MBA-Wettbewerb
Letzter Schliff

Der Politologe Carsten Wierwille gewinnt Deutschlands höchstdotierten MBA-Wettbewerb. Mit dem Junge-Karriere-RSM-Stipendium geht er im Herbst an die Rotterdam School of Management.
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Und wieder kein Wirtschaftswissenschaftler. Zum dritten Mal in Folge geht das Junge Karriere-RSM-Stipendium - mit 34.000 Euro Deutschlands höchstdotierter MBA-Wettbewerb - an einen Kandidaten ohne ökonomische Vorbildung. "Keine Absicht", versichert Connie Tai, Chefin der Bewerberauswahl an der RSM. "Es gewinnt derjenige mit der besten Präsentation in der Endrunde und dem größten Potenzial." 2002 gewann die Germanistin Katrin Lorenz, 2003 der Diplom-Forstwirt Martin Gerhardt. Nun erhält der Politologe Carsten Wierwille die Gelegenheit, mit dem 15-monatigen Studium an einer der renommiertesten Business Schools in Europa seiner Karriere eine neue Wendung zu geben.

Durchgebissen, Blut geleckt

"Rotterdam ist eine Chance, Teile meiner Biografie zusammenzubringen", sagt der 35- jährige Gewinner. Wie eine gradlinige Karriere liest sich sein Werdegang tatsächlich nicht. Nach seinem Politologie-Studium an der Uni Hamburg wollte Wierwille eigentlich in die Beratung des öffentlichen Sektors gehen, fand sich dann aber beim IT-Consulter Accenture in einem Mega-Telekom-Projekt wieder.

Der Wettbewerb: So sind Sie dabei



Die Junge-Karriere-RSM-MBA-Scholarship Competition wird auch im nächsten Jahr fortgesetzt. Teilnehmen kann jeder Deutsche oder in Deutschland permanent lebende Ausländer, der das MBA-Aufnahmeverfahren an der Rotterdam School of Management (RSM) durchläuft. Der Preis von 34.000 Euro ist nicht teilbar.


www.jungekarriere.com/mba

"Von den 500 IT-Beratern, die daran beteiligt waren, hatte ich am wenigsten Ahnung", gesteht er rückblickend. Immerhin: Nach einigen Monaten Zähne zusammenbeißen hatte er sich den Respekt der IT-Spezialisten erarbeitet. Und Blut geleckt: "Seitdem bin ich vom strategischen Einsatz neuer Technologien begeistert."

Harte Schule New York

Zwei Accenture-Jahre später ein neuer Bruch: Wierwille heuerte bei einem kleinen New Yorker Software-Startup an, auf das er zufällig in einer der Job-Datenbanken gestoßen war. "Natürlich war es ein Risiko", sagt der mit einer Amerikanerin verheiratete Deutsche, "aber ich merkte langsam, dass mir die klassische Technologieberatung zu wenig war." Keine leichte Tour. In den fünf Jahren in New York erlebte Wierwille den Aufstieg und den Niedergang der New Economy, stieg selbst zum Vice President auf, stellte Leute ein und musste sie wieder entlassen. "Da ist mir erst klar geworden, was ich alles nicht weiß", fasst Wierwille die New Yorker Erfahrung zusammen. "Ich stehe beruflich im vierten oder fünften Stockwerk, aber das Fundament ist nicht da." Höchste Zeit für einen MBA.

Die Ausschreibung des Rotterdam-Stipendiums kam ihm gerade recht. Natürlich hatte der in New York lebende Berater einen kleinen Vorteil, als es in der Endausscheidung darum ging, sich 20 Minuten lang auf Englisch zum Thema "corporate social responsability" auszulassen. Doch was Wierwille zu sagen hatte, war nicht nur besser präsentiert. Es war vor allem besser vorbereitet und durchdacht. Eben so, wie ein Gesellschaftswissenschaftler an solche Aufgaben herangeht.

In Rotterdam will er jetzt lernen, was er noch nicht draufhat. "Für mich die Gelegenheit, ein Wissensfundament zu legen und das handwerkliche Gerüst aufzubauen, um danach wieder unternehmerische Verantwortung zu tragen", blickt der MBA-Gewinner nach vorne. "Im Beratungsgeschäft habe ich gelernt, mit Situationen umzugehen, in denen man ständig zu viele Informationen und zu wenig Zeit hat. Das MBA-Studium wird mir hoffentlich die Fähigkeit geben, komplexere Probleme zu lösen - und dabei weniger Fehler zu machen." Und nicht zuletzt die Chance, die Bruchstellen in seinem Lebenslauf im Nachhinein zusammenzufügen.

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