Telekom-Personalchef Thomas Sattelberger
MBA-Kritiker wird ESMT-Aufsichtsrat

Der neue Personalvorstand der Deutschen Telekom AG, Thomas Sattelberger, zieht nun auch in das Aufsichtsgremium der European School of Management and Technology (ESMT) ein. Damit kontrolliert künftig ein dezidierter MBA-Kritiker die von 25 führenden deutschen Unternehmen begründete MBA-Schule in Berlin.

ESMT-Aufsichtsratsvorsitzender wird zum 1. Oktober Clemens Börsig. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Deutschen Bank ersetzt Gerhard Cromme, einen der ESMT-Gründerväter, der in das Kuratorium der ESMT-Stiftung eintritt.

Sattelberger ist unter den deutschen Personalern einer der besten Kenner der internationalen Business School-Szene. In seiner Funktion als Leiter Konzern-Führungskräfte und Personalentwicklung der Deutschen Lufthansa AG (1994-99) betrieb er sogar den Aufbau einer eigenen „Lufthansa Business School“ (corporate university).

Sattelberger ist auch Board-Mitglied der European Foundation for Management Development (efmd), der wichtigsten europäischen Business School-Vereinigung, die auch das in Europa maßgebliche equis-Prüfsiegel für MBA-Studiengänge vergibt. In Business School-Kreisen wird der 58-jährige Sattelberger darüber hinaus als ein möglicher Nachfolger des EFMD-Präsidenten Gerard van Schaik gehandelt, sollte der ehemalige Heineken-Chef in zwei Jahren sein Amt abgeben.

In der Vergangenheit gehörte Sattelberger auch dem Regional Advisory Board Europe der London Business School an. In jüngster Zeit scheint seine Unterstützung eher der IEDC Bled School of Management (Slowenien) zu gehören.

Trotz seiner unbestreitbaren Business School-Expertise durfte Sattelberger am Aufbau einer international wettbewerbsfähigen, deutschen Business School nicht mitwirken, den ein kleiner Kreis um Gerhard Cromme (ThyssenKrupp), Rolf E. Breuer (Deutsche Bank) und Jürgen E. Schrempp (DaimlerChrysler), Henning Schulte-Noelle (Allianz) und Ulrich Hartmann (E.ON) seit Anfang 2002 betrieb. Als Grund wird allgemein die Animosität des damaligen DaimlerChrysler-Chefs Schrempp angenommen, mit dem Sattelberger während seiner Zeit als Leiter des Zentralbereichs Management Development & Education bei der DaimlerChrysler Aerospace (Dasa) aneinander geraten war.

Pikant ist, dass sich Sattelberger in der Vergangenheit mehrfach öffentlich kritisch über die ESMT geäußert hat. Zuletzt gefiel sich der bullige Personaler zudem in einer Anti-MBA-Attitüde, die er bei öffentlichen Auftritten mit sichtlichem Genuss zelebrierte. Auch als neuer Deutsche Telekom -Personalvorstand (seit Anfang Mai dieses Jahres) hat Sattelberger dem Vernehmen nach alle MBA-Aktivitäten des Telekomkonzerns auf Eis gelegt.

Sattelberger will sich auf Handelsblatt-Anfrage zu seinem neuen ESMT-Engagement, das er von seinem Vorgänger Heinz Klinkhammer geerbt hat, nicht äußern. Als Vertreter der Deutschen Telekom AG wird Sattelberger jetzt sowohl Mitglied des ESMT GmbH-Aufsichtsrates als auch des Kuratoriums der ESMT-Stiftung.

Die komplexe Governance-Struktur der ESMT mit ihren zahlenmäßig kaum effizient arbeitsfähigen Gremien erklärt sich wohl aus der Zahl der Sponsorunternehmen.

Allein die ESMT GmbH verfügt neben ihrer vierköpfigen Geschäftsleitung unter dem „Präsidenten und Geschäftsführer“ Professor Lars-Hendrik Röller über einen 19-köpfigen Aufsichtsrat. Daneben gibt es eine ESMT-Stiftung mit einem vierköpfigen Vorstand (Diekmann, Ackermann, Bernotat, Zetsche) und einem 25-köpfigen Kuratorium. Als eigenständige Tochter unter Geschäftsführer Olaf Plötner wird die ESMT Customized Solutions GmbH geführt.

Zu den bei der der ESMT finanziell engagierten Unternehmen zählen Allianz, Axel Springer, Bayer, Bayerische Hypo- und Vereinsbank, BMW, Boston Consulting Group, DaimlerChrysler, Deutsche Bank, Deutsche Lufthansa, Deutsche Post, Deutsche Telekom, EADS, E.ON, KPMG, MAN, McKinsey, Münchener Rück, Robert Bosch, RWE, SAP, Siemens und ThyssenKrupp.

Für ESMT-Aufsichtsrat Sattelberger wird sich nun in den nächsten Monaten die Frage stellen, ob er mit seinem Sachverstand anecken oder lieber in’s Glied treten will.

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