MBA an der IMD
Ein Gerücht und seine Wahrheit

Wie ist es wirklich, wenn man an einer führenden Business School sein MBA-Programm absolviert? Stimmen die Gerüchte von der exzessiven Arbeitsbelastung, den schlaflosen Nächten - und den ausschweifenden Partys? Exklusiv für das Handelsblatt-Magazin Junge Karriere berichten Deutsche in einem Online-Tagebuch ( www.jungekarriere.com/mba ) über ihre CampusErfahrungen. Dirk Cohausz berichtet von der Schweizer Top-Schule IMD in Lausanne.

"Das Wall Street Journal nannte IMD in seinem Ranking ,the boot camp . Ehemalige sprechen in Erinnerung an die Arbeitszimmer im Keller vom ,dungeon und flößen Bewerbern mit ihren Anekdoten gerne mal Angst ein: Bei der Ansprache des Dekans Sean Meehans im Jahr zuvor sollen Tränen geflossen sein, und selbst das Gerücht vom Selbstmord wegen Überforderung kursiert auf dem Campus.

Sean Meehan bleibt seinem Ruf als Schleifer treu. Mit starrer Miene und selbstsicherem Schritt wacht der Ire über seinen Campus und nimmt die Neulinge ins Visier. Erst als sich Studenten und Professoren zum Eröffnungsdinner im Olympischen Museum einfinden, beweist er, dass auch er sprechen und lachen kann.

Mit dem Dessert gibt es als Bonbon den ersten Case, jene fünf bis 40 Seiten lange Problemstudie, die wir in den kommenden Monaten zu hunderten bearbeiten müssen.

Zurück am IMD, sitzen die zugeteilten Gruppen aus sieben bis acht Studenten zusammen. Wir, sieben Männer, sollen für die nächsten drei Monate eine Familie werden: Masumi ist der ruhenden Pol aus Japan, der lange in Frankreich lebte. Der IBM-Berater Mika ließ seine Frau und beiden Kinder in Finnland zurück. Richard wechselte erst von Sydney nach London und dann vom Rechtsanwaltberuf in die Geschäftswelt von Cable & Wireless. Jordan aus Bulgarien arbeitete die vergangenen Jahre in Brüssel als Wirtschaftsprüfer. Akwasi, ursprünglich aus Ghana, lebte die vergangenen Jahre in New York und hat noch schnell vor dem Start seine Frau geheiratet, die in Washington auf ihn wartet. Und schließlich haben sie mit mir noch einen Deutschen der Gruppe zugelost.

Die Diskussion über den Case dauert Stunden. Morgens gegen drei Uhr verlassen wir IMD und fallen ins Bett. Um acht Uhr geht es weiter; Lunch, wieder vier Stunden Unterricht und dann noch stundenlang lernen. So geht es sechs Tage die Woche. Aber man hat uns versprochen, dass wir in diesem Monat noch den letzten Samstag frei haben werden. Wir freuen uns und fragen uns, ob der militärische Vergleich mit einem ,boot camp vielleicht doch nicht so falsch war."

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