NIcht jeder MBA-Studiengang verdient seine Bezeichnung
Im Land des Etikettenschwindels

Wäre es nicht so traurig, könnte man darüber lachen: Ausgerechnet in einem Land, in dem Bildung so hochgradig reglementiert ist wie in Deutschland und jede noch so kleine Änderung bei Studienordnungen von den aufsichtsführenden Wissenschaftsministerien genehmigt werden muss, darf jedermann völlig ungeprüft ein MBA-Programm auf den Markt bringen.

Nichts und niemand wacht darüber, ob dieses minimalen Qualitätsanforderungen genügt oder überhaupt ein „richtiger“ MBA ist; dem Wildwuchs sind Tür und Tor geöffnet. So wundert es nicht, dass sich der deutsche MBA-Markt innerhalb weniger Jahre geradezu explosionsartig entwickelt hat und hier zu Lande mittlerweile über 120 Programme angeboten werden, die sich MBA nennen. Nur wenige davon sind gut, manche akzeptabel, aber viele liegen eben auch im Bereich von Etikettenschwindel bis Titelhandel.

Manche dieser Programme, vor allem solche, die von Fachhochschulen angeboten werden, sind nicht notwendigerweise schlecht. Sie sind nur keine MBA-Programme, sondern eigentlich Master-Programme zur Spezialisierung in der einen oder anderen Fachrichtung. Solche Programme gibt es an vielen Business Schools im Ausland auch – nur nennen die sich dort korrekterweise auch Master oder Master of Science. Mancher deutsche Anbieter bringt sich auch selbst um den Ruf. Wie man das zarte Pflänzchen eines durchaus hoffnungsvollen MBA-Programms killt, wurde am Stuttgart Institute of Management and Technology (SIMT) gezeigt. Und wie man sich mit vollmundigen Ankündigungen selbst lächerlich macht, demonstrierte die European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin.

Aber es gibt auch positive Entwicklungen: Während man anderswo mit bombastischen Versprechungen an die Presse ging, baute die private Handelshochschule Leipzig (HHL) fast im Verborgenen nach und nach ein gutes MBA-Programm auf und stellte sich dann auch dem internationalen Qualitätsvergleich. Die staatliche Universität St. Gallen (HSG) positioniert sich europäisch, und die ebenfalls staatliche Uni Mannheim lässt gerade ihre Konkurrenten in Berlin und München, Köln und Münster im Schatten stehen. Ganz zu schweigen von der privaten WHU Koblenz, die sich gerade über die MBA-Programme als Business School neu erfindet.

Doch man täusche sich nicht: Bis ein deutscher MBA-Anbieter in der ersten Liga der europäischen Business Schools mitspielen wird, werden noch Jahre vergehen. Was sich abzeichnet, ist ein Drei-Klassen-System: eine Gruppe von ambitionierten Hochschulen, die sich AACSB- oder EQUIS-akkreditieren lassen, eine zweite Gruppe, die – vielleicht durch Umbenennung und klarere Positionierung – ihre Marktnische als regionaler Anbieter oder spezialisiertes Master-Programm finden wird, und ein Graumarkt von zweifelhaften bis halbseidenen Programmen. Ihnen wird (hoffentlich) von einer kritischen Presse das Abzocken mehr oder minder unwissender Interessenten zunehmend schwer gemacht oder doch einmal staatlicherseits das Handwerk gelegt werden.

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