MBA in Großbritannien
Lernen im Schloss: Ashridge

Die Kulisse ist imposant: Die Business School Ashridge residiert in einem neugothischen Prachtbau. Für Lufthansa baute Ashridge einst einen eigenen Executive MBA. Der Konsortial-MBA ist Vergangenheit. Wie steht es heute um die Kooperation?

LONDON. Es ist eine der ältesten Kooperationen zwischen einem deutschen Unternehmen und einer britischen Business School. Als vor über einem Jahrzeht führende deutsche Unternehmen und vor allem innovative Personaler wie Martin Möhrle (Deutsche Bank) oder Thomas Sattelberger (ehemals Lufthansa, heute Personalvorstand Deutsche Telekom) darüber nachdachten, wie das Know-how einer guten Business School mit den Personalentwicklungsnotwendigkeiten eines deutschen Unternehmens zusammengebracht werden könnten, verfielen sie auf die Lösung, die gleichsam mehrere Dinge mit einer Klappe schlägt: den Konsortial-MBA. Anstatt ihre Mitarbeiter zum MBA-Studium an eine der Top-Schulen in Europa oder den USA zu schicken, ließen sich Lufthansa, Deutsche Bank und das Darmstädter Pharma-Unternehmen Merck von der britischen Top-Schule Ashridge einen berufsbegleitenden Executive MBA maßschneidern. Die Idee: Eine MBA-Ausbildung für die Mitarbeiter, verringert um das in offenen Programmen große Risiko, diese nach Abschluss des Programms zu verlieren. Eine auf die Unternehmensbedürfnisse zugeschnittene Lösung, ohne die Gefahr der Monokultur.

Der Konsortial-MBA ist mittlerweile Vergangenheit; vor allem bei der Deutschen Bank, so scheint es, war man der Auffassung, dass dieses Programm mittlerweile seine Dienste erfüllt habe. "Unseren Mitarbeitern steht aber weiterhin die Möglichkeit offen, den normalen Executive MBA an Ashridge zu machen", erklärt Bert Gochermann, Leiter Managementprogramme an der Lufthansa School of Business. Lufthansa fördert die Teilnehmer weiterhin nach Kräften - auch finanziell. "Die Teilnahme ist aber eine freiwillige Entscheidung der Mitarbeiter. Wie bei allen EMBA-Programmen gilt bei uns auch in diesem Fall der Grundsatz der Eigenbeteiligung. Wie genau die Kursgebühren zwischen Unternehmen und Mitarbeiter aufgeteilt werden und wie viel Freizeit der Teilnehmer investiert, regelt er im Dialog mit seinem direkten Vorgesetzten". In jedem Fall zahlt Lufthansa aber Flüge und Übernachtung.

Der zweijährige Ashridge Executive MBA, der offiziell ein Preisschild von 28850 Pfund plus Mehrwertsteuer) trägt, hat eine überschaubare Größe von etwa 35 Teilnehmern. Deren Durchschnittsalter liegt bei 36 Jahren, wobei fünf Jahre Berufserfahrung zwingende Voraussetzung sind, über zehn die Regel. Das Programm besteht aus zwölf knapp einwöchigen Präsenzblöcken, wovon eine Woche aus einem "international Study Visit" besteht. Anders als beim Vollzeit-MBA kommt beim berufsbegleitenden Executive MBA die deutliche Mehrzahl der Teilnehmer aus Großbritannien; das verbleibende Viertel teilen sich im laufenden Programm Deutsche, Iren, Franzosen, Amerikaner, Russen und Nigerianer. Noch ihrem beruflichen Hintergrund aufgeschlüsselt, kommen die meisten Teilnehmer aus dem Bereich IT & Telekom, gefolgt von Gesundheitswesen und Banking.

"Was uns nach wie vor an dem Programm überzeugt, ist seine hohe Praxisrelevanz und sein Schwergewicht bei der Persönlichkeitsentwicklung", erklärt Lufthansa-Personaler Gochermann. "Wir erhalten ein über die Jahre konstant sehr positives Feedback unserer Teilnehmer."

