Wo deutsche Unternehmen ihren Top-Managern den letzten Schliff geben – Weiterbildung für Business Schools lukrativ
Am liebsten maßgeschneidert

Business Schools können mehr. Während deutsche Hochschulen weitgehend dem Modell von Forschung und Lehre (Erstausbildung) verhaftet bleiben, verstehen sich Business Schools traditionell als Ausbildungsstätte für Manager und Unternehmer, denen man das bietet, was sie verlangen.

Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass Business Schools ihr Geld nicht mit MBA-Programmen verdienen – selbst wenn sie 50 000 Euro und mehr an Studiengebühren pro Teilnehmer verlangen. Wirklich Geld ist nur mit Fortbildung für Manager zu machen, im Fachjargon „executive education“ genannt. Das betrifft zum einen so genannte offene Programme (open enrollment), also Formate, die einige Tage, manchmal auch ein bis zwei Wochen dauern können, und für die sich Bewerber individuell anmelden. Hier finden sich Teilnehmer aus verschiedenen Unternehmen in einem Programm. Zum anderen gibt es Formate, die auf die Bedürfnisse einzelner Unternehmen maßgeschneidert werden (customized programs). Im Idealfall entsteht das Programm hier im Dialog zwischen Unternehmen und Business School.

Der Markt ist so lukrativ, dass die US-amerikanische Fuqua Business School (Duke University) ihre entsprechenden Aktivitäten im Jahr 2000 in ein eigenes Unternehmen ausgliederte. Heute macht Duke Corporate Education, Inc. mit Sitz in Durham, North Carolina, in guten Jahren einen Umsatz von 40 Millionen US-Dollar. Erfolgreich ist Duke Corporate Education auch mit deutschen Unternehmen ins Geschäft gekommen: Deutsche Bank, Linde, Schaeffler, Schering und Siemens stehen auf der Kundenliste.

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Ähnlich hat in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von führenden Business Schools mehr oder minder intensive Beziehungen zu deutschen Unternehmen aufgebaut. Erstmals ließen sich einige von ihnen in die Bücher schauen und verrieten, wer ihre deutschen Kunden sind.

Zwei europäische Business Schools dominieren den Markt mit maßgeschneiderten Programme für deutsche Unternehmen: IMD (Lausanne) und Insead (Fontainebleau/ Singapur). „42 Prozent des IMD-Umsatzes kommt aus unternehmensspezifischen Programmen“, berichtet Michael Stanford, Director Partnership Programs. „Im letzten Jahr hatten wir 111 verschiedene Programme für 81 Unternehmen.“ IMD zählt Allianz, Bertelsmann, BMW, Bosch, Degussa, Daimler-Chrysler, Eon, Henkel, RWE, Siemens zu seinen Kunden. Ähnlich lang ist die Kundenliste am Insead. Das Institut entwickelt maßgeschneiderte Programme für Bertelsmann, BMW, Daimler-Chrysler, Degussa, Dresdner Kleinwort, Haniel, Henkel, Merck, Metro und SAP. „Insgesamt organisieren wir 240 solcher Programme für 101 verschiedene Unternehmen“, erklärt Helle Jensen vom Insead. „Executive Education macht 52 Prozent der jährlichen Insead-Einnahmen (126 Millionen Euro) aus, davon bringen maßgeschneiderte Programme alleine mindestens ein Viertel.“

Im Vergleich dazu ist die deutsche Kundenliste der London Business School eher mager. Die Schule, die gewöhnlich mit Insead und IMD zu den drei Top-Anbietern von MBA-Programmen in Europa zählt, nennt als ihre deutschen Kunden lediglich Deutsche Bank und Eon.

Umgekehrt ist mit Ashridge eine britische Schule in diesem Marktsegment besonders aktiv, deren MBA-Programm nicht zu den allerbesten in Europa zählt. „In den Jahren 1996 bis 2002 haben wir ein deutliches, teilweise sogar stürmisches Wachstum bei maßgeschneiderten Programmen erlebt“, berichtet Ashridge-Deutschland-Statthalter Klaus Eckrich. „In manchen Jahren hatten wir Wachstumsraten von 40 Prozent. Und nach einigen verhaltenen Jahren verzeichnen wir seit Herbst 2004 wieder ein sprunghaftes Ansteigen der Anfragen.“ Bereits seit elf Jahren organisiert Ashridge für die Volkswagen AG ein über ein Jahr laufendes „Group Junior Executive Programme“, dessen einzelne Präsenzblöcke in Ashridge, Wolfsburg und China, bzw. Mexiko stattfinden. Für Deutsche Bank, Lufthansa, Merck und Bosch hat Ashridge sogar ein komplettes MBA-Programm entwickelt.

Während die führenden französischen Schulen wie HEC und ESSEC durch Abwesenheit auf dem deutschen Markt glänzen, sind die drei spanischen Top-Schulen seit einiger Zeit besonders aktiv. IESE (Barcelona/Madrid), die bereits Programme für Allianz, Bertelsmann, Henkel und VW entwickelt hat, eröffnet unlängst sogar ein eigenes Büro in München. „Was uns von anderen Anbietern unterscheidet, ist unsere Fähigkeit, Programme für unsere Kunden zusammen mit den 16 IESE-Partnerhochschulen weltweit zu konzipieren“, erklärt Fiona van Haeringen, Director Executive Education.

Seit einigen Jahren arbeitet das spanische Instituto de Empresa (Madrid) mit Siemens zusammen. Das einwöchige Programm „How to Develop Competitive Business Plans“ (DEBP) haben seit 2001 etwa 300 Siemens-Manager durchlaufen. ESADE bildet Mitarbeiter der spanischen Tochterunternehmen von Boehringer Ingelheim, Deutsche Bank, DKV und Henkel weiter.

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