Leadership-Programme für Frauen: „Ich, die Managerin“

Leadership-Programme für Frauen
„Ich, die Managerin“

Business Schools wären nicht Business Schools, wenn sie nicht ständig neue Themen, Zielgruppen und Programme ausspinnen würden. Unübersehbar ist derzeit, dass sie weltweit Managerinnnen als Thema „entdeckt“ haben – Business Schools bieten zunehmend Leadership-Programme für Frauen an.

Wie eine Handelsblatt-Recherche bei den zwanzig führenden Business Schools diesseits und jenseits des Atlantiks ergab, haben mittlerweile fast alle führenden Schulen eigene Fortbildungsprogramme für Managerinnen aufgelegt. Und bei einigen Schulen ist daraus gleich ein Forschungsschwerpunkt geworden.

„Wir sind auf diesem Feld ein Pionier, ein First Mover“, behauptet stolz Jim Aisner, Sprecher der Harvard Business School. „Andere Schulen sind uns gefolgt.“ Die legendäre Business School in Boston hat zwei „Frauen-Programme“ im Angebot: „The Women’s Leadership Forum: Innovation Strategies for a Changing World“ (29.04.-03.05.07; 7000 US-Dollar) für das sie gleich sechs Professoren auffährt, und „A New Path: Setting New Professional Directions“, das ursprünglich als Karriereorientierungsprogramm für Harvard-Absolventinnen konzipiert worden war (04.-10.03.07; 5000 US-Dollar). An beiden Programmen lässt sich gut die Spannbreite des neuen Themenfeldes ablesen; geht es bei dem einen Programm darum, dass Managerinnen in ihrem Job erfolgreicher werden, geht es in dem anderen um das Management der eigenen Karriere.

„Selbstverständlich gibt es auch bei uns solche Programme“, sagt Michael McTigue, Marketingdirektor des Aresty Institute of Executive Education der Wharton School der University of Pennsylvania in Philadelphia. „Women in Leadership: Legacies, Opportunities, and Challenges“ (11.-15.06.07) beschäftigt sich mit der Frage, welchen Unterschied es macht, als Manager ein Frau zu sein. Originell ist das Programm „Career Comeback: A UBS Fellowship Program for Professional Women Reentering the Workforce“ (03.-05.03.07), das sich mit der besonderen Problematik der Rückkehr in den Job beispielsweise nach der Babypause beschäftigt. Dank des Sponsors, der Schweizer Großbank UBS, ist die Teilnahme kostenlos.

Schon wieder aufgegeben hat die Chicago Graduate School of Business ihre „Frauen-Programme“. „Wir hatten 2001 bis 2003 ein „Leadership Program for Women“, erklärt dazu Michael Malefakis, Direktor für Executive Education. „Aber die meisten Professoren meinten dann, es sei besser, Frauen nicht in Programmen zu isolieren, weil das nicht die Realität der Geschäftswelt widerspiegele. Und wir sahen auch bei jüngeren Managerinnen, dass sie zwar Leadership Programme wollten, aber keine Leadership-Programme nur für Frauen.“

Unterdessen sind auch die führenden Business Schools in Europa voll auf den „Frauen-Zug“ aufgesprungen. Am Insead (Fontainebleau) ist dies die Domäne von Professor Herminia Ibarra, die auch auf der Handelsblatt-Veranstaltung „Frauen & Management“ auftritt. Insead bietet einen dreitägigen Workshop „Women Leading Change in Global Business“ (22.-25.05.07)an, der sich auch als Networking-Plattform versteht.

Das IMD in Lausanne hat mit „Strategic Leadership for Women“ (28.-31.05.07 und 01.-04.10.07) ein viertägiges Programm im Angbeot, das Managerinnen für die nächst höhere Management-Position vorbereiten will. „Frauen lernen anders in Gruppen von Frauen als sie das als eine Minderheit in einer von Gruppe von Männern tun“, erklärt IMD-Sprecherin Els Van Weering. „Wir haben hier Frauen gesehen, die in dieser Umgebung, in der sie sich frei äußern können, mit einem Mal viel stärker wurden. Und sie können über das IMD ein starkes internationales Netzwerk aufbauen und sich gegenseitig als Mentoren und Vorbilder unterstützen.“

Auch in Spanien gibt es mittlerweile mehrere Programm für Managerinnen. Die spanische Top-Schule Iese (Barcelona/Madrid) führt ein „Women & Leadership Program“ (12.-15.03.07; Barcelona), das sich den Führungsqualitäten von Frauen widmet. „Als Frauen verbinden wir Erfolg nicht direkt mit Macht. Wir geben der informellen Macht, als Einfluss, den Vorzug, Deshalb sind wir Frauen Experten im Aufbau von Teams“, erklärt Professor Nuria Chinchilla ihren Ansatz.

Ein paar Straßenzüge weiter gibt man sich kämpferisch. „Yo, Directiva“ heißt das „Frauen-Programm“ der Business School Esade (Barcelona), das sich als Serie von acht Seminaren über das ganze Jahr erstreckt. „Sie können sich aussuchen, ob Sie das mit „Ich, die Managerin“ oder „Ich, der Boss“ übersetzen“, sagt Eugenia Bieto, Corporate Deputy Director. Der Phantasie von Business Schools, sich auch auf diesem Feld neue Märkte zu erschließen, sin keine Grenzen gesetzt. So entwickelte das Instituto de Empresa in Madrid ein Programm für Unternehmerinnen in Saudi-Arabien.

Noch anspruchsvoller ist ein Programm der Organisation The International Women’s Forum Leadership Foundation. Sie wählt jedes Jahr 12-15 Frauen „mit außergewöhnlichem Potenzial“ aus, die als „Fellows“ ein Programm durchlaufen, das gleich von mehreren Business Schools organisiert wird, darunter die Harvard Business School und die Judge Business School der University of Cambridge.

Erst die Zukunft wird zeigen, ob „Frauen-Programme“ am Markt dauerhaft bestehen können. Dass das Thema „Frauen & Management“ Business Schools die nächsten jedoch Jahre beschäftigen wird, ist heute schon klar.

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