40 Prozent der deutschen Unternehmen übertragen Praktikanten ganz unerschrocken eigene Projekte
Eltons teure Fehler

Weil die Firmen sparen, dürfen Praktikanten an immer verantwortungsvollere Projekte – der Trend ist gefährlich.

Wer einen Praktikanten wie Alexander Duszat für sich arbeiten lässt, braucht eine dicke Brieftasche. Auf 2 500 Euro Schmerzensgeld verlangte eine Kölnerin die TV-Produktionsgesellschaft Brainpool, weil sie beim satirischen „Bimmel Bingo“ von dem 32-jährigen mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt wurde. Wenig später zog eine 55-jährige Frau vor Gericht, weil der Showpraktikant, der unter dem Pseudonym Elton arbeitet, sie gefragt hatte, ob sie ihren Hund zur Prostitution zwingt.

Klagen gehören für Brainpool-Chef und TV-Komiker Stefan Raab, der häufig am Rande des guten Geschmacks agiert, zwar zum Geschäft. Doch so häufig wie sein Untergebener Elton liegt kaum ein Fernsehkomiker daneben, wenn es darum geht, die Grenzen richtig einzuschätzen.

Das Beispiel zeigt, wie zweischneidig der Einsatz von Praktikanten ist: Auf der einen Seite profitieren Unternehmen wie Berufseinsteiger vom Praktikantenprinzip. Die Mitarbeiter werden durch die Neulinge entlastet. Die wiederum bekommen die Chance, bei Unternehmen einen Fuß in die Tür zu bekommen. Praktikant ist Elton beispielsweise längst nicht mehr, er hat sogar eine eigene TV-Sendung.

Auf der anderen Seite steht der Risikofaktor Praktikant: Brainpool, nicht Duszat persönlich, muss teuer dafür bezahlen, dass dem TV-Neuling manchmal die Berufserfahrung fehlte, die ihn befähigt, mit Fingerspitzengefühl rechtliche Klippen zu umschiffen.

Praktikanten, die an Stelle von Festangestellten Profijobs machen, gibt es in fast allen Unternehmen. Sie programmieren Websites, schreiben Konzepte und Artikel, beraten Kunden und ganze Firmen. Sie produzieren Fernsehbeiträge für das ARD-Fernsehmagazin Polylux, oder formulieren Wettbewerbsanalysen, wie bei Procter & Gamble in Schwalbach. Die Deutsche Lufthansa AG in Frankfurt lässt Praktikanten im Miles & More-Programm die 14-tägigen Newsletter von studentmiles.com erstellen und zahlt dafür 500 bis 1 000 Euro im Monat. Im Vergleich mit anderen Praktika ist das viel. Im Vergleich zu professionellen Textern ein Schnäppchenpreis.

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