ausstehenden Investmentportfolio von über 455 Millionen Euro der größte Mikrofinanzfonds der Welt. Auf Initiative der KfW hin haben wir, also das IAS-Management, beim Konzept und Aufbau des EFSE mitgewirkt. Heute wird der Fonds von Sal Oppenheim und uns gemanagt mit prägender Beteiligung der KfW und weiterer internationaler Finanzorganisationen wie IFC EBRD; EIB. Ziel des EFSE ist es, die wirtschaftliche Entwicklung in Südost-Europa zu fördern. Lokalen Finanzinstituten in der Region bietet er langfristige Refinanzierung an, die diese an Mikro- und Kleinunternehmen sowie an private Haushalte mit niedrigem Einkommen weiter verleihen können.

Das besondere am EFSE ist, dass er als echtes Public-Private-Partnership-Projekt konzipiert wurde. Finanzmittel öffentlicher Geldgeber (etwa vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) oder von der Europäischen Kommission) erlauben es, private Mittel vom Kapitalmarkt aufzunehmen. Ohne diese öffentlichen Mittel wäre es nicht möglich, Investitionsvolumen in der Größenordnung des EFSE zu mobilisieren, um sie in die Mikrofinanzierung und Kleinunternehmen-Finanzierungen zu investieren. So wird mittlerweile mehr als ein Drittel des Kapitalstocks durch private institutionelle Investoren gedeckt.

Die Frankfurt School managt den Fonds nicht selbst, sondern Sal. Oppenheim. Wie sieht da die Rollenverteilung aus?

Oppenheim Asset Management Services ist der Fondsmanager. Die Frankfurt School berät und unterstützt das Fondsmanagement. Wir bereiten Anlageentscheidungen in den Zielländern vor, betreiben Marktforschung, strukturieren die Investments und koordinieren ihre rechtliche Vor- und Nachbereitung sowie das Risikomanagement. Darüber hinaus identifizieren und evaluieren wir neue Partnerinstitutionen in der Region. Wir monitoren diese im Hinblick auf die Förderzweckerfüllung, managen die gesamte Kommunikation zu ihnen und zu Investoren. Wir betreiben sechs Büros in der Region und gründen gerade weitere in der Ukraine und in Mazedonien.

Die neue Fondsberatungsgesellschaft in Gründung hat bereits ein Team mit rund 50 Mitarbeitern in Frankfurt und den EFSE-Ländern. Das ist natürlich mit erheblichen Kosten verbunden. Wie sieht Ihr Business-Plan aus?

Wir sind vom Geschäftsmodell überzeugt, da ein großes Marktpotenzial vorhanden ist. Die öffentlichen Geldgeber und internationalen Finanzinstitute gehen zunehmend dazu über, gemeinsame Fonds zu Entwicklungszwecken aufzulegen und unter Hereinnahme privater, oft auch institutioneller Mittel zu hebeln. Nach einer von der Consultative Group to Assist the Poor (CGAP) in Auftrag gegebenen Studie, gibt es derzeit über 90 Investmentfonds für Mikrofinanzierung. Ihre Kapitalausstattung liegt bei zirka 3,5 Milliarden US-Dollar mit stark steigender Tendenz. Wir werden uns selbstverständlich darum bemühen, Consulting-Mandate für weitere Mikrofinanzfonds zu gewinnen. Das ist natürlich mit Investitionen verbunden. Denn die Identifikation geeigneter Partnerinstitute in den Förderländern, die Überwachung der Einhaltung der Förderzwecke, die Zusammenarbeit und Weiterbildung von ausgewählten Partnerinstituten erfordern eine große Marktnähe. Für das professionelle Management eines Entwicklungsfonds ist deshalb in vielen Fällen der Unterhalt von lokalen Büros notwendig, die von erfahrenen Experten koordiniert werden.

Sie gründen ihre Beratungsaktivitäten als Tochterunternehmen aus. Wollen Sie sich die Option offen halten, die Gesellschaft ganz oder Anteile zu verkaufen?

Das ist nicht geplant.

Haben die Studenten der Frankfurt School auch etwas davon?

Das neue Tochterunternehmen wie auch unser IAS-Bereich wachsen stark und bieten Vakanzen an. Es liegt auf der Hand, dass unsere Studierenden und Absolventen hier Praktika absolvieren können und natürlich spannende Aufgaben mit Perspektive finden – in Frankfurt und überall auf der Welt.

