Interview
Was bringt ESADE?

Die spanische Business School ESADE steht ein bisschen im Schatten des großen Konkurrenten IESE. MBA-Absolvent Tobias Kosten erklärt im Interview, warum die Schule für Deutsche dennoch attraktiv sein kann.

Handelsblatt: Sie haben klassisch an der Uni Köln BWL studiert. Wozu brauchten Sie da noch einen MBA?

Tobias Kosten: Nach meinem BWL Studium und der Ausbildung zum Kommunikationswirt an der WAK in Köln fühlte ich mich irgendwie noch nicht "fertig". An der Kölner Uni gibt es den klassischen, deutschen Frontalunterricht, an der ESADE arbeitet man in internationalen Teams an konkreten Fallstudien. Es ist etwas anderes über Buchhaltung in Deutsch zu lesen, als im Team mit einem katalanischen Chemiker, einer peruanischen Ingenieurin, einer kolumbianischen Anwältin, einem mexikanischen Arzt und einem argentinischen IT-Fachmann auf Spanisch zu diskutieren.

Wie kamen Sie auf ESADE?

Mein Ziel war es, einen zweijährigen, bilingualen MBA auf Englisch und Spanisch zu machen. Dies ist in dieser Form m. W. nur an zwei Schulen auf der Welt möglich. Eine davon ist ESADE. Zudem hatte ich während eines Praktikums in Barcelona nur Gutes von ESADE gehört.

Jede Business School, die auf sich hält, behauptet das MBA-Studium sei eine "life changing experience". War das auch bei Ihnen der Fall?

In jedem Fall! In meinem Jahrgang waren wir 120 Teilnehmer aus 32 Ländern, die im Durchschnitt ca. 5 Jahre Berufserfahrung hatten. In dieser interkulturellen Atmosphäre unter starkem Zeitdruck im Team Erfolge zu erzielen, schweißt sehr stark zusammen und verändert die Sichtweise auf die Dinge enorm. Insbesondere von meinen lateinamerikanischen Teammitgliedern habe ich gelernt, meine "deutsche" Analytik mit lateinamerikanischer Kreativität und Enthusiasmus zu verbinden. In scheinbar aussichtslosen Situationen bin ich nun wesentlich ruhiger und denke mir: "Wie würden meine lateinamerikanischen Team-Mitglieder wohl jetzt dieses Problem lösen"?

ESADE ist in Barcelona beheimatet, immerhin eine der In- und Party-Locations in Europa. Wie viel bekommen davon die MBA-Studenten mit? Und wie stark prägt die Stadt die Schule?

Im ersten Jahr hatten wir so viel Arbeit, außer dem Weg von meiner Wohnung zu ESADE und zurück zumindest während der Woche praktisch nichts von Barcelona gesehen habe. Die Stadt gesehen habe ich nur, wenn ich Besuch aus Deutschland hatte. Zudem habe ich mich in dieser Zeit auch noch in Deutschland mit einem Partner im Bereich interaktives Fernsehen selbständig gemacht und die Firma Interactiv/Joca gegründet. Im zweiten Jahr hatte ich etwas mehr Freizeit und habe die Stadt dafür umso besser kennengelernt! Bei ESADE betrachtet man den Menschen als Ganzes und legt starken Wert darauf, den Studenten nicht nur fachlich, sondern auch gesamtheitlich weiterzubilden. Es gibt einen gut organisierten Studenten-Club, der von Führungen in Museen, über Weinproben bis zu Member-Cards für die angesagtesten Diskotheken sehr viel Unterstützung liefert.

Mit Ihrem MBA in der Tasche, arbeiten Sie heute beim Teleshopping-Unternehmen QVC in Düsseldorf. Nicht unbedingt eine Top-Adresse für MBA-Absolventen?

Viele meiner MBA-Kollegen sind zu Beratungsfirmen, Investmentbanken und Großkonzernen gegangen. Nachdem ich nach dem MBA bei Kienbaum den Bereich Headhunting kennen gelernt und bei der Sport und Markt AG den Bereich Business Development mit aufgebaut hatte, bin ich nun bei QVC - Deutschlands Kundenchampion und Marktführer im Bereich Teleshopping in Europa - als Business Analyst im Bereich Strategic Corporate Planning tätig. Hier sind wir als Stabsstelle direkt der Geschäftsleitung zugeordnet und sind eine Mischung aus interner Beratung, Ideenlieferant und Umsetzer. Die Position bietet mir viel Entfaltungsmöglichkeiten und immer wieder sehr spannende Projekte. Insofern fühle ich mich bei QVC sehr wohl!

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