Sieben Fragen an: Bernard Ramanantsoa
"Paris wird zum internationalen Zentrum"

Der Chef der Elitehochschule HEC äußert sich im Gespräch mit dem Handelsblatt zur Bündelung der Kräfte und der internationale Ausrichtung des neuen Insefi.

HEC Paris und Ecole Polytechnique(X) tun sich zusammen, um das neue Insefi zu gründen. Was sind die Gründe?



Wir haben den Ehrgeiz, ein internationales Exzellenzzentrum zu schaffen, das die besten Studenten, Forscher und Professoren in Wirtschafts- und Finanzwissenschaften anzieht. Mit der Gründung des Insefi erreichen wir die kritische Masse von 40 bis 50 Vollzeit-Dozenten und Professoren.

Was genau kann das Insefi ausländischen Forschern und Wissenschaftlern anbieten?

Das Insefi unterscheidet sich von anderen Einrichtungen durch die große Konzentration von Forschern an einem Ort. Darüber hinaus gibt es noch andere Besonderheiten wie die starke Interaktion zwischen Forschung und Lehre, eine Ausrichtung der Aktivitäten auf die Bedürfnisse der Unternehmen oder besondere Forschergruppen in Versicherungwesen oder Risikoforschung.

Die Kräfte zweier Hochschulen zu bündeln, ist eine gute Idee, wenn man von einer Position der Schwäche herkommt. Aber gilt letztlich nicht für die Wirtschaftswissenschaften in Frankreich (wie auch in Deutschland), dass sie international nicht viel zählen?

Nun, so ganz stimmt das ja nicht. HEC wird zum Beispiel für seine Forschungsleistung vom "Journal of Finance" als die Nummer eins in Europa bewertet. Oder nehmen Sie die Universität Toulouse, die auch international sehr anerkannt ist.

Aber gibt es nicht doch so etwas wie einen "Brain Drain" junger Talente in den Wirtschaftswissenschaften von Frankreich ins Ausland - insbesondere in die USA?

In den Wirtschaftswissenschaften gehen sehr wenige französische Jungforscher ins Ausland. Es gab kürzlich eine Rangliste der international besten Franzosen. Vier der zehn produktivsten jungen Franzosen (in der Reihenfolge des Rankings: Gilles Saint-Paul, David Martimort, Hervé Crès (HEC) und Thomas Piketty) leben alle in Frankreich; von der älteren Generation wirken nur zwei in der USA.

Aber nehmen wir doch einmal das Beispiel der Nachwuchsstars Esther Duflo, 2005 zum "Best Young French Economist" gekürt. Sie ist heute Professor am MIT in Boston. Warum sollte so jemand nach Frankreich zurückkehren wollen?

Ich würde darauf wetten, dass Frau Duflo nach Frankreich zurückkommen wird, wenn solche Institutionen wie das Insefi erst einmal ihre internationale Bekanntheit und Forschungsleistung verbessert haben. Thomas Piketty, "Best Young French Economist" im Jahre 2002, war von 1993 bis 1995 auch MIT-Professor und ist zurückgekehrt. Und um nur von HEC Paris zu sprechen: Wir haben in den letzten Jahren solche jungen Talente wie Laurent Calvet (von Harvard), Hervé Crès (von Wharton), Alessandro Citanna (von Carnegie-Mellon), Pierre Mella-Barral (von der London Business School) und Johannes Horner (von Kellogg) abgeworben.

Aber haben Sie überhaupt die finanziellen Mittel, Jung-Stars der Ökonomie an HEC zu binden?

Die zitierten Beispiele sprechen doch Bände! Und das wird uns in Zukunft noch besser gelingen, weil wir unsere Ressourcen mit denen der École Polytechnique zusammenlegen können.

Kommen wir noch einmal auf das zukünftige Master-Programm des Insefi zurück. Warum sollte ein junger Deutscher in Paris Wirtschaftswissenschaften studieren wollen?

Das Programm wird auf Englisch durchgeführt werden, und unser Ziel ist es, damit die besten ausländischen Studenten anzulocken. Ein deutscher Student würde von einem Lehrkörper in Wirtschaft und Finanzen profitieren, der internationales Niveau hat. Und auf dem Arbeitsmarkt von der Bekanntheit der beiden Marken HEC und Polytechnique (X).

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