Ihr Wettbewerber European Business School (EBS) ist mit einen B(rasilien)-R(ussland)-I(ndien)-C(hina)-MBA auf den Markt gegangen. Können Sie sich etwas in dieser Art auch für Ihre Schule vorstellen?

Ein klarer Fokus der Frankfurt School liegt im Bereich Entwicklungsfinanzierung. Da begrenzen wir uns nicht auf bestimmte Regionen. Unsere Expertise auf diesem Gebiet bauen wir weiter aus. So startet zum Wintersemester der englischsprachige Master of Development Finance, ein Master of Science, in dem wir junge Leute gezielt auf den Berufsteinstieg in der Entwicklungsfinanzierung vorbereiten. Wir haben eine exzellente Resonanz von Studierenden aus Dritte-Welt- und Schwellenländern sowie aus Europa. Mit Adalbert Winkler hat ein hervorragender Wirtschaftswissenschaftler den Ruf auf die Professur für Development Finance angenommen, er wird das Forschungscluster „Development Finance" ins Leben rufen und entwickeln. Mit unserem neuen (preexperience) Master in International Business (MIB) haben wir im Übrigen einen ähnlichen inhaltlichen Fokus (Euro-Asia) wie die EBS mit dem BRIC-MBA. Wir sind sehr froh, dass der Studiengang mit 38 internationalen Studenten ausgebucht ist.

Vor einem Jahr haben Sie mit der Finanz-Akademie der Russischen Föderation einen MBA in Finance für Fach- und Führungskräfte der Finanzwirtschaft in Russland ins Leben gerufen. Wo stehen Sie da heute?

Der MBA ist gut gestartet. Alle Studierenden kommen aus nationalen und internationalen Banken und bringen Führungserfahrung mit. Sie haben großes Interesse an internationalen Finance-Fragestellungen, nicht so sehr am deutschen Banking. Zur Zeit befinden wir uns in der Rekrutierungsphase für den 2. Start Mitte Oktober. Die Kooperation entwickelt sich über den MBA hinaus: Auch unseren Bachelor-Studenten steht die Finanz-Akademie für das Auslandssemester offen.

Auch in China ist die Frankfurt School aktiv. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Schon seit vielen Jahren sind wir Bildungspartner verschiedener chinesischer Banken, die ihre Fach- und Führungskräfte für mehrere Wochen zu uns nach Frankfurt entsenden, wo wir sie weiterbilden – etwa zu Retail Banking oder Mittelstandsfinanzierung. Seit 2004 sind wir selber am Finanzplatz Schanghai mit dem Shanghai International Banking & Finance Institute (SIBFI) präsent. Hier bieten wir diverse Bildungsprogramme für Bankmitarbeiter an. Im vergangenen Jahr hatten wir nahezu 3000 Studierende. Das SIBFI unterstützt uns dabei, weitere Aktivitäten in China zu entfalten, etwa Beratungsmandate im Bereich Mikrofinanzierung akquirieren. Wir sind auch Partner des „Research Fellowship Programme“ im Rahmen des renommierten „Europe China Business Management Training Project“. Gemeinsam mit der CEIBS, der China Europe International Business School, verantworten wir ein Forschungsprojekt, bei dem wir Nutzen und Risiken von Allfinanzdienstleistern in China analysieren. Ein Ziel ist es, ein Managementtraining zum Thema zu konzipieren.

Wenn Sie so viel von Microfinance verstehen, dann müsste die Frankfurt School doch der natürliche Anlaufpunkt für Banker aus Afrika und anderen Schwellenländern sein?

Ja, das ist in der Tat so. Gerade aus unserem Nachbarkontinent Afrika haben wir viele Anfragen. Es laufen eine Reihe klassischer Mikrofinanzprojekte und wir erstellen Studien über die Bedarfe in der Entwicklungsfinanzierung. Vor kurzem haben wir ein Büro in Nairobi eröffnet. Der DAAD fördert mit einem nennenswerten Betrag ein von uns aufzubauendes Fachzentrum für Exzellenz in Forschung und Lehre in Subsahara Afrika mit dem Schwerpunkt Microfinance an einer Universität in der Demokratischen Republik Kongo.

Das Gespräch führte: Christoph Mohr

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