Kopf der Woche
Unternehmer gefragt

Alle drei Top- Business-Schools Europas werden jetzt von Managern aus der Wirtschaft geführt. John R. Wells wird IMD-Chef.

Und nun sind es also drei. Wenn der polyglotte Brite John R. Wells im Frühjahr kommenden Jahres den Chefsessel der Schweizer Top-Schule IMD einnimmt, werden alle drei führenden Business-Schools Europas von Leuten aus der Wirtschaft geführt werden. J. Frank Brown (Pricewaterhouse Coopers/Insead), Robin Buchanan (Bain/London Business School) - nicht mehr reine Akademiker sind gefragt, sondern unternehmerisch denkende Macher. Da wird sich mancher Wettbewerber auf dem MBA-Markt gerade auch in Deutschland warm anziehen müssen.

Nicht, dass der scheidende IMD-Chef Peter Lorange kein Unternehmertyp war. Als der Norweger die IMD-Führung übernahm, machte die Schule am Genfer See 35 Millionen Schweizer Franken Jahresumsatz und war mit etwa 25 Millionen sfr verschuldet. 15 Jahre später ist sie schuldenfrei, expandiert und macht 115 Millionen sfr Umsatz. Eindrucksvoller kann sich ein Business-School-Chef kaum verabschieden.

"Es wird schwierig, in Peter Loranges Fußstapfen zu treten", bekennt denn auch der designierte Nachfolger Wells, macht sich dann aber doch Mut: "Ich bin sicher, dass es mit der Untertstützung dieser großartigen Professoren und des Boards möglich sein wird, IMD zu einer noch globaleren Institution zu machen."

Wells wurde von einem Selection-Committee unter der Leitung des ehemaligen Nokia-Vorstands Matti Alahuhta ausgewählt. "Ein gemeinsamer Freund hat mich kontaktiert und mich gefragt, ob mich der Job interessieren würde", berichtet Wells.

Auf dem Papier ist der Brite geradezu eine Idealbesetzung. In Oxford studierte er Nuklearphysik, ging dann aber als Trainee zu Unilever. Als MBA-Absolvent der Harvard Business School stieg er bei der Boston Consulting Group ein, nur um zwei Jahre später wieder an seine Alma Mater zurückzukehren und in Management zu promovieren. Und mit dem Harvard-Management-Guru Michael Porter gründete er dann auch die Beratungsfirma Monitor Co., bevor er ins Management von PepsiCo wechselte und später dann Chefstratege der britischen Tourismusgruppe Thomson Travel wurde. Daneben gründete er dann noch einige andere Unternehmen, investierte in Start-ups - und wurde Harvard-Professor...

"Harvard ist ein wundervoller Ort, um Forschung zu betreiben und zu unterrichten", bekennt Wells. "Ich werde das vermissen." Aber der IMD-Chefsessel ist dann doch noch einmal eine ganz andere Herausforderung: "Meine Business-Erfahrung wird es mir nicht nur erlauben, die Bedürfnisse der IMD-Kunden zu verstehen, sondern auch, die Schule voranzubringen". Also zu wachsen.

Und eines ist sicher: Mit den französischen Alpen vor Augen und den Weinbergen im Rücken ist Lausanne für den Wein- und Ski-Freund Wells der ideale Ort.

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