Vertrauliche Studie zur Sanierung der ESMT Berlin
Boston und McKinsey wollen Schule retten

Es ist schon fast eine kleine Sensation zu nennen: Zum ersten Mal haben sich die ansonsten konkurrierenden Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) und McKinsey zusammengetan, um gemeinsam einen Kunden zu beraten: die European School of Management and Technology (ESMT).

Rechtzeitig vor der offiziellen Eröffnung des Berliner ESMT-Hauptsitzes im ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude durch Bundeskanzlerin Angela Merkel am 3. Februar 2006 soll der Business School mittels eines "Turnaround Plans" aus ihrer Misere geholfen werden. Seit ihrer Gründung durch namhafte deutsche Wirtschaftsunternehmen war die ESMT aus den Negativschlagzeilen nicht herausgekommen.

Der vertrauliche Plan, dessen Ergebnisse dem Handelsblatt bekannt sind, ist hoch brisant. Im Wesentlichen sieht er unter der Berater-Floskel "schärfere Positionierung" die Abkehr von dem bisherigen "luftigen" Anspruch der ESMT vor, eine Top-Business School zu werden.

Stattdessen solle die ESMT eher eine "Multi-Company Corporate University" werden, mit einer viel engeren Einbindung der Gründer- und Sponsorunternehmen, sowie deren Expertise (und Experten) in das Lehrprogramm.

Zu den 25 Sponsorunternehmen gehören gegenwärtig unter anderem Allianz, Axel Springer, BMW, Bosch, Daimler-Chrysler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, Eon, Lufthansa, MAN, RWE, Schering, Siemens und Thyssen-Krupp. Einen Sonderfall stellt darüber hinaus die Hypovereinsbank dar, die nicht wie die anderen Gründerunternehmen in die ESMT Stiftung eingezahlt hat, sondern direkt Anteilseigner an der ESMT GmbH wurde. Starker Mann im Hintergrund ist der Vorsitzende des Thyssen-Krupp-Aufsichtsrates Gerhard Cromme. Zentrale Ergebnisse des BCG-McKinsey-Plans wurden bereits mit einigen Aufsichtsratsmitgliedern der ESMT diskutiert.

Neben der strategischen Neuausrichtung der ESMT haben sich insbesondere die Berater von McKinsey auch mit klassischen Maßnahmen zur Kostensenkung beschäftigt. Die Ergebnisse sind nicht minder brisant. So empfehlen die Berater die Aufgabe von mindestens einem der drei ESMT-Standorte Berlin, München, Schloss Gracht (Köln) und einen deutlichen Personalabbau. Gegenwärtig beschäftigt die ESMT insgesamt etwa 80 Mitarbeiter. cmo

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