Das kann auch Anett Heid bestätigen, die den Ashridge-EMBA von 2005 bis 2007 absolvierte. Die 32-jährige Global Key Account-Managerin für Firmenkunden rühmt die "fast familiäre Atmosphäre" der Schule, die kleinen Lerngruppen mit weniger als zwanzig Teilnehmern, die gemeinsamen Essen mit den Professoren. Aber nicht nur das: "Ich war sehr erstaunt über die individuelle Betreuung durch die Ashridge-Mitarbeiter, was sich zum Beispiel daran zeigte, dass wir vom Flughafen abgeholt wurden." Ashridge ist etwa 50 Kilometer nordwestlich von London in einem neugothischen Schloss aus dem 19. Jahrhundert beheimatet, umgeben von einem großen Park. Seit 2003 steht die Schule unter der Leitung des Deutsch-Kanadiers Kai Peters, dre zuvor sehr erfolgreich an der RSM tätig war.

Erstaunlicherweise ist der Ashridge-MBA bei Lufthansa kein Karriere-Booster. Er ist ein Kann, aber kein Muss. "Karrieremäßig führt der Ashridge-MBA nicht zwingend weiter", sagt Lufthansa-Personaler Gochermann. "Es gibt keinen Automatismus."

Überhaupt hat man den Eindruck, dass der Ashridge Executive MBA mittlerweile neben der eigentlichen Karriereförderung bei Lufthansa herläuft. Allerdings arbeitet die Corporate University noch auf einer ganz anderen Ebene mit Ashridge zusammen. "Für unsere Management-Programme, also alle Programme der Führungsebenen, insgesamt etwa 1 000 Manager, haben wir nach einem Ausschreibungsprozess drei "preferred partners" identifiziert", erklärt Gochermann. "Gewonnen haben in dem Pitch Ashridge, die London Business School und die European School of Management and Technology (ESMT)" (an der die Lufthansa als Gründungsmitglied beteiligt ist).

Mit diesen Partnern arbeitet Lufthansa eng zusammen, wenn es um Managerfortbildungsprogramme geht - und ist ein bisschen stolz darauf, dass diese Programme so gut sind, dass sie auch für "Systempartner" wie den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport, die Deutsche Flugsicherung oder die übernommene Fluggesellschaft Swiss attraktiv sind.

Aber auch ohne die offizielle Karriere-Unterstützung durch den Arbeitgeber sehen die Lufthansa-MBA-Studenten in dem Ashridge-MBA viele Vorteile. "Wenn man sich im Management weiterbilden will, ist der MBA doch international heute das Standarddiplom", sagt Anett Heid, die im Übrigen ihren Karrieresprung auf die jetztige Position durchaus auch auf den MBA zurückführt.

Äußerst positiv äußert sich auch Robert Kernahan, der noch mitten im MBA-Studium steht. "Ich war sieben Jahr Fluglotse beim US-Militär in Deutschland", erklärt der 39-jährige Amerikaner. "Ich verstehe eine ganze Menge von Luftfahrt, hatte aber im kaufmännischen Bereich so meine Lücken." Der Leiter Produktentwicklung bei der IT-Tochter Lufthansa Systems wurde von seinem Geschäftsbereichsleiter für den Ashridge-MBA vorgeschlagen, "sonst hätte ich es wohl niemals in Erwägung gezogen."

Das Kalkül scheint auch für Lufthansa aufgegangen zu sein: "Der Return kam sehr schnell", erzählt Kernahan. "Früher waren für mich die kaufmännischen Dinge in meinem Job eine große Herausforderung. Heute bin ich hier doch deutlich effektiver und habe ein besseres Verständnis für die großen Zusammenhänge."

Natürlich macht der MBA-Student auch bei den üblichen MBA-Themen wie Strategie und HR-Management Fortschritte. Doch wirklich erstaunt hat ihn etwas Anderes: "Der MBA öffnet mir die Augen auf andere Sichtweisen. Natürlich war ich als Amerikaner in Deutschland schon immer in einer besonderen Situation. Aber mit 28 Studenten aus neun verschiedenen Ländern zusammen zu sitzen, ist noch einmal etwas ganz anderes." Da wird die Arbeitsbelastung fast nebensächlich. "Es ist viel Arbeit", sagt Kernahan. "Aber es ist zu schaffen."

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