Private Hochschule setzt auf Internationalität
European Business School testet Studenten wie in Amerika

Als erste deutsche Hochschule führt die private European Business School (EBS), eine der führenden Hochschulen für Betriebswirtschaft in Deutschland, den an allen US-amerikanischen Business Schools üblichen Standardtest GMAT für alle Master-Studiengänge verbindlich ein.

Die in Oestrich-Winkel (Rheingau) beheimatete, als gemeinnützige GmbH geführte private Hochschule, will mit ihrem Schritt Zeichen in der deutschen Hochschullandschaft setzen. Der Graduate Management Admission Test (GMAT, sprich: dschi-mät) ist ein computergestützter englischsprachiger Standardtest, der sowohl quantitativ-mathematische Fähigkeiten als auch sprachliches Ausdrucksvermögen abfragt, und so Aussagen über den zukünftigen Studienerfolg verspricht. Der vom gemeinnützigen Graduate Management Admission Council (www.gmac.org) organisierte Test wird von fast 2000 Wirtschaftshochschulen weltweit als Aufnahmebedingung verlangt. Das Testergebnis wird in Punkten („score“) ausgedrückt.

Die maximale Punktzahl von 800 erreichen jährlich nur etwa 50 von über 100.000 Testteilnehmern. Um an einer sehr guten Business School in den USA (Harvard, Wharton, Stanford, Kellogg, Columbia etc.) aufgenommen, ist ein „score“ um 700 notwendig. Die EBS wird den GMAT ab dem kommenden Semester für alle Bewerber für Master-Studiengänge und den Promotionsstudiengang einsetzen. Das betrifft insbesondere auch den konsekutiven Master-Studiengang, also das Studium, das sich an die neuen Bachelor-Studiengänge anschließt und den bisherigen Diplomstudiengang ersetzt.

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Handelsblatt fragte den EBS-Chef Professor Ulrich Hommel, der selbst viele Jahre in den USA studiert und gearbeitet hat, nach den Gründen.

Professor Hommel, die EBS unternimmt den spektakulären Schritt und führt den "amerikanischen" GMAT verbindlich ein. Was versprechen Sie sich davon?

Der GMAT gilt in der anglo-amerikanischen Welt als absoluter Qualitätsstandard. Seine Einführung an der ebs erfüllt daher zwei Funktionen: Zum einen spiegelt sie unsere konsequente Qualitätsorientierung wider; zum anderen ist der verbindliche GMAT Teil unserer internationalen Ausrichtung. Beides sind Bereiche, in denen wir das Profil der Hochschule kontinuierlich schärfen und weiterentwickeln wollen. Zudem absolvieren viele unserer Studenten bereits den GMAT, um an internationalen Doppeldiplomprogrammen teilzunehmen.

Schön und gut, aber ist bei diesem spektakulären Schritt nicht auch ein bisschen "Show" dabei, ein PR-Effekt, mit dem man sich von den anderen deutschen Hochschulen absetzen kann?

Qualität steigert man nicht von jetzt auf gleich durch eine einmalig Show-Einlage. Qualitätsmanagement ist Teil einer langfristigen unternehmerischen Strategie. Aber natürlich will sich die ebs als eine marktorientierte Hochschule aktiv von ihren Mitbewerbern abheben. Akademische Qualität und Internationalität sind hierbei wesentliche Faktoren. Daher erlaubt uns der GMAT, uns in einer positiven Art und Weise von anderen Hochschulen abzuheben. Mit „Show“ hat das allerdings nichts zu tun.

Aber ist es nicht seltsam, einen englischsprachigen Test für deutschsprachige Studiengänge zu verlangen?

Bei rein deutschsprachigen Studienangeboten in einer national ausgerichteten Hochschule wäre das tatsächlich der Fall. Allerdings verstehen wir uns als europäische Universität, die auf einem internationalen Markt agiert und Zug um Zug ihre Position verbessern möchte. Jetzt schon haben alle Studiengänge der ebs erhebliche Anteile an englischsprachigen Vorlesungen. Zudem werden die bald anlaufenden konsekutiven Master-Programme, die den GMAT voraussetzen, nahezu vollständig auf Englisch angeboten.

Die Gleichung Höherer GMAT-Wert (score) = bessere Studenten = bessere Job-Performance ist umstritten, zumal beim GMAT tendenziell Leute besser abschneiden, die gut in Mathematik sind. Sind Sie wirklich sicher, dass Sie mit dem GMAT bessere Studenten bekommen.

Qualität ist niemals eindimensional. Daher werden auch wir nie alleine auf den GMAT-Score vertrauen. Der GMAT kann jedoch grundsätzlich die Eignung von Studenten und Absolventen testen. So sind Textverständnis und angewandte Mathematik elementare Fähigkeiten, die in Studium und Beruf benötigt werden.

Und Sie glauben, dass das dann auch die besseren Manager/Unternehmer werden?

Für den späteren beruflichen Erfolg sind nicht-standardisierte Fähigkeiten, so genannte Schlüsselqualifikationen, mindestens so wichtig wie das Grundhandwerkszeug eines Ökonomen. Daher legen wir soviel Wert auf Persönlichkeitsentwickklung. Dazu bieten wir ein umfassendes Programm mit einem persönlichkeitsorientiertem Aufnahmeverfahren, verbindlichem studium universale, studentischen Sozialprojektenund individuellem Coaching. Damit sind wir seit langem Vorreiter im deutschen Hochschulmarkt. „Responsibility“ ist eine von drei Kernbotschaften unseres Mission-Statements.

Aber der GMAT macht doch nur dann Sinn, wenn Sie ihn in Zukunft auch wirklich als Selektionskriterium bei der Auswahl Ihrer Studenten verwenden.

Die EBS wird den GMAT zunehmend auch in Aufnahmeverfahren einsetzen, speziell um internationalen Bewerbern entgegenzukommen. Wir vertrauen jedoch zugleich unserem bewährten, intern entwickelten Aufnahmeverfahren und werden Elemente hiervon zusammen mit dem GMAT einsetzen. Schließlich betrachten auch amerikanische Business Schools neben dem GMAT den Lebenslauf, Abschlussnoten, Referenzen und Kurzessays als Kriterien in der Studentenauswahl.

Werden Sie ein GMAT-Minimum definieren, das jemand haben muss, um an der EBS studieren zu können?

Die akademische Leistungsfähigkeit unserer Studenten ist für die EBS ein essenzieller Erfolgsfaktor, der sowohl auf dem Arbeitsmarkt als auch von Sponsoren genau verfolgt wird. Für die meisten Programme bedarf es daher eines absoluten Minimum-Standards, das aber möglicherweise je nach angestrebtem Studiengang variiert. Daran arbeiten wir noch.

In den USA ist es üblich, dass die Business Schools auch den durchschnittlichen GMAT-Wert (score) ihrer Studenten veröffentlichen. Plant die ebs das ebenfalls?

Diese Tradition der öffentlichen GMAT-Durchschnitte führt leider dazu, dass viele Hochschulen ihre Studentenauswahl zu sehr auf die Test-Ergebnisse ausrichten und zum Teil sogar die berichteten Statistiken schönen. Dieser Form des Wettbewerbs wollen wir uns daher nicht verschreiben. Für einzelne Programme können wir uns jedoch vorstellen, GMAT-Scores im Interesse der internationalen Vergleichbarkeit zu veröffentlichen.

Die Fragen stellte Christoph Mohr.

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