MBA-Programme setzen auf Fallstudien aus der Region
Neue Business Schools entstehen in Osteuropa

28.4.2004 BUDAPEST. Lockere Körperhaltung, flüssig reden und ab und zu mal eine Anekdote einflechten, fällt Todd Cowan leicht. Der Immobilienentwickler muss schließlich täglich Kunden von seinen Projekten überzeugen. 30 Studenten im Seminarraum der Budapester CEU Business School hören gebannt zu, als der Kanadier über den Immobilienmarkt in Osteuropa doziert.

Der Vortrag ist Teil ihrer Ausbildung: Regelmäßig lädt die Schule Gäste ein, die den MBA-Studenten einen Einblick geben sollen, wie es im realen Wirtschaftsleben aussieht. In der anschließenden Fragerunde interessiert die Studenten allerdings vor allem eine Frage: Wie kriege ich einen Job in einem großen Unternehmen?

Unter den Zuhörern: Pavel Cmelik. Der 26jährige Tscheche ist Elektroingenieur. Seit 5 Monaten drückt er in Budapest wieder die Schulbank. Pawel will Investment-Banker werden und der beste Weg dahin, glaubt er, ist ein MBA.

Von Estland bis Slowenien sind im vergangenen Jahrzehnt osteuropäische Business Schools aus dem Boden geschossen, die zum "Master of Business Administration" ausbilden. Allein in Ungarn gibt es mittlerweile rund ein Dutzend MBA- Kurse. Allerdings unterscheiden sie sich zum Teil erheblich, was Zugangsvoraussetzungen, Dauer und Inhalte betrifft.

Die CEU Business School verweist stolz darauf, dass sie die erste Business School in Osteuropa gewesen sei. Der aus Budapest stammende Finanz-Spekulant George Soros tat sich 1988 mit einer Gruppe ungarischer Unternehmer zusammen, um jungen Nachwuchsmanagern eine Ausbildung nach westlichen Standards zu ermöglichen. Mittlerweile gehört die Managerschmiede zur ebenfalls von Soros gegründeten Central European University.

Seit damals, betont Agnes Weninger von der CEU Business School, laufe alles streng nach angelsächsischem Vorbild: Die Studenten sprechen Englisch im Unterricht, sie lernen anhand von Fallstudien, Probleme zu lösen, und sie haben die Möglichkeit, sich in Fächern wie Marketing, Finanzen und IT-Management zu spezialisieren. Und natürlich wird Teamarbeit groß geschrieben. Im Flur hängen neben dem Porträt von Gründer Soros bunte Bilder, die Pawel und seine Gruppe zu Beginn des Kurses zusammen gemalt haben - zur Einstimmung auf das gemeinsame Lernen.

Der Student glaubt fest daran, dass diese Art der Manager-Ausbildung anderen Studiengängen überlegen ist: "In den Reformländern kommen in der Ausbildung noch viele Ideen aus dem Kommunismus. Das muss sich ändern. Die Lehrer müssten die Dinge stärker aus einer globalen Perspektive betrachten."

Nach dem Vortrag auf Pawels Stundenplan: Marketing bei Charles Mayer. Der US-Professor, in Ungarn geboren, hat in Nordamerika, Westeuropa und Asien gelehrt. Auch in seinen Kursen läuft der Unterricht vor allem über Fallbeispiele, ganz wie an US-Universitäten - mit einem Unterschied: "Die Fälle werden von uns extra für die Region geschrieben. Schließlich werden viele unserer Studenten in Zukunft in einem dieser Länder arbeiten."

In Pawels Kursen sitzen Ungarn, Serben, Rumänen, aber auch einige Westeuropäer und Asiaten. Sie alle träumen von einer großen Karriere, am liebsten in einem multinationalen Unternehmen. Das lassen sie sich einiges kosten. Für einen elfmonatigen Vollzeit-MBA zahlen die Studenten 10.500 US-Dollar. Das ist allerdings deutlich weniger, als sie ein Abschluss in den USA oder Westeuropa kosten würde. Pawel hat wegen guter Leistungen einen Teil der Studiengebühren erlassen bekommen. Für den Rest haben seine Eltern einen Kredit aufgenommen.

Auch durch die Lage der Business School profitieren die Schüler: Sie liegt im Stadtteil Pest, mitten im Finanz- und Geschäftsviertel. Viele multinationale Konzerne betreuen von hier aus den osteuropäischen Markt.

Kristina Block ist Wirtschafts-Redakteurin bei Deutsche Welle-TV. Diese Reportage ist Teil der Sendereihe "Generation Europa", in der DW-TV bis zum 1. Mai junge Europäer aus den EU-Staaten vorstellt. Mehr Informationen unter www.dw-world.de/generationeuropa

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