MBA-Absolventen
Vorbereiteter Zufall

Die ersten MBA-Absolventen sitzen nun auch in Deutschland in den Chefsesseln. Einer von ihnen ist Stefan Groß-Selbeck, der Deutschland-Chef von Ebay. Seine Karriere verdankt er seinem MBA-Studium an der französischen Top-Schule Insead.

POTSDAM. Vielleicht war alles nur Zufall. Zufall, dass er einen MBA an der französischen Top-Business School Insead gemacht hat. Zufall, dass er von seinem gut bezahlten Berater-Job bei Boston Consulting vom Medien-Mogul Kirch mit einem Angebot weggelockt wurde, dem er "nicht widerstehen konnte". Zufall, dass er den richtigen Mann kannte, der ihn im Jahr 2002 kurz vor Zusammenbruch des Kirch-Imperiums in die Geschäftsführung von Ebay Deutschland holte. Und Zufall auch, dass Ebay gerade ihn, der mit China nichts am Hut hatte, nach Shanghai schickte, um dort das Geschäft aufzubauen. Wenn Stefan Groß-Selbeck seinen Weg vom Rechtsreferendar zum eBay-Chef Deutschand beschreibt, fällt kein Wort so häufig wie Zufall. Natürlich glaubt man das nicht, und auch auch Groß-Selbeck glaubt nicht an Zufälle. Von nichts, kommt nichts.

Vielleicht ist es das norddeutsche Understatement des gebürtigen Kielers, der auch noch nach Jahren in Berlin den Tonfall seiner Heimat beibehalten hat, das dazu führt, die Dinge eher herunterzuspielen als sich selbst in den Vordergrund. Vielleicht spiegelt es aber auch nur die banale Weisheit wider, dass sich Karriere nicht planen lässt, eine solche aber nur macht, wer auf die sich ihm bietenden Gelegenheiten vorbereitet ist.

Programmiert war diese Karriere jedenfalls nicht. Ganz im Gegenteil: Groß-Selbeck hat "ganz normal" Jura studiert - immerhin nicht nur in Freiburg und Köln, sondern auch in Montpellier und Lausanne - und in Montpellier auch eine Maitrise in Ökonomie gemacht. So lief es auch auf eine Karriere als Jurist hinaus: Prädikatsexamen, Promotion, Rechtsreferendariat in der Top-Kanzlei Freshfield Bruckhaus Deringer. Doch da kam der Schock: "Meine Mandanten hatten die spannenderen Jobs", resümiert Groß-Selbeck heute. "Mir wurde klar, dass ich irgendwie selbst unternehmerisch tätig werden wollte."

Eine Info-Veranstaltung der Insead brachte die Idee. Ein MBA würde das nötige Rüstzeug bringen, das ihm als Jurist fehlte. "Es musste auch alles ganz schnell gehen: Die Bewerbungsfrist für ein MBA-Stipendium an Insead war eigentlich schon abgelaufen; ich musste die Unterlagen binnen fünf Tagen nachreichen."

Und gegen jede Wahrscheinlichkeit klappte es: Der dröge Jurist, der außer ein wenig Treuhandanstalt und Rechtsanwaltskanzlei eigentlich keine richtige Berufserfahrung hatte, bekam ein Stipendium der Haniel-Stiftung. Das MBA-Abenteuer konnte beginnen.

"Ich hatte den MBA sicherlich ein wenig unterschätzt", sagt Groß-Selbeck, "vor allem die Dynamik des Arbeitens und Lebens in einer internationalen Umgebung." Es wurde eine spannende Zeit "mit intensiven Stunden, die auch heute noch sehr klar vor Augen habe." Wie viele Insead-Studenten mietete auch Groß-Selbeck eines der kleinen Landschlösser in der Umgebung von Fontainebleau und teilte den Landsitz "mit einer Israelin, einer Amerikanerin, einem Amerikaner, einem Briten und einer Britin." Es wurde eine typisches Insead-Leben mit "sehr viel Arbeit, sehr viel Spaß und sehr viel Party". Wehmütige Erinnerung: "Diese Kultur der Dinnerparty gibt es so nur hier, jeden Donnerstag Abend haben wir auf unser Château eingeladen."

Auch inhaltlich gab es Verstörendes: "Für mich als Juristen gab es nicht so etwas wie unvollständige Information. Wenn man als Jura-Student einen Fall zu bearbeiten hat, dann hat man sämtliche Informationen, auf der einen Seite die Gesetze, auf der anderen die Fallbeschreibung. Im MBA war es nun genau umgekehrt. Wie geht man gerade mit unvollständigen Informationen um? Wie formuliert man Hypothesen. Damit habe ich mich anfangs sehr schwer getan."



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Auch dem Selbstbewusstsein tat das Insead-Studium gut: "Als Jura-Student weiß man eigentlich nie, wo man leistungsmäßig steht. Und wenn man es gesagt bekommt, dann ist es eher negativ. Am Insead bekommt man nun ein Jahr lang eingeredet, man sei the master of the universe." Oder auf die bescheidenere-norddeutsche Variante heruntergerechnet: "Am Ende wusste ich: Du kannst mehr, als Du vorher gedacht hattest."

Vor dem MBA hatte Groß-Selbeck auch schon mit dem Gedanken gespielt, anschließend in die Beraterbranche zu gehen. "Insead macht es da natürlich leicht: Alle Top-Consultingfirmen kommen zum Recruiting auf den Campus, und zu dem Zeitpunkt, zu dem ich meinen MBA machte, brauchten sie mehr Leute als sie kriegen konnten." Der angehende MBA-Absolvent entschied sich für Boston Consulting: "Deren Präsentation war absolut super, sehr konzeptionell, sehr intellektuell, sehr high level."

In gewisser Weise wurde es dann eine typische Berater-Karriere. Groß-Selbeck, der zuvor keine besondere Affinität zu den Medien hatte, kam bei BCG auf Projekte, bei denen es insbesondere um die Strategieentwicklung für Medienunternehmen ging. Und wie es in der Beraterbranche so geht, wurde es nach einiger Zeit, "vom Kunden weggeheuert". Der hieß Kirch, genauer Kirch Intermedia (heute SevenOne Intermedia), und Groß-Selbeck wurde verantwortlich für die Bereiche Marken und Finanzen.

Heute ist SevenOne Intermedia die Multimediatochter der Pro Sieben Sat 1-Gruppe und entwickelt digitale "Verlängerungen" der Senderformate, wie gerade eben ein Browserspiel zur Castingshow Popstars.

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