Investmentbanking Deutschland ist anders

Jan Masek ist Vice President im Investment Banking von JP Morgan in Frankfurt. Er hat 2002 einen MBA am INSEAD erworben. Für das Handelsblatt beschreibt er JP Morgans Spagat zwischen dem deutschen und dem US-System.
  • Jan Masek

Innerhalb einer großen internationalen Investmentbank wie JPMorgan, die auf der ganzen Welt tätig ist, muss man zur Beantwortung der Frage, was der MBA im Investmentbanking bringt, zunächst einmal zwischen dem angelsächsischen und dem deutschsprachigen Raum differenzieren.

Insbesondere in den USA kommt dem MBA im Investmentbanking eine ganz zentrale Rolle als Teil der Ausbildung der jungen Investmentbanker zu. Die ganz große Mehrheit geht hier mit einem B.A. ein zunächst auf drei Jahre befristetes Vertragsverhältnis mit der Investmentbank ein, das als festen Bestandteil im Anschluss den Erwerb eines MBA-Titels vorsieht.

Nach erfolgreichem Abschluss des ein- bis zweijährigen MBA-Studiums fangen die jungen Absolventen dann in der Regel wieder als Associates bei JPMorgan an, wechseln zu einem anderen Finanzdienstleister oder in eine andere Industrie. Der MBA ist somit fester Bestandteil der Ausbildung und ist für viele das erste betriebswirtschaftliche Studium, da der B.A. oft in anderen Fächern erworben wird, wie zum Beispiel in Geschichte oder Politkwissenschaften.

In Deutschland hingegen verfügen die jungen Analysten in der deutlichen Mehrzahl bereits über ein Diplom oder einen anderen Abschluss in BWL, wenn sie von den Universitäten oder Fachhochschulen zu JPMorgan kommen. Aufgrund der längeren Schul- und Universitätsausbildung sind sie in der Regel etwas älter als ihre US- Kollegen. Aus diesen beiden Gründen kommt dem MBA hier nicht die gleiche zentrale Bedeutung zu wie im angelsächsischen Raum.

Anders als in den USA ist der MBA für eine Karriere als Investmentbanker keine zwingende Voraussetzung. Im deutschsprachigen Raum kommt es vielmehr darauf an, dass die jungen Analysten ihre Fachkenntnisse vom ersten Tag an in die Praxis einbringen, sie hier vertiefen und ausbauen, wobei JPMorgan dies allerdings durch gezielte Trainings flankiert. So beginnt der Einstieg in das Investmentbanking bei JPMorgan für alle deutschen Berufsanfänger mit einem zweimonatigen Trainingsprogramm in New York. Nach zwei bis drei Jahren im Job haben die Analysten in der Regel bereits ein sehr hohes Niveau erreicht und sich so sehr in die Bank integriert, dass ein ein- bis zweijähriges MBA-Studium oft als Unterbrechung des Karriereweges wahrgenommen werden kann.

Auf der anderen Seite rekrutieren wir aber aufgrund des hohen Wettbewerbs bei der Suche nach Spitzentalent sowie wegen der zunehmenden Internationalisierung der Ausbildung auch gezielt an den renommiertesten amerikanischen und europäischen MBA-Schulen für den europäischen und hier auch den deutschsprachigen Raum. Im internationalen Vergleich sind die MBA-Absolventen angelsächsischer Schulen immer noch vergleichsweise jung und stellen für uns aufgrund ihrer hervorragenden praktischen und theoretischen Ausbildung interessante, vielversprechende Kandidaten dar. Insofern bieten sich hier auch Einstiegsmöglichkeiten für Deutsche, die sich früh für einen angelsächsischen Bildungsweg entscheiden.

Zum anderen sind für uns aber auch solche "High-Potentials" interessant, die zunächst ein nicht-betriebwirtschaftliches Fach studiert haben (wie zum Beispiel Ingenieurwesen oder Rechtswissenschaften) und dann nach erster Berufserfahrung ein MBA-Studium absolvieren, um einen Quereinstieg in das Investmentbanking vorzunehmen.

Wer darüber hinaus nach den ersten Jahren als Analyst für sich persönlich zu der Überzeugung gelangt, sein betriebswirtschaftliches oder finanzwissenschaftlichen Fachwissen im Rahmen eines MBA-Studiums (oder einer Promotion) vertiefen zu wollen und dies gut begründet, den werden wir nach Kräften unterstützen, wenn aufgrund der bislang erbrachten Leistungen der Wunsch vonseiten der Bank besteht, den Mitarbeiter über die Weiterqualifizierung hinaus zu halten.

In jedem Fall sollte dem Absolventen klar sein, dass es keinerlei Automatismus gibt, wonach ein MBA die weitere berufliche Karriere beschleunigt Das wichtigste Kriterium bei all diesen Optionen ist die Auswahl der richtigen MBA-Schule und deren Renommee. Aus Sicht von JPMorgan gibt es drei bis vier europäische Institute, die zum Erwerb des MBA-Abschlusses in Frage kommen, und zirka ein halbes Dutzend in den USA.